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Ost und West · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1921) · p. Seite 69 - 70

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1921)
Article
Arthur Silbergleit
Date
1921-03-01
Page
Seite 69 - 70 (sequence 2)
Language
German
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69 Arthur Silbergleit 70 erstände in unserem Herzen Zion, die geästige Stadt, die durchgeistigte neue Zinne des alten Glaubens. Der Dichter wird Prophet: dem jüdischen Volk erwecken die Glaubenssehnsucht die Priester, die das Wort Gottes künden aus der Kraft ihres glühenden Herzens. Ein Priester seines Glaubens, ein Verkünder der echten innerlichen Religion ist Arthur Silbergleit- Ist denn nicht der Urgrund, aus dem der Dichter schafft, der geheimnisvolle Kern seines Wesens die Nähe zu dem Göttlichen? Denn er ist noch ver* traut den dunkel raunen* den Stimmen des mystisch Geahnten, Gott neigt sich ihm in den heiligen Stunden der Schaffens* weihe. Dann strömt über ihn die Fülle der Gesichte, »das Füllhorn Gottes» selber überschüttet ihn, von dem der Dichter in jubelnden Klängen also spricht: »Heilige Kund* schafter sind wir, ausge* sandt in das gelobte Land der Seelen, um unserem Herrn von den verlorenen Söhnen und Töchtern der Welt Kunde zu bringen. Manchmal tragen wir auf hohen Schulterstangen die Trauben reifer Träume aus dem Kanaan unse* rer Sehnsucht heim, pres* sen sie in den Formen und Keltern unserer Andacht und gießen sie zum Mahle des Ewigen in seine Sternenbecher, daß er trunken von solcher Süße aufjauchzt. Aber wenn sich unsere Augen verdunkeln und auf der steten Suche nach allen verwehten Pilgern müde werden, bitten wir unsere toten Brüder an ihren Himmelsgewölben, unser heiliges Späheramt zu übernehmen, und was ihre Sonnenblicke erforschen, flüstern uns die Winde des Äthers geheimnisvoll zu. Dann schenken wrr diese feierliche Botschaft unseren Flöten und Harfen und geben sie in Liedern und Lautenspielen unserem Gebieter kund, der uns selbst mit Lobgesängen überschüttet.« Solch ein Dichter, der am Webstuhl der Natur sitzt, in dem Göttliches noch ursprünglich wirkt, ist Silbergleit. Er kommt vom Religiösen her, alles in ihm, an ihm ist stark und tief von Gläubigkeit durchglüht; in jedem, auch dem bedeutunglosesten Gegenstand, in jedem, selbst dem kleinsten Wesen, webt ihm eine Spur des ewigen Gedankens. Mond und Sterne sind ihm eine Offenbarung des schaffenden Geistes; zittern Strahlen zur Erde hinab, so schaut er in ihnen einen Abglanz des göttlichen Lichtes. Das sanfte Mondlicht auf den Gassen der mitternächtlichen alten Stadt, das leise Murmeln des Brunnens, der ferne Ruf eines Käuzchens, der träumerisch* verschlafene Lautaus der Vogel kehle — sind sie ihm nicht alle etwas Göttliches, und ist nicht der ewige Geist in der Stille seiner »Alten Stadt«, die um die greisen Häuser am Markte ihr Dämmernetz webt? Silbergleit fragt nicht: wo ist Gott, daß ich mich ihm grüßend neige? Nein, er fragt: wo ist denn Gott nicht, daß ich ihn erst suchen müßte? Und so kann Sil* bergleit nur sprechen, weil er Gott in sich gefunden hat. Was wir in uns haben an Schönem und Göttlichem, schauen wir überall. Dies eine gibt Arthur Silbergleit seine große Bedeutung, daß er Gott in sich fühlt, nein, nicht nur fühlt, sondern lebt, erlebt und gestaltet. Denn aus Gestaltungen nur konn* te ihm dieses Allgefühl des Göttlichen ersprie* ßen. So ist Silbergleits Schaffen nur Meilenstein, Wegweiser zum inneren Entwicklungsgange des Menschen Silbergleit. Losringen mußte er sich erst noch von den Schlacken der Erschein nungswelt, um geläutert, durchgeistigt, erst ganz uns das geben zu können, was er uns geben muß, was aus ihm heraus der Gestaltung ent* gegendrängt. Und wie sich Welt und Idee in seiner Seele nun vereint hat. wie er das ganze Sein vergöttlicht hat, um es, zurückflutend, in sich wiederzufinden, so wird er in künftigen Werken uns die Vermählung von Stoff und Geist schenken. Gewiß, es ist nicht gut, von Werken zu reden, die noch nicht sichtbar sind; hier aber wird Großes; Silbergleit, der Dichter, wird zum Propheten, zum Priester ewiger Gedanken. Darum, weil solches in ihm schon geistig wach* gerufen, muß ich davon künden, muß ich mein Bekenntnis ablegen zu Arthur Silbergleit, der ein reiner Mensch ist und ein großer Dichter. In seinen kommenden Werken verknüpfen sich Stoff und Idee, Welt und Geist, verbinden sich Wissenschaft und Dichtung. Die Tragödie des Dichters selbst schenkt er uns in seinem Werke »Orpheus«. Orpheus singt, sinnt, wird von Visionen überwältigt und zuletzt erlöst. Hier wird zum Atelier: Lore BahscDiehl ARTHUR SILBERGLEIT

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