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Ost und West · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1919) · p. Seite 85 - 86

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Journal
Ost und West
Volume
19 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1919)
Article
Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
Date
1919-03-01
Page
Seite 85 - 86 (sequence 8)
Language
German
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85 Perele. 8& menschlichen neutralen Lehre, deren Prinzipien er 1906 in einer zu Petersburg in Esperanto herausgegebenen kleinen Broschüre unter dem Titel „Homaranismo" (Menschheitslehre) veröffentlichte, aus der die Einleitung und einigewenige Grundsätze oder Bekenntnisformeln hier mitgeteilt werden mögen: Der Homaranismus ist eine Bestrebung mit dem Ziel rein menschlicher und unbedingter allvölkischer Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Der Gedanke des Homaranismus ging aus der früheren Idee des „Hillelismus" hervor, von dem er sich nur dadurch unterscheidet, daß letzterer nur eine Menschheitsgruppe betrifft, während der Homaranismis alle Völker und Religionen umfaßt. Der Homaianismus ist eine Lehre, die, ohne den Menschen von seinem natürlichen Vaterlande, seiner Splache oder seiner Glaubensgemeinschaft loszureißen, ihm die Möglichkeit gibt, jede Unwahrhaftigkeit und Widersprüche in seinen national-religiösen Grundsätzen zu vermeiden und sich mit Menschen aller Sprachen und Religionen unter den Grundsätzen gegenseitiger Gerechtigkeit auf neutral-menschlicher Grundlage zu verbinden. Die Homaranisten hoffen, daß sich die Menschen durch ständige gegenseitige Verbindung auf der Basis einer neutralen Sprache, neutraler Religions-Grundsätze und Sitten zu einer neutralmenschlichen Gemeinschaft verschmelzen werden, was jedoch nur nach und nach, unbemerkt und ohne Unterbrechung geschehen wird. Ich bekenne, daß alle Völker gleichberechtigt sind, und ich schätze jeden Menschen nur nach seinem persönlichen Werte und seinen Handlungen ein, aber nicht nach seiner Abstammung. Jegliche Art Beleidigungen, und Verfolgungen . eines Menschen aus dem Grunde, daß er von einem anderen Stamm geboren, mit einer anderen Sprache oder Religion als ich, betrachte ich als Barbarei. Ich bekenne, daß innerhalb seiner engeren Gemeinschaft jeder Mensch das volle, natürliche und unbestreitbare Recht hat, die Sprache oder den Dialekt zu sprechen, der ihm am liebsten ist, und zu bekennen, welche'Religion ihm am meisten zusagt, aber im Verkehr mit Menschen anderer Abstammung muß er, soweit möglich, eine neutral-menschliche Sprache gebrauchen und nach den Grundsätzen einer neutral-menschlichen Religion leben. Jedes Bestreben eines Menschen, seine Sprache oder seine Religion anderen Menschen aufzudrängen, betrachte ich als Barbarei. Mein Vaterland nenne Ich jenes Land, in dem ich geboren bin oder in dem ich mich dauernd, niedergelassen habe. Jener Teil des Staates, in dem ich meine Jugend verbracht habe oder der besonders von meinem Stamm bewohnt wird,, ist mir teurer als alle anderen Teile, aber ich darf niemals-ein Stück meines oder sogar einesfremden Staates mein Vaterland nennen und Anspruch darauf erheben, weil dort ein Teil meines- Volkes wohnt oder einmal geherrscht hat, da diesnicht allein zu beständigen Streitigkeiten führt,, sondern es würde auch im Gegensatz stehen zu der Freizügigkeit der Menschen auf der ganzen Erde. Dr. Zamenhof ist viel zu spät geboren worden und viel zu früh gestorben. Wäre sein Esperantovor einem halben Jahrhundert in Wirksamkeit getreten, so hätte es die Gegensätze unter den Völkern beträchtlich gemildert und dem alle Völker benebelnden Imperialismus, der nur grobmaterialistischen Machtgelüsten entspringt, das ideale Mäntelchen des Kampfes um die Ausbreitung der Kultur mittels der Sprache genommen. Dr. Zamenhof hätte noch ein Menschenalter leben müssen, um den vollen Triumph seiner Idee mit eigenen Augen zu schauen. Denn es unterliegt keinem Zweifel, daß das Esperanto die internationale Sprache der Wissenschaft, des Handels und Verkehrs, vielleicht sogar der Diplomatie werden wird, insofern die Menschen gewillt sein werden, diese Kunst, die so viel Unheil über sie gebracht, in der Welt zu dulden. Esperanto wird also eins der stärksten Vereinigungs- und Versöhnungsmittel unter den Völkern bilden. Der Name seines Urhebers wird fortleben als der eines der größten Wohltäter des Menschengeschlechts. PERELE. Skizze von S c h. G o r e 11 k. Perele kehrt nimmermehr nach ihrer Heimat, Rußland, zurück, nie und nimmermehr, obgleich der halbgeöffnete Reisekorb in einem Winkel des Zimmers bereit steht und noch andere Anzeichen darauf hindeuten, daß sie fieberhaft und energisch alle Vorbereitungen zu der langen, beschwerlichen Reise getroffen hat. Nein, sie reist nimmermehr. Sie liegt jetzt hingestreckt auf ihrem Bett, die Hände gefaltet. Um die weiße Decke hat eine freundliche Hand weiße Rosen gestreut. Auf einem kleinen Tischchen am offenen Fenster stehen viele kleine Fläschchen, liegen kleine Papier-

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