Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 9-10 (September-Oktober 1921)
- Article
- Maser
- Date
- 1921-09-01
- Page
- Seite 273 - 274 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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273 Maser 274 Ritters S. Levi und seiner Schwester Gidel Levi" tragen sollte. Einmal jährlich sollte ein besonderer Gottesdienst abgehalten werden, wobei seines Na* mens gedacht und ein Lied abgesungen werden sollte. Er genoß in Gedanken die Zeremonie, als wenn er anwesend gewesen wäre. Mit Rücksicht auf seine Berechnung sagte er dann zu sich selber : „Schlemme ich? Trinke ich? Spiele ich? Will ich das Geld verschwenden, das der Herrgott mir gesandt hat? So wenig will ich es verschwenden, daß es soll mehr werden! Wo könnte Er, mit Respekt zu sagen, einen besseren Verwalter finden als mich, wenn ich nur ein bißchen freien Willen haben darf?" Das war eine glückliche Zeit für Levi; aber wie jedes Glück, das zu sehr auf Phantasie aufge* baut ist, sollte es von keiner Dauer sein, und der Schlag, der kam, wurde nicht nur von einer Seite geführt. Ein Gewitter war in nächster Nähe aufgezogen. Simons Bruder Mortche oder Martin war nun mal eine sanguinische Natur, und die tausend Taler, die er bekommen hatte, nebst der Überzeugung von bedeutend mehr, das ihm augenblicklich vorent* halten wurde, veranlaßten ihn zu spekulieren. An* statt dem Sohne das Geschäft zu übergeben und ihn heiraten zu lassen, packte er selber mit frischem Eifer an, „damit Sohn und Schwiegertochter an etwas Bedeutendes herangehen könnten." Bei so einer Gelegenheit ist der Plan sehr einfach : man kauft in großen Partien auf Kredit und verschafft sich einen verhältnismäßig großen Verdienst" durch den Verkauf in kleineren Partien, und solange die Außenstände eingehen, gibt es einen wirklichen Uberschuß. Die Verhältnisse waren Mortche günstig; die Leute gaben ihm Kredit, teils weil man hier wie in Hamburg annahm, daß sein Bru* der dahinter stand. Eine Zeitlang gingen auch seine Forderungen so pünktlich ein wie ein Uhr* werk. Er bezahlte seine Gläubiger, erhielt neuen Kredit, vergrößerte sich. Er hatte sich einen Bür* gerbrief als Makler verschafft. Nun sollte der Sohn sein Kompagnon sein; bei Jacobsons wurde offiziell gefreit und die Hochzeit auf den Herbst festgesetzt. Dann folgten viele Festlichkeiten in den beiden Familien. Simon Levi sah, daß der Bruder immer mehr drohte, „der Erste in der Familie" zu werden, fügte sich aber darein und nahm mit stiller Würde teil an den Festlichkeiten. Sein Blick war auf das erwartete Ritterkreuz ge* richtet.