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Ost und West · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1919) · p. Seite 177 - 178

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1919)
Article
Erna Pinner
Date
1919-07-01
Page
Seite 177 - 178 (sequence 2)
Language
German
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177 Erna Pinner. 178 die Welt hinaus: „Wir sind entschlossen, uns unsere eigene Kultur zu machen, die Welt ist verpflichtet uns die günstigen Bedingungen dafür zu gewähren, damit wir in die Lage ver* setzt werden, die Menschheit mit einer neuen, originellen Kultur zu beglücken." Das ist, im Gegensatz zur antiken Empfindungsweise, der Ausdruck des bewußten Willens, eine „Kultur" herzustellen, die von allen anderen verschieden, also originell ist. Was dabei herauskommen wird, wird die Zukunft lehren. Einstweilen laufen wir allerdings Gefahr, vor vielen Kulturen der Kultur verlustig zu gehen. Indessen ist es unzweifelhaft, daß trotz der unerquicklichen Erscheinungen, die dieser bewußte Kulturwille, diese „völkische" Origi* nalitätssucht mit sich führt, am Ende doch daraus eine Bereicherung der wirklichen Kultur erwachsen wird: das Überspannte und Verstiegene wird als totes Gut zu Boden fallen, die kleinen Flüßchen werden in den großen Kulturstrom einmünden, aber eine neue Schattierung, einen neuen Ton hin* einbringen, der die Allgemeinheit bereichern wird. Dasselbe Spiel wiederholt sich auf dem Ge* biete der Kunst. Jeder der großen italienischen Maler des 15. und 16. und der niederländischen des 17. fahr* hunderts bemühte sich, in den Spuren der alten Meister zu wandeln, von ihnen zu lernen, es ihnen ERNA PINNER Porträt Dr. H. B. Frankfurt a. M. Oellilci ERNA PINNER Weiße Kamelie Frankfurt a. M. Aquarell gleichzutun. Aber da sie wahrhaft große, originelle Individualitäten waren, brachten sie dabei, während sie ihre Vorgänger „nachahmten," ihr Eigenstes unbewußt ans Tageslicht, entfalteten den reichen Inhalt ihrer Persönlichkeit, und so entstanden die unsterblichen Werke, die alle den Stempel höchster Eigenartigkeit und Unnachahmlichkeit tragen. In unserer Zeit ist das umgekehrt. Die jungen Künstler, kaum daß sie flügge geworden sind, streben mit Heftigkeit danach, sich „geistig selb? ständig" zu machen, wollen die Welt mit eigenen Augert sehen, wenden sich schroff von aller Kunst* tradition ab, verwerfen alle Erfahrungen der Vor* gänger und gründen immer neue „Schulen". Diesem Bestreben verdanken wir u. a. die neuesten Seit* samkeiten des Futurismus und des Kubismus und ihrer verschiedenen Abarten. Mustert man jedoch die neuesten Produktionen dieser Richtungen mit unbefangenem Sinne, überwindet man das Gefühl der Befremdung, wel* ches der erste Anblick einflößt, und sucht nach dem tiefen Untergrund', so entdeckt man hie und da ein vereinzeltes Talent, das wirklich Eigenes bringt und durch den selbstgewählten Zwang der neuen Formeln hindurch sich einen Weg zur echten Kunst bahnt. Zu diesen vereinzelten Talenten im Gestrüpp der neuen Richtungen gehört die junge Frankfurter Malerin Erna Pinner. Eine gewisse Eigenwilligkeit,

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