Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 19 (1919)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1919)
- Article
- Hebräisch
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 7 - 8 (sequence 4)
- Language
- German
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7 Hebräisch. S die Oberschicht in Rumänien mit dem Pariser Nachtleben, Kokottentum, Kabarett- und Spielhöllen- Aresen sich vertraut machte, und von der Seine alle Laster heimbrachte, ohne die französische Kultur auch nur zu streifen. Dieses Treiben der palästinensischen „Griechlinge" bedrohte 'die Religion und das Volkstum mit völliger Auflösung und Zersetzung. Alles, was mt Volke lebensfähig und urwüchsig war, lehnte sich gegen diesen Selbstmord auf und verschloß sich hermetisch gegen jede Berührung mit dem Fremden. Die Rabbinen konnten nicht ahnen, daß diese lasterhaft: verführerische und verkommene Schale einen Kern von höchstem Werte barg, den ihre eigenen Nachfolger etwa ein Jahrtausend später in Babylon und Aegypten mit entzücktem Staunen eindeckten und mit heißem Bemühen sich anzueignen streben würden. Sie konnten nicht ahnen, daß Saadja Gaoti, Maimuni, Gabirol bis zu Chisdai Crescas und Albo, die dereinst die Lehren des Talmud ausbauen, kodifizieren und zum Erbgut des ganzen Volkes Israel machen sollten, zugleich die Bewunderer und Jünger von Sokrates, Plato und Aristoteles sein, ihre Gedanken mit denen der Thora und der Propheten zu vereinen streben? und sie sogar der ganzen christlichen Welt übermitteln helfen würden. Aber diese späteren Geschlechter empfingen die griechische Weisheit aus zweiter oder dritter Hand, in stark getrübter Fom. Anmerkung: Die Bezeichnung „Hebräisch" Cibrith) kommt zuerst in der Mischnah vor (Qittin IX, 8; Jadajjim IVs 5), das erste Mal im Gegensaiz zum Griechischen; es ist die Rede von einer Rechts Urkunde, die teils hebräisch, teils griechisch ausgefertigt ist, das andere Mal im Gegensatz zum Thargum schlechthin; es ist die Rede von einer hebräischen Bibel mit danebenstehender anderssprachiger Uebersetzung. Die Bibel selbst nennt ihre Sprache „Kanaanäisch" (sephat Kennaan) oder „Jehudäisch" (jehudith) (nach der Zerstörung des Nordreichs). — ,,Sobald das Kind zu sprechen aniängt, redet der Vater mit ihm in der heiligen Sprache", heißt es im Siphre (Ekev. 46). In der Thosephta zu Chaggigah I lautet das Wort: „Er lehre es das Schema" , Thora und die heilige Sprache". Diese beiden Stellen dürften wohl die iiitesten Belege sein für die Benennung des Hebräischen als „heilige Sprache", richtiger ,,Sprache der heiligen Dinge" (leschon ha kodesch). In vornehmen Häusern, wie dem des Rabbi Jehuda ha Nassi, war noch im zweiten Jahrhundert n. Chr. das Hebräische Umgangs- Sie in ihrer urspiünglichen Kraft dem eigenen Volke zu übermitteln, als dieses noch' in der Heimat ein relativ unabhängiges, urwüchsiges Dasein führte, aus der griechischen und jüdischen Kultur eine großartige Synt&ese zu bilden, das war die Aufgabe der Juden in der griechischen Diaspora, wo sie bis zum edelsten Kern hellenischen Wesens vorgedrungen waren und in der griechischen Kultur ganz andere Dinge fanden, als ihre palästinensischen Brüder. Allein das hätte nur die hebräische Sprache als Vermittlerin bewirken können; diese aber war den Diasporajuden auch im literarischen Gebrauch abhanden gekommen. Philo von Alexandrien schrieb Griechisch so schön wie Plato, aber selbst er verstand das Hebräische schon nur in sehr geringem Maße, vollends seine sublimen Gedanken in dieser Sprache auszudrücken und den Volksgenossen in der alten Heimat zugänglich zu machen, war er keineswegs mehr befähigt. Es hat hier also die Vernachlässigung des Hebräischen durch1 eine kulturell hochstehende Judenheit eine kulturgeschichtliche Untejlassuiigs'sünde herbeigeführt, deren Folgen tragisch zu nennen sind. Wir werden sehen, daß die Hauptfigur dieser Epoche, bei allem Glanz:, den sie ausstrahlt, eben'infolge dieser Unterlassungssünde einem tragischen Schicksal anheimfiel. spräche auch des Gesindes und der Dienerschaft. (Megillah 10 a.) Aus diesen Kreisen stammt auch das Wort: „Wozu brauchen wir uns in Palästina des Syrischen zu bedienen? Wir sprechen entweder Hebräisch oder Griechisch". (Baba kama 82, b.) Ein Analogpn dazu bildet der Ausspruch (Gittin 49 b): „Wozu brauchen wir in Babylon das Aramäische? Entweder Persisch oder Hebräisch/' Das Syrische wie das Aramäische galt ihnen als eine Art Jargon. Bezeichnend ist, daß kein Geringerer als Salomon L. Ra po port im 19. Jahrhundert auf die Sprachenverhältnisse der polnischen Juden dieses Wort variierend anwandte: „Wozu brauchen wir in Polen den Jargon? Wir sollen uns entweder der hebräischen oder der polnischen Sprache bedienen."- (Bikkure ha Ithim 1828, S. 8—24.) Merkwürdig ist der bekannte geistvolle Ausspruch des Talmud, der vieren von den damals bekannten Sprachen den höchsten Rang zuerkennt: Hebräisch, Griechisch, Persisch und Latein. In diesen vier Sprachen allein haben sich Denkmäler von unvergänglichem Wert erhalten.