Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1921)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 159 - 160 (sequence 9)
- Language
- German
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159 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 160 daß für einen traditionell*gesetzestreuen Rabbiner zu dessen Lebzeiten überhaupt keine Medaille mehr geprägt worden ist. Die Medaillen auf Hirschel (Nr. 26: Abb. 6) und Spektor (Nr. 34) wurden erst nach deren Tode unter Benutzung der während des Lebens hergestellten Bilder angefertigt. Inter* essant sind die Rückseiten dieser beiden Medaillen. Auf der für Hirschel zieht eine Hand an einem Seile einen Eimer aus einer geöffneten Thorarolle, wohl um den „Brunnen lebendigen Wassers" an* zudeuten, aus dem der Verstorbene während seines 40jährigen Londoner Rabbinats „die Schafe der Heiligen" getränkt hat. Ganz eigenartig ist die kleine Medaille des Kownoer Rabbiners Spektor, die auf der Rückseite das Grabdenkmal des Rabbi im Bilde aufweist. — Nach mir gewordener Mit* teilung ist übrigens die Zeichnung ungenau. Was wir für Fenster halten, sind die Grabsteine Spektors und seiner Frau, die sich an der inneren Rückwand befinden. An Stelle des Mausoleums steht in Wirklichkeit eine kleine fensterlose Steinhütte. — Das Zinnstück ist mit Öse versehen, damit es auf der Brust oder an der Uhrkette getragen werde! Den Hamburger Rabbi Bernays (Nr. 27: Abb. 7) sind wir gewohnt, mit Chacham zu be* titeln, obgleich er nicht Rabbiner der portugie* sischen, sondern der deutschsdsraelitischen Gemeinde war. Sein offizieller Titel war ein anderer. Die Widmung auf der Vorderseite lautet: „Sr. Ehrwürden Herrn Isaac Bernays, Geistl. Beamter d. Deutsch. Israel. Gemeinde in Hamburg". Die Rückseite hat ein hebräisches Huldigungsgedicht von drei Strophen zu vier Zeilen, das besser ist als der im Stempel fehlerhafte deutsche Text auf der Vorderseite. Das Akrostichon zeigt den hebräischen Namen Jizchak, Sohn des Rabbiners Jakob. Welche Gründe dafür obwalteten, daß auf der Medaille Nr. 31 für Jellinek zu seinem 25jährigen Amtsjubiläum das Porträt nicht wieder* gegeben wurde, ist mir nicht bekannt. Auf der nach seinem Tode geprägten Medaille Nr. 32 ist es vorhanden. Auf beiden Medaillen steht, auf der ersten deutsch, auf der zweiten hebräisch, der Satz aus Secharja IV, 6: „Nicht durch Macht und nicht durch Knrft, sondern durch meinen Geist, spricht der Ewige der Heerschaaren". Charakteristischer ist die Predigertätigkeit seines Vorgängers Mannheimer auf der Medaille Nr. 29 gekennzeichnet, die man ihm zu seinem 70. Geburtstage überreichte. Dort sind aus dem Psalm L, 10 die Worte des Königs David zitiert: „Ich verkündete das Recht in zahlreicher Gemeinde. Siehe, meine Lippen werde ich auch in Zukunft nicht schließen, Ewiger, Du weißt es".