Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1919)
- Article
- Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 29 - 30 (sequence 10)
- Language
- German
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29 Im neuen südslawischen Staat. 30 das mir zum Abschied zulächelte und ich höre seine Stimme, die mir zurief: ,,Verraten Sie niemanden meinen Namen, ich rechne darauf." Ich stieg gleich danach in das Wagenabteil, wo mich mein Freund, der Diplomat, mit folgenden Worten begrüßte : „Weißt du setton das Neueste? Unser Thronfolger und seine Gemahlin sind vor wenigen Stunden von einem großserbischen Fanatiker in Sarajewo meuchlings ermordet worden 1" „Bewahre do<?h deine Spaße für die Petersburger Hofdamen auf/' rief ich ärgerlich. «Diesmal ist es kein Spaß, da, lies!" Er hielt mir die Depesche vor, die er soeben erhalten hatte. «Weißt du, was daraus werden kann? Ein europäischer Krieg, mein Lieber, em Krieg, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Aber . . . ich' reise nach Wien. Wir werden die Sache in Ordnung bringen, wir ersticken die Flamme Ln der Asche, wenigstens lokalisieren wir den Brand Kannst dich darauf verlassen. . . ." Ich verließ mich darauf. Die Lokomotive 'J>fiff, der Zug setzte sich in Bewegung IM NEUEN SUEDSL Von Simon Der nunmehr beendete Weltkrieg1, der die schwerste und grausigste Katastrophe seit geschichtlichem Gedenken bedeutet, hat einen großen Teil Europas in einen Trümmerhaufen verwandelt. Viele Jahre werden vergehen, bevor es gelingen wird, die Trümmer wegzuräumen und an deren Stätte Neues aufzubauen, und wenn je, gilt von unserer Zeit, was der Prophet Jeremia vorausgeschaut hat: Es kommen Tage des Niederreißens und des Ausrodens, aber auch des Aufbauens und des Pflanzens. Verschiedene Völker und Volksstämme, die seit Jahrzehnten um ihre politische Freiheit und Unabhängigkeit oderumihre politische und nationale Einigung gerungen haben, stehen jetzt — man kann fast sagen unverhofft — vor dem heißersehnten Ziel. Zu diesen Völkern gehören auch die südslawischen Stämme, die noch vor wenigen Jahren verteilt und versprengt waren, wirtschaftlich und staatsrechtlich verschiedenen Reichen einverleibt, und kaum hoffen durften, daß ihr nationales Problem je eine Lösung nach ihren Wünschen erfahren würde. Und nun übertrifft die Wirklichkeit alles Erhoffte und Erstrebte. Was noch vor kurzer Zeit den meisten als eine Chimäre galt, ist jetzt zur Tatsache geworden. Unter dem Begriff Südslawen, der früher ein geographischer war, verstand man ehedem alle slawischen Bewohner;des Balkans, gewisser Kronländer Oesterreichs und Ungarns, eines Teiles des eigentlich ungarischen Staatsgebiets, Bosniens und der Herzegowina. Somit waren auch die Bulgaren mit inbegriffen. Da sich aber, etwa seit dem Jahre 1878, der nationale Antagonismus zwischen den Bulgaren und den Serben immer mehr verschärfte, so hat man sich daran gewöhnen müssen, den zuerst genannten eine Sonderstellung zu gewähren und unter den Südslawen oder Jugoslawen lediglich die Serben, Kroaten und Slowenen zu verstehen, die jetzt im Begriff sind, sich zu einem AWISCHEN STAAT. Bernfeld. großen Staat zusammenzuschließen. Dieser neue Staat dürfte folgende Länder umfassen: das Königreich Serbien innerhalb seiner Grenzen, die es auf dem Bukarester Frieden vom Jahre 1913 erhalten hat (wobei vielleicht ein Teil von Mazedonien doch an Bulgarien zurückgegeben werden dürfte), das Königreich Montenegro, das Königreich Kroatien und Slawonien, das bislang eine Sonderstellung im ungarischen, Staat, allerdings sehr mühsam, behauptete, einen, Teil Südungarns, der von Serben bewohnt ist (das sogenannte Banat), Bosnien und Herzegowina, die österreichischen. Kronländer Dalmatien und Krain, etwa die Hälfte von IStrien, je einen vierten Teil von Kärnten und Steiermark und vielleicht auch einen Teil von Görz und Gradiska bis zum Isonzo. Im ganzen würde dieser Staat einen. Elächenraum von etwa 240 000—250 0Ö0 Quadratkilometern einnehmen und in territorialem Umfange ungefähr dem Königreich Preußen ohne die östlichen Provinzen Ostpreußen, Westpreußen und Posen gleich sein. Eine genauere Abgrenzung des neuen südslawischen Staates gegen Bulgarien,, Rumänien, Ungarn, Deutsch-Oesterreich und Italien wird erst auf dem bevorstehenden. Friedenskongreß vorgenommen werden. Ethnographisch wird der südslawische Staat die Serben, Kroaten, und Slowenen vereinigen. In aller Kürze soll hier angegeben werden, was die drei genannten Stämme voneinander scheidet. Vor allem ist die Trennung im religiösen Bekenntnis hervorzuheben : die Serben gehören der griechisch-orthodoxen Kirche an, während die Kroaten und Slowenen katholisch sind. Dieser religiöse Gegensatz war bis vor wenigen Jahrzehnten so stark, daß eine serbo-kroatische Vereinigung geradezu unmöglich schien. Die verkehrte Nationalitätenpolitik aber, die man in Budapest trieb, hat das Unmögliche möglich gemacht, Serben, Kroaten und Slowenen (die Slowenen unterscheiden