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Ost und West · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1919) · p. Seite 137 - 138

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1919)
Article
Staat und Kirche
Date
1919-05-01
Page
Seite 137 - 138 (sequence 6)
Language
German
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137 Die Arbeit der jüdischen Frauen in Deutschland während des Krieges. 13S sollen, die historischen Religionen zu überwinden und zu ersetzen, sind leider nicht bekannt geworden. Es steht zu befürchten, daß die „herrliche Weltanschauung des Sozialismus" . in diesem Kriege zusammen mit dem Militarismus gründlich bankrott gemacht hat. In' allen Parlamenten der kriegführenden Siaaten saßen im August 1914 Vertreter dieser herrlichen Weltanschauung, in allen, mit alleiniger Ausnahme Rußlands, bildeten sie sehr mächtige sogar ausschlaggebende Parteien; trotzdem hat sie den Krieg nicht verhindert,, nicht gemildert, nicht verkürzt, nicht beendet; sieist ohnmächtig, den Frieden zu beschleunigen oder menschlicher zu gestalten. Und doch bildet das Feldgeschrei „Krieg dem Kriege" eines der Hauptschlagworte der Sozialdemokratie, mit denen sie die Massen der Gebildeten aller Länder zur Gefolgschaft veranlaßt Frau Luise Zietz sprach das große Wort aus: „Die Religion ist ein Produkt der Entwicklung, sie ist in der Zeit entstanden und sie wird mit der Zeit vergehen." Sie vergaß eine Kleinigkeit: nicht nur die Religion ist ein Produkt der Entwicklung, auch die Sprache, die Kunst, die Wissenschaft, die Poesie, die Technik sind nicht auf einmal vom Himmel gefallen, sie sind ■ in der Zeit entstanden und haben sich entwickelt. Glaubt Frau Luise Zietz, daß auch diese Geistestätigkeiten mit der Zeit verschwinden werden? Möglich! Aber was dann kommen wird, ist völlig gleichgültig. Doch bis dahin dürfte es noch eine geraume Weile dauern. Bis dahin hat die Oeffentlichkeit und ihr Vertreter, der Staat, ein sehr lebhaftes Interesse an allen diesen Kulturgebieten und ein nicht geringeres an der Religion. DIE ARBEIT DER JUEDISCHEN FRAUEN IN DEUTSCHLAND WAEHREND DES KRIEGES. Von Ernestine Eschelbacher (Berlin). Vier schwere Kriegsjahre haben uns heimgesucht und Sorgfcn, Kummer und Schmerzen in Fülle gebracht. Aber bei all' dem großen Leid ist doch auch wieder eine innere Ruhe in uns. So erschütternd es war und so schrecklich schwer die Kriegsereignisse auf uns gelastet, so groß wurde die Liebe, die Hingabe, die Selbstentäußerung, mit der jede einzelne Kraft sich, ihnen gegenüberstellte, mit ihnen ringend? um nach Menschenmöglichkeit zu helfen, zu mildern, versöhnend dem Leid gegenüber in Taten der Liebe zu wirken, Und in den Frauen erwuchs der Gesamtheit eine Heimarmee, die sich ihr Arbeitsfeld überall errang. Keine stand zurück. Die große Mobilmachung der weiblichen Hilfskräfte wurde zum Gradmesser des inneren Wertes und' hinterläßt in den einzelnen, nun sie rückblickend die Kriegsjahre überschauen, ein Gefühl dankbaren Stolzes. Im Geben und im Nehmen lag Kraft, die weiter wirkte. Die jüdische Frauenwelt mit ihrem warmherzigen Empfinden,, dem lebhaften Drang, helfend teilzunehmen, nahm selbstverständlich den vielumfassenden Pflichtteil ihrer Aufgaben mit Hingabe auf sich. "Wie viel von ihrer Seite geleistet wurde, wie mannigfach sie sich einstellte auf die notwendigen Momente, ist Im Rahmen eines kurzen Artikels nicht zu erschöpfen. Die jüdische Allgemeinheit hat ein Recht darauf, zu erfahren, was von ihren. Frauen für sie und für die Ihren draußen und daheim geleistet worden. So sei es gestattet, hier einen ganz kurzen Ueberblick zu geben;, einer späteren, eingehenden, auf breiter Basis aufbauenden Ausführung müßte es vorbehalten bleiben, die ganze Stimme der Segenstaten zu beleuchten, die all-überall, dm ganzen deutschen Vaterland von den jüdischen Frauen mit ausgingen. Nicht engbegrenzt erfaßten sie diese ihre Mitarbeit. Als im August 1914 der Krieg ausbrach, da wurden alle Arbeiten. durch ihn beeinüußt. Staat, Stadt und Gemeinde vereinigten sich, um die Nöten des Krieges nach Möglichkeit abzuschwächen, den Angehörigen der Einberufenen die Sorgen zu erleichtern und ihnen Hilfe zu bringen. Der „Nationale Frauendieost" bildete sich als Mittelpunkt der gesamten von der bürgerlichen Allgemeinheit zu leistenden Hilfe. In fast allen deutschen Städten entstanden solche Vereinigungen und überall schlössen sich ihnen die jüdischen Frauen helfend an. Hier in Berlin verteilten sich seine Beratungsstellen auf 23 Bezirke. In ihnen wurden den Frauen der zum Heere Einberufenen Rat und Hilfe. In den meisten dieser Stellen waren die jüdischen Frauen und Mädchen in hohem Maße mit tätig, vielfach leitend, immer zur Stelle, bewandert und mitgehend in den schwebenden Fragen und mit Ausdauer ihnen gerecht werdend. In dem von den Juden am meisten bevölkerten Stadtgebiet hatten die Leitung mehrere unserer verdienstvollsten jüdischen Frauen und ibr Verständnis für die spezifisch-jüdischen Bedürfnisse erleichterte die Fürsorge, In erter Reilie ist hier zu nennen die gleich nach Kriegsausbruch, von der Jüdischen Gemeinde Berlin gegründete Kriegshilfskommission. Sie zerfällt in eine Männer-, eine Frauen- und Jugendfürsorge. Die Frauen- und Jugendfürsorge wiederum verteilt sich auf 12 Bezirke. Von der sachgemäßen und herzlichen Tätigkeit der leitenden Frauen und ihrer Helferinnen, von dem verständnisvollen Zusammenwirken aller den

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