Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1919)
- Article
- Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 73 - 74 (sequence 2)
- Language
- German
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73 Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft. 74 Streit. Gibfder eine zugunsten des andern seine Sprache auf, so •deucht ihn, daß er seine Persönlichkeit, sein Ich aufgegeben und vernichtet hat. Einigen sie sich auf die Sprache einer dritten Nation, so haben beide sich dieser unterworfen., sich in ihre Hörig* keit begeben. Noch das Mittelalter kannte keinen Sprachenstreit und ^Chauvinismus. Das Lateinische be* herrschte und einigte alle Völker. Es war die Sprache der weltbeherrschenden Kirche und der gesamten Bildung, also die Kul* tursprache par exellence, und da es~nicht Eigentum einer einzelnen politischen Nation war, demütigte •es nicht den Stolz der einzelnen Völker. Die Nationalsprachen dagegen lagen noch im Halbschl ummer. Nun ist Latein eine sehr schwierige Sprache. Unsere Gymnasiasten, die 8 oder 9 Jahre hindurch 8 bis 10 Stunden die Woche es in der Schule lernen, sind beim Abiturium auf freund- .liche Beihilfe angewiesen, um den geforderten Aufsatz zu liefern; nur sehr wenige sind einige Jahre HUGO KRAYN HUGO. KRAYN ('ür die Hirsch-Kupfer- und Messingivcrke) In der Elektrischen nach der Reifeprüfung noch imstande, einen lateinischen Autor zu entziffern. Das Lateinische konnte also nur die internationale Sprache einer Elite sein, der Theologen — die Kirche war ja die einzige Trägerin der Bildung im Mittelalter — und der Juristen, die große Masse blieb allenthalben von jeder höheren Kultur ausgeschlossen. Nur in Oberitalien verstand das Volk noch im 13. Jahrhundert leidlich Latein, so daß es zum Beispiel den Predigten des heiligen Antonius von Padua folgen konnte. Erst das Erwachen der National* sprachen, das zuerst in Italien während der Früh? renaissance einsetzte, und dann in ganz Europa um sich griff, ermöglichte die überaus reiche Entwicklung und Verbreitung der mo* dernen Bildung in den weis testen Volksschichten. Damit entstand aber auch die baby* Ionische Sprachenverwirrung in Europa, die sich immer mehr steigerte, sich mit dem nationalen Chauvin nismus verflocht, im 19. Jahr* hundert von den Napoleon niden aus machtpolitischen Gründen zur Schürung des extremen Nationalismus be* nutzt wurde, einen großen Eisenwerk Teil unseres Kontinents in