Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli-August 1919)
- Article
- Erna Pinner
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 179 - 180 (sequence 3)
- Language
- German
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179 Jüdische Vorkämpfer 180 ERNA PINNER Frankfurt a. M. die die Festigkeit des Willens kennzeichnet, eigene Wege zu gehen, ist das Charakteristische an ihren Bildnissen, Blumenstücken und Tierdarstellung«n (Aquarelle, Graphiken und farbige Blättchen), be? sonders aber an ihren Landschaften. Alle die Härten und Unebenheiten, die das Auge an ihren Schöpfungen wahrnimmt, sind wohl nur die Eierschalen der „modernen Richtung". Man merkt die Schule Loyis Corinths und den Einfluß des allers neuesten (vorkriegerischen) Parisertums. All das wird jedoch reichlich aufgewogen von vielen zarten, intimen Reizen, die, besonders in den Landschaften und Tierbildern, eine .echt künstlerische Freude an der Natur und an den Farben verraten. Diese Elemente ihres Talentes werden schließlich den Sieg davontragen und schöne Früchte bringen. JUEDISCHE VORKAEMPFER FUER DAS MENSCHENREICH DER ZUKUNFT. Von Dr. B. Friedberg, III. DER FRIEDE DER VOELKER. Wenn einmal, wie der fromme Glaube überzeugt ist, der höchste Richter über die Anstifter dieses Krieges Gericht halten wird, so werden sie sich nicht damit entschuldigen können, sie wären nicht gewarnt worden; denn Gott wird zu ihnen sprechen: Habe ich nicht Propheten zu euch geschickt, die euch zur Umkehr und zum Frieden mahnten, die euch mit Feuerzungen predigten, den Haß fahren zu lassen und eure Völkerstreitigkeiten nach den Anforderungen der Gerechtigkeit und des Friedens zu ordnen? Leo Tolstoi war solch ein Prophet und Berta Suttner, um nur die hervorragendsten zu nennen. Der geniale Dichter, der in jungen Jahren als Offizier selber dem Kriegsgott gedient, und die österreichische Baronin, Tochter einer langen Ahnenreihe -von berühmten Heerführern, hatten ihre ganze Kraft der Bekämpfung des Krieges gewidmet. Aber sie wurden, wie alle Friedensfreunde, von den praktischen Menschen als Utopisten, Träumer verhöhnt, die von den wahren Bedürfnissen des Lebens keine Ahnung hätten und an die harte Wirklichkeit die poetischen Maßstäbe einer idealen Welt anlegten. Die führenden Staatsmänner, welche die Schicksale der Völker und ihrer Länder regierten, sahen achselzuckend, mit überlegenem Lächeln auf diese Schar von weltfremden Idealisten herab, die es wagten, das heilige Recht der brutalen Gewalt anzuzweifeln und an der altehrwürdigen Ordnung des organisierten Menschenmordes zu rütteln, die das Heil des Menschengeschlechtes verbürgte. Und in der Tai, sie konnten sich darauf berufen, daß alle Proteste gegen den Krieg, alle Forderungen eines internationalen Schiedsgerichtshofes stets nur aus den Reihen der Intellektuellen gekommen waren, die in der Sphäre des Geistes atmeten und dem unmittelbaren Lebenskampf um die Güter dieser Erde fernstanden. Es war etwas ganz Neues, bis dahin Unerhörtes, als im J. 1899 aus den Reihen der Wirklichkeitsmenschen, der Führer und Organisatoren des europäischen Wirtschaftslebens dem Völkerfrieden ein