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Ost und West · 1921-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1921) · p. Seite 203 - 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1921)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1921-07-01
Page
Seite 203 - 204 (sequence 6)
Language
German
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203 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung'der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 204 den gewidmeten Medaille, die ihn als die vollen* dete Verkörperung des Judentums feierte: „A Möse Montefiore sintesi perfetta del Giudaismo nel suo centenario VIII Kesvan (1) 5645". In der Umschrift der englischen Medaille sind die Länder aufgezählt, nach aenen Montefiore zum Schutze seiner bedrängten Glaubensgenossen Reisen unternahm: „Holyland, Egypt, Damascus, Con* stantinople, Russia, Poland, Rome, Marocco, Roumania." Der Geschichtskundige weiß, was diese Namen von Not und Elend erzählen, aber auch von Hilfe und Rettung, die der unermüdlich Hilfst bereite überallhin brachte. Was später die vielen Organisationen überhaupt nicht oder nur mühselig zustande brachten, hat dieser Anwalt und Fürsprecher der Judenheit, der alle seine reichen Mittel, seinen Einfluß, seine Muße, sein ganzes Leben in den Dienst seines Volkes stellte, allein ausgeführt. Von allen Ländern aber lag ihm keines mehr am Herzen als Palästina, wohin er 1827—1875 nicht weniger als sieben Reisen, das letzte Mal im 91. Le* bensjahre, unternahm, wo er Ackerbaukolonien, Schulen, Kranken*, Armen* und Waisenhäuser grün* dete und für die gerechte Behandlung seiner Brüder durch die Behörden mit Erfolg eintrat. Auf dem Wappen des Sir und Baronets prangten die Ceder des Libanon und zweimal der Name Jeruschalajim 1 Darum, glaube ich, würde sich Montefiore über die kleine vergoldete Silbermedaille in Form eines Davids* Schildes am meisten gefreut haben, wenn er sie zu sehen bekommen hätte, die 1884 mit Öse zum Tragen angefertigt wurde, auf der Vorderseite das Brustbild des Jubilars (mit Käppchen) trägt und auf der Rück* seite das von ihm mehr als vielleicht von irgend einem andern betätigte Psalm wort 137, 5: »Wenn ich dich vergesse, Jerusalem, so versage meine Rechte.« Eine freudige Überraschung bereitet uns die um 20 Jahre jüngere Medaille Nr. 107 (Abb. 6). Das ist nicht der 86* oder 100 jährige Greis, dessen Porträts wir bisher kannten. In der Blüte der Manneskraft erblicken wir hier den Philanthropen, ein Bild der Lebensbejahung, eine Verkörperung von Güte, Freundlichkeit und Wohlwollen. Bei der Betrachtung dieser Medaille geht uns erst für die Wirkung der Persönlichkeit Montefiores das rechte Verständnis auf. Das ist der Mann, der vor Kaiser, Könige und Fürsten in Europa, Afrika und Asien trat und schon durch seine äußere Erscheinung die Herzen der Menschen gewann. Und neben ihm auf der Medaille seine edle Lebensgefährtin Judith, deren frühstes bisher be* kanntes Bild als Gattin aus ihrem 60. Lebensjahre stammt. Den Satz aus den „Sprüchen" 31, 29: „Viele Töchter haben sich brav erwiesen, du aber übertriffst sie alle" pflegte ihr Mann auf sie an* zuwenden. Sie war nicht nur Montefiores liebe* volle Gattin und bewunderungswürdige Hausver* walterin, sondern auch seine ständige Reisebegleiterin, zuletzt als 74 jährige Greisin nach Rom, die allen Gefahren trotzend nicht von seiner Seite wich und mit ihm eines Sinnes ihren Reichtum und ihre Hilfsbereitschaft in den Dienst ihres Volkes wie der allgemeinen Givilisation und Humanität stellte. So bildete dieses edle Menschenpaar — ein herz* erfreuender Anblick auf unserer Medaille — im Dienste der Menschheit die Synthese der Religion der Nächstenliebe: des Judentums. Das Bronzemedaillon mit den Köpfen des Paares wurde 1864 in Brüssel angefertigt, als Mon-- tefiore aus Marokko zurückkehrte. Die Rückseite trägt die Verse Exodus II, 11 und Daniel XII, 3 sowie einen mit Bändern geschmückten Kranz, auf denen die Reiseziele »Jerusalem*Damaskus 1840, Rußland 1846, Rom 1858 und Marokko 1864« zu esen sind« Lady Judith Montefiore ist nach der Feier ihrer goldenen Hochzeit am 1. Oktober 1862 gestorben. Diese Feststellung ist nötig, um den Irrtum derjenigen aufzuklären, die da meinen könnten, Moses und Judith hätten 1864 gemeinsam die Reise nach Marokko unternommen und seien nach ihrer Rückkehr für ihre früheren Reisen und die den nordafrikansichen Brüdern gebrachte Hilfe von den belgischen Juden geehrt worden. Das letztere trifft zwar zu, die Ehrung galt beiden gemeinsam. Judith war jedoch bereits seit zwei Jahren verstorben; sie ist wohl an den früheren Reisen, aber nicht mehr an der nach Marokko beteiligt gewesen. Auch aus den letzten gemeinsam verbrachten Lebensjahren stammt das Bild nicht. Bei ihrem Tode war Judith 78 Jahre alt und Moses im gleichen Alter, beide sind 1784 geboren. Charles Wiener hat viel jüngere Bilder zur Vorlage ge* nommen und dadurch, daß er die von Güte beseelten Gesichtszüge dieser beiden Prachtmenschen im Profil künstlerisch vereinigte, unser aller Dank erworben. Gleich Moses Montefiore reiste Albert Cohn seit 1845 wiederholt nach Nordafrika und Palästina5 Syrien und gründete mit den Mitteln des Pariser Hauses Rothschild, dessen Almosenier er war, ein Hospital in Jerusalem und zahlreiche jüdische Schulen im Orient. Für diese pivilisatorische Tätigkeit, zu der ihn seine Liebe und Begeisterung für das Judentum, sein rastloses Streben für die kulturelle Hebung der Juden des Orients und seine große Sprachenkenntnis besonders befähigten, haben ihn die italienischen Juden mit der Medaille Nr. 106 gefeiert. Die Philanthropie Itzigs und der anderen Männer dieser Gruppe war lokaler Art, womit nicht gesagt sein soll, daß ihre Menschenliebe sich nur auf die Einwohner ihrer Heimatsstädte erstreckte. Man kennt Daniel Itzig als »Münzjuden« und Bankier Friedrichs des Großen, als Hofbankier Friedrich Wilhelms IL, als Oberältesten der Berliner lind Oberlandesältesten der sämtlichen preußischen Judenschaften. Weniger bekannt ist seine innerhalb der Berliner Gemeinde geübte Wohl* tätigkeit, seine Unterstützung armer Gelehrter und Künstler usw. Der Alten Synagoge schenkte Daniel Jaffe oder Daniel Berlin — diese Namen führte er bei seinen Glaubensgenossen — 1764 zum 50jährigen Jubiläum des Gotteshauses verschiedene Silbergeräte, Tischdecken und den kostbaren Thoraschrank*

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