Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1919)
- Article
- Ein Trostblättchen von Joseph Budko
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 37 - 38 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
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37 Ein Trostblättchen von Joseph Budko. 38 EIN TROSTBLAETTCHEN VON JOSEPH BUDKO. Von Dr. Karl Schwärz. In früheren Zeiten, da das Lesen und Schreiben noch nicht Allgemeingut von Hoch und Niedrig, Jung und Alt war, hatte der Bilddruck eine weit größere Aufgabe zu verrichten als heutzutage. Das graphische Blatt vertrat die Stelle der Flugschrift, das Bild diente zur Aufklärung, Be* lehrung und Er* mutigung der Massen. Dürers Holzschnitte und Stiche gewannen besondere Bedeu* tung und fanden überall Verbrei* tung, da sie die beredtetste Aus* drucksform der Gedanken ihrer Zeit darstellen und wie Aufrufe in flammenden Schriftzeichen auf das Volk wirkten, InTagen der Not, da Krieg, Hunger, Pest und andere Heimsuchungen das Land trafen, wurden An* dachts*, Erbau* ungs* und söge* nannte Trostblätt* chen in großen Mengen ausge* geben und fanden an dem für sinn* liehe Eindrücke empfänglichen Volke dankbare Abnehmer. Un* sere Zeit kennt diese bildliche Be* jehrung und Aufklärung nicht mehr; heute sucht man durch laute Worte, Aufrufe, marktschreierische Plakate und aufdringliche Werbeschriften die Massen zu gewinnen. Nicht immer wird einer breit angelegten Propaganda die Sorgfalt zugewendet, daß ihre Äußerungen von bleibendem Werte sind und über das Tagesereignis hinaus Interesse gewinnen. Wieder sind, wie zu Zeiten des schwarzen Todes und des dreißigjährigen Krieges schwere Heimsuchungen über uns hereingebrochen. Jetzt, da die Waffen nach ny^iÄ t*"^ 'osa» *T?ip »ja» mir» bKi'^m-jrs'j -ov'v«*3 r-ror-t w\ fa"\K vnwö rauft \=m>\ rrtftrr awSn^n»^ itahvaw ta>axi Ein Trostblättchen von Joseph Budko vier unseligen Jahren, des furcht* barsten Blutver* gießens ruhen, sieht die Welt tränenden Auges all das Unglück, das blühende Ländei Vernich* tet, Armut und Elend gebracht hat. Millionen von Herzen sind gebrochen, Milli* onen von Müt* tern, Frauen und Bräuten weinen um den Verlust ihrer Kinder und Gefährten, Wai* senkmder irren ohne väterlichen Schutz umher. Sehnsüchtige Hoffnungen sind zu Grabe getragen undjammern tönt aus den Woh* nungen der Rei* chen und den Hütten der Ar? men. Geheimnis* volle Krankheiten haben ungeheure Lücken gerissen, ken und schweren Herzens blicken wir in die Zu* kunft, nachdem wir nicht viel mehr als das nack* te Leben aus die* sem Weltbrande gerettet haben. Worte des Trostes und der Auf* munterung verhallen in dem allgemeinen Chaos; die Ohren sind taub geworden und hören nicht mehr auf die Verkündigungen derer, die sich berufen fühlen, zu reden, zu raten und zu warnen. Die bildende Kunst hat fast kein Werk hervorgebracht, das als Aus* druck der in dieser schicksalsschweren Zeit geborenen