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Ost und West · 1921-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1921) · p. Seite 141 - 142

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1921)
Article
Die vier Erzieher der Menschheit zur Gerechtigkeit
Date
1921-05-01
Page
Seite 141 - 142 (sequence 5)
Language
German
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141 Die vier Erzieher der Menschheit zur Gerechtigkeit 142 Das Statistische Handbuch für den Hamburgischen Staat, Ausgabe 1920, führt (S. 71) die in den Jahren 1914 bis 1918 im hamburgischen Staate Gestorbenen nach dem Glaubensbekenntnis und dejn Alter auf, Danach1 waren im Durchschnitt der 5 Jahre von je 100 Gestorbenen über 70 Jahre alt: bei den Katholiken 12, bei den Evangelischen 24. bei den Juden 39 und über 60 Jahre alt 24, 39 und 63. Daß die Zahl der Alten bei den Juden so ungleich höher ist Hegt allerdings zum Teil an ihrer geringen Geburtenhäufigkeit, zum Teil aber zweifellos an ihrer geringen Sterblichkeit. Für eine Reihe von Jahren kennen wir ihre geringe Sterblichkeit aus der preußischen Statistik. Von je 1000 Lebenden starben in Preußen jährlich im Durchschnitt der Jahre 1880—1901 bei den Katholiken 24, bei den Evangelischen 23, bei den Juden 16.-) All diesen, in ihrem Wesen, ihrer Lebensauffassung und ihrer Lebensführung begründeten Vorteilen und Vorzügen gegenüber, dürfen die Juden schon die Nachteile mit in den Kauf nehmen, die sie in ihrer passiven Rolle als Element der Frziehung der Menschen zur Gerechtigkeit erleiden. LTnrecht leiden ist gewiß schmerzlich. Wenn sie sich aber der großen und schönen Aufgabe bewußt werden, die sie damit erfüllen und mehr und mehr gar noch Gelegenheit haben und bekommen zu bemerken, daß diese ihre Aufgabe auch von Nichtjuden erkannt wird, dann dürfen sie stolz darauf sein, daß sie, die der Welt den einen ein-* /.igen Gott, die zehn Gebote - die Grundlage der Kultur der gesitteten Welt - die Psalmen und die Propheten gebracht haben, durch ihre Existenz die Erziehung der Menschheit zur Gerechtigkeit vollenden und damit in noch einer w ichtigen Beziehung die Verheißung erfüllen : durch dich sollen gesegnet werden alle Familien der Erde". Lmi es wird eine Zeit kommen — noch ist sie fern, wie jene, da „die »Gotteserkeffintnis die Welt erfüllen wird, wie die Wasser das Meer :>) Siehe May: Konfessionelle. .Militärstatistik; Archiv f. Sozialwissenschaft u. Sozialpolitik, Hrgänzun^sueft XUI 1917, S. 22. Ebenda, S. 25, ist auch nachgewiesen, daß die Juden die größte Menschenökonomie I iahen. bedecken" — wo die Menschheit den Juden die Erfüllung dieser Aufgabe danken — und vielleicht gar neiden wird. MAn jenem Tage wird es nur einen Gott geben." Wenn die Judenheit dann die Aufgaben erfüllt haben wird, der Welt den einen einzigen Gott gebracht, und sie zur Gerechtigkeit erzogen zu haben, wird ihr Fortbestand dann noch einen Zweck haben?10) Man könnte die Beantwortung ^dieser Frage jener Zeit überlassen. Es ist aber vielleicht nicht unwichtig für die Judenheit, zu erörtern, welche Folgen sich in dieser Beziehung logisch erweise aus der Erkenntnis ergeben, daß;die Judenheit . die Aufgabe der Erziehung der Menschheit zur Gerechtigkeit erfüllt bzw. in jener Zeit erfüllt haben wird. Wenn zur Erziehung der 'Menschheit zur Gerechtigkeit die Existenz einer Minorität erforderlich war, deren Angehörige von der Umgebung mit Recht als „andere" angesehen wurden, dann ist logischerweise nicht erklärlich, wie der Gerechtigkeitssinn der Welt die erreichte absolute Höhe behalten kann ohne Fortbestand jenes „empfindlichen" Gradmessers des „Anderen". Zur Erhaltung des Hochstandes des Gerechtigkeitsgefühls der Menschheit — insbesondere im öffentlichen Leben — wird der Fortbestand der Judenheit ebenso notwendig sein, wie die anderen drei ,,Elemente" der Erziehung zur Gerechtigkeit: die sozialen Klassen — insbesondere im sozialen — die Frau und das Kind — insbesondere im Familienleben. Wer aber, so könnte man fragen, erzieht denn die Juden selbst zur Gerechtigkeit? Bei Beantwortung dieser Frage können wir ganz absehen von dem mächtigen Einfluß der jüdischen Religion auf die Ausbildung des Gerechtigkeitssinnes. Eine Minorität, die von der Umwelt als ..andere" angesehen wird, kann nur dann eine gerechte Behandlung erhoffen und daher erwarten, wenn ihr selbst nicht der Vorwurf der Ungerechtigkeit gemacht werden kann. Der Gerechtigkeitssinn der Minorität wird gewährleistet vom Interesse derselben. 10) Welchen Wert das Judentum für die Juden selbst hat, braucht hier nicht wiederholt zu werden.

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