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Ost und West · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1921) · p. Seite 205 - 206

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1921)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1921-07-01
Page
Seite 205 - 206 (sequence 7)
Language
German
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205 Moralunterricht 206 Vorhang, der in unserer ersten Ausstellung zu sehen war, zu welchen Gaben er 1794 zwei silberne Krön* leuchter hinzufügte. Nach der »Stimme eines Kos* mopoliten in der Wüste«, Philadelphia 1784, war er »ein Mann von edlem Charakter und unbescholtenem Wandel, ein Mann von großen Reichtümern, ohne sich zu überheben, ein Mann, der nicht bloss seine Glaubensgenossen, sondern auch Christen tätig unterstützt und zu dem jeder Notleidende und Arme, er sei von was für Volk und Landen er wolle, seine Zuflucht nehmen kann.« Die Medaille 103 (Abb. 7) hat Daniels ältester Sohn, der Ober*Hofbankier und Chaussee*Bau* inspektor (Hofbaurat) Isaak Daniel Itzig, herstellen lassen. Auf der Rückseite breitet eine personifizierte Barmherzigkeit mit ihrer Rechten ihr Gewand schützend über einen vor ihr stehenden nackten Knaben, während ihre Linke dem Knaben eine Schüssel mit Speisen hinreicht, nach welcher dieser mit seiner Rechten greift — ein Hinweis auf die von Daniel Itzig der armen Jugend erwiesenen Wohltaten, auf die von ihm gestiftete und geförderte jüdische Freischule, deren erste Direktoren der ge* nannte Sohn Isaak und Itzigs Schwiegersohn David Fnedländer waren. In einer Eingabe der Schul* direktion aus dem Jahre 1805 heißt es: »So lange der für unsere Anstalt unvergeßliche Oberlandes* älteste Daniel Itzig lebte, hatte sie in seiner frey* gebigen Milde eine unerschöpfliche Quelle zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse«. Die Medaille bringt gleichzeitig Daniel Itzigs Altersporträt; es ist um so wertvoller, als wir sonst kein Bild Itzigs besitzen. Dieselbe Stellung, die Daniel Itzig in Berlin einnahm, hatte Lippmann Mey^er in Breslau,^im geschäftlichen Leben Königl. Hofagent, in der Gemeinde der führende erste »Repräsentant«, in der Provinz der Landesälteste, seit 1795 der Oberlandesälteste aller schlesischen Judengemeinden. In der* selben Weise wie Itzig die Berliner jüdische Frei* schule patronisierte, hing Meyers Herz an der Bres* lauer jüdischen »Kgl. Wilhelmsschule«, deren Direkt tionsmitglied er war und um die er sich sehr ver* dient machte. Eine seiner Stiftungen war gleich bei seinem Eintritt in das Schulkollegium eine Spende von 600 Thalern. Die Medaille Nr. 104, die ihn als »Menschenfreund mit Rat und Tat« charakterisiert, wurde ihm am »73. Geburtstage, den 29. April 1803 verehrt von B. F.« Unter diesen Initialen ist der Berliner Numismatiker Benoni Friedländer, der Sohn David Friedländers, richtig festgestelltworden. Wenn aber Meyers Geburtsjahr angezweifelt wird, weil die Breslauer Gemeindebücher 1726 und sein Grab* stein 1729 als Geburtsjahr verzeichnen, so liegen letzteren Angaben Irrtümer zu Grunde. Meyer ist nach den Berliner Beschneidungsbüchern am 3. Ijar 5490 geboren. Der 3. Ijar fiel freilich 1803 auf den 25. April, im Jahre 1730 auf den 20. April. Der Name Heines ist mit goldenen Lettern in den Annalen der Hamburger christlichen und jüdischen Wohltätigkeitsanstalten verzeichnet. Un=* sere Medaille Nr. 105 trägt sein Bild wie das des großen Krankenhauses der deutsch* israelitischen Gemeinde, das 1841 — 1844 auf seine Kosten erbaut wurde, „ein Monument, strahlender als Erz und Marmor, begründet in den Herzen dankbarer Nachkommen". Oppenheimer (Abb. 8) hat das jüdische Altersversorgungshaus am Kraienkamp in Hamburg gestiftet — eine Abbildung der drei zusammen* hängenden Häuser befindet sich auf der Rückseite der Medaille Nr. 110 — Levi die städtische Wasserleitung in Reggio (Italien). Letzterem dankten seine Mitbürger mit der Medaille Nr. 111, „weil er die Stadt mit gesundem Wasser versah". Der polnische Bankier und Stadtrat Rosen ist der Schöpfer von wohltätigen Stiftungen in Warschau. Die Rückseite der von der Warschauer wohltätigen Vereinigung herrührenden Medaille Nr. 109 zeigt eine personifizierte Charitas, von der drei Kinder beschützt werden. Deutsch schließ* lieh hat zur Hebung des Luftsports einen Preis von 100000 Frcs. für denjenigen ausgesetzt, der zuerst den Eiffelturm mit einem Luftschiff umkreisen würde. (Ein weiterer Artikel folgt.) MORALUNTERRICHT Von Dr. Lewkowitz - Berlin Bei den Bestrebungen, das deutsche Bildungswesen neu zu gestalten, wird immer von neuem die Forderung gestellt, den Religionsunterricht aus den öffentlichen Schulen zu entfernen und einen für Kinder verschiedener Bekenntnisse gemeinsamen religionslosen Moralunterricht an seine Stelle zu setzen. Der sächsische Landtag hat einen dahingehenden Beschluß bereits gefaßt. Ob es sich hier um einen Kampf gegen die Kirche und politische Reaktion handelt, oder versucht werden soll, ' ein neues und stärkeres nationales Gemeinschaftsgefühl zu wecken, braucht nicht näher erörtert zu werden. In jedem Falle erscheint es geboten, auf das Bedenkliche und Verkehrte solcher Bestrebungen hinzuweisen. Wenn ein gemeinsamer Moralunterricht erteilt werden soll, muß eine einzige Sittenlehre vorhanden sein, die von den Bekennern der verschiedenen Religionen in gleicher Weise anerkannt wird. Man mag aber die Uebereinstimmung zwischen den Lehren der jüdischen und den Geboten der christy*' liehen Ethik noch so stark betonen und die Verschiedenheiten in der Auffassung des Gebots der Nächstenliebe, in der Beurteilung des Prinzips der Gerechtigkeit übersehen, es bleiben dann immer noc h {gru n d s ätzl ic h ver sc h ied ene Ansch au u n ge n über entscheidende Lebensfragen bestehen. Will man sich nicht auf die Betrachtung der elementarsten bürgerlichen Pflichten beschränken — was doch die kümmerlichste Form sittlicher Erziehung

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