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Ost und West · 1919-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1919) · p. Seite 129 - 130

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1919)
Article
Staat und Kirche
Date
1919-05-01
Page
Seite 129 - 130 (sequence 2)
Language
German
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129 Staat und Kirche. 130 flinker und erfolgreicher besorgt haben, als den schwie- Millionen die schäbig gewordenen ehrwürdigen Waprigeren, nämlich das Aufbauen und Wiederherstellen, penschilde frisch zu vergolden «liebten." Jetzt werden Dringend nötig war, die Ordnung und Sicherheit auf dem amerikanischen Heiratsmarkte die Mitgiftaüfrechtzuerhalten, die Produktion wieder in Gang preise für englische, französische und italienische zu-bringen, Lebensmittel zu besorgen und Bedingungen Herzöge, örafen und Barone ins Ungemessene steigen, für einen erträglichen Frieden zu schaffen, vor allem da die österreichische und ungarische Konkurrenz den Frieden im Innern zu schützen und alle Aus- . ausgeschaltet ist. Das wird der einzige Nutzen sein, einandersetzungen zwischen den Mitbürgern auf einen den die große republikanische Tat der Adelsabschaffung spateren Zeitpunkt zu verschieben. Mit dem Abschaffen stiftet Die Engländer haben keinen Moment daran, der alten monarchischen Formen, mit dem Hinweggedacht, die neue weltgeschichtliche Epoche mit derräumen der Bildnisse der Regenten und mit anderen artigen kindischen «Reformen« einzuleiten. Umgekehrt, leeren Formalitäten, könnte die Welt noch eine gute nach dem Siege hat das englische Unterhaus auf An¬ Weile warten, ebenso mit der Trennung von Staat und trag Bonar Laws von neuem in begeisterter Huldigung Kirche. Aber das erstere war das Schwierigere, das an den König sich zum monarchischen Prinzip beandere war ungleich leichter. Man begann mit dem karnit, und den Franzosen ist es nicht einmal in den leichteren. In Preußen verhieß der neue Unterrichts- Sinn gekommen, die hohen und höheren Adelstitel minister pädagogische Reformen, die in der Schaffung abzuschaffen oder gar zu verbieten, von denen es in von Schülergemeinden und Konventikeln bestanden, der Republik wimmelt, mehr als je unter der Monvvelche den Lehrbetrieb in die Hand nehmen und archie. Besonnene Menschen befassen sich mit ernsten die Professoren kontrollieren sollten. Das war so Dingen. Uebereilte machen sich an gleichgültige töricht, daß die verständigeren Schüler es vielfach ab- Nebensächlichkeiten heran. lehnten und der Unterrichtsminister seine Anordnungen Zu diesen gleichgültigen Nebensächlichkeiten, zurückziehen mußte. In Oesterreich und in Ungarn deren Erörterung verständigerweise einer ruhigeren hat die Regierung mit großem Kraftaufwand ein Gesetz und gesünderen Zeit hätte überlassen bleiben durchgeführt, welches die Adelstitel und -Prädikate sollen, gehört die Trennung von Staat und Kirche, abschafft und verbietet. Nun ist es für die Welt Im wesentlichen beruht diese Forderung auf vollkommen gleichgültig, ob einer sich Fürst, Graf, dem Grundsatz, den die Sozialdemokratie in dem Baron oder Ritter-nennt; die mit diesen Titulaturen berühmten Erfurter Programm auf ihre Fahne geverbundenen faktischen Privilegien haben im wirklichen schrieben: „ Religion ist Privatsache." Leider Leben längst ihre Geltung verloren. Nur kleinlicher gibf es nichts Hohleres und Falscheres als dieses Plebejerneid und lächerliche Scheelsucht kann daran Schlagwort. Religion ist nicht Privatsache, sondern Anstoß nehmen. Wichtigkeit haben alle diese Ueberim höchsten Sinne des Wortes öffentliche Sache, bleibsei nur für die amerikanischen Dollarprinzessinen, Privatsache ist die Religiosität, nämlich das Verdie bei aller republikanischen Gesinnung auf europähältnis des einzelnen zu den Lehren und Geboten ische Adelstitel förmlich Jagd machten und mit ihren der Religion. Das ist" der heiligste Eezirk des BORIS KEITH Dämmerung Berlin Einzelmenschen, in den die Oeffentlichkeit kein Recht hat, einzudringen. Aber ob Religion in der Welt da ist und gepflegt wird, das ist für sie wohl noch viel wichtiger als Wissenschaft, Kunst und Philosophie. Was würde man dazu sagen, wenn eine Partei den Grundsatz aufstellte: Wissenschaft, Kunst, Philosophie sei Privatsache, der Staat brauche und dürfe sich nicht darum kümmern, wie es um diese Dinge in seinem Bereich bestelltsei! Und dennoch ist die wissenschaftliche und philosophische Ueberzeugung sowie die künstlerische Geschmacksrichtung des einzelnen im ausschließlichen Sinne dieses Wortes seine Privatangelegenheit Es wäre die schlimmste Vergewaltigung und der größte Unsinn, wenn die Oeffentlichkeit einen

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