Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1921)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 67 - 68 (sequence 3)
- Language
- German
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67 Arthur Silbergleit 68 römischen Periode lassen uns ferner ein goldenes Kettchen, ein kleiner bronzener Löwe, (Gewicht* stein) und eine bronzene Handschaufel (zum Räuchern?) erkennen. Zu ihnen gesellen sich fünf kleine Glasvasen, die den Verstorbenen als „Tränenkrüglein" mit ins Grab gegeben wurden. Besondere Beachtung findet ein tönernes Lämpchen, das uns zeigt, welcher Art die Gefäße sind, die in Palästina zur ölbeleuchtung benutzt wurden und in einfachen Verhältnissen noch benutzt werden. Die kleinen Formen, von denen eine ausgestellt ist (Abb. 2), dienten, achtfach zur Menorah zusammengefaßt, in jüdischen Häusern Palästinas zum Brennen der Channukalichte, und es wäre ein guter Gedanke, wenn in der Zeit der teuren Metallpreise das moderne Kunstgewerbe sich ent* schlösse, Tonlampen nach Muster der palästinen* sischen für das Channukafest herzustellen. Nach* ahmenswert wäre die aus einem einzigen Ton* gefäße bestehende breitere Form, die statt des einen Lochesacht Löcher für die Dochte aufweist (Abb. 3). Mit dem Anzünden der Lichter würde nicht nur die Erinnerung an die Zeit der makkabäischen Tempelweihe verbunden sein, sondern auch der stimmungsvolle Gedanke, daß die Form der öl* lampe dieselbe geblieben ist, wie „in jenen Tagen" der Hasmonäerzeit. Das öffentliche Leben wird durch zwei bleierne Dienstzeichen eines Marktvorstehers Agathocles aus dem Jahre 342 n. Chr. vertreten, die in Nablus (Neapolis) bei Ausgrabungen gefunden wurden* (Schluß folgt.) ARTHUR SILBERGLEIT Von Max Tau. O Ahasveros, unsteter, flüchtiger Geist, ist nicht auch ein Stück von dir in der Seele des Dichters? Lastet es nicht gleich einem Fluche auf seinem Haupte, dem der Lorbeerkranz kein Zeichen der Freude ist, nein, ein Zeichen des Leids? Fremd bleibt er stets den Dingen der Erde; Welt und Inneres klaffen ihm auseinander zu töd* lieh brennender Wunde. Leidgeboren tönt ihm sein Lied aus schmerz* zerrissener Seele; hinauf zu den Höhen des Himmels möchte er steigen und findet sich haften am Staube. Anders als in den Menschen um ihn formt sich ihm das Bild des Seins; fremd steht er — in der Fremde, ein Ausgestoßener fast, dem nichts bleibt als sein Leid, daran zu zehren, es zu genießen in wonnig* tödlichem Schmerz. Ein Teil dieser Qual des Daseins ruht auf dem Haupte des Volkes, das dem ehrwürdigen Glauben der Väter treugeblieben ist, das — dem Dichter gleich — am Ideal gehalten hat durch Not und Mühsal, durch Qual und Verfolgung. Fester noch schmiedet Leid die Menschen zusammen, tiefer noch senkt Schmerz den süßen Keim des Glaubens an Väterlehre, an Vätersitte hinein in die wogende Brust. Heiliger noch klingt dem jüdischen Volke die uralte Kunde. Sie heißt es lebendig zu halten wie einen frischen Quell, der brausend aus grauen Zeiten zu uns herüberfließt. Wohl dem Menschen, der seiner Väter gern gedenkt, der in sich den dunklen Strom rauschen fühlt, welcher in den Ahnen strömte und noch lebendig rauscht in den Adern des Enkels! Ein festes, heiligendes Band ist das Gedenken im Blute, ist das Halten an der Sitte der Vorfahren. Aus ihr fließt eine Kraft, die uns stärkt und wappnet, die uns heiligt und segnet. Mildes Licht der Sabbatkerzen, du leuchtetest einst denen, deren Blut noch in u n s flutet, du strahltest dem Kinde, wenn am Freitag abend die Mutter die Lichter zündete und die Sabbatstille um uns wehte, du durchdringe uns mit deinem Leuchten, daß in uns lebendig werde und bleibe die Kraft des ewigen Gottes 1 — Stärker, mächtiger denn je ist in uns Sehnsucht nach Heiligung unseres Seins. Die Welt des äußeren Geschehens genügt uns nicht mehr. Wir suchen und graben wieder nach dem Quell, der in uns flutet, wir suchen wieder in uns Zion, die ver* sunkene Stadt, die Stätte des Heils. Im jüdischen Dichter lodert diese Himmels* Sehnsucht gleich einer Feuersäule empor. Er wendet sich ab vom bloßen weltlichen Geschehen; er lauscht der inneren Stimme, er sucht in sich den Urkern der Dinge. In Werken der Dichter spricht sich diese Sehnsucht nach innerer Erlösung aus. Von dem Weltgeschehen des »Grafen von Charolais« gelangt Richard Beer*Hoffmann auf dem Wege der inneren Ein* und Umkehr zu der gewaltigen Legende von Jaakob, der mit Gott, mit sich selbst ringt und in solchen inneren Kämpfen in sich Gott findet. Arnold Zweig, der in den »Novellen um Claudia« einen Blütenkranz um die Schönheit des Daseins gewoben hatte, entdeckt seine Sendung zum Priester, zum Propheten in sich und schafft aus der Geschichte seines leidenden Volkes die Dramen »Die Sendung Semaels«, »Der Abtrünnige«. Stefan Zweig, der Wiener Dichter, bringt in seinem »Jeremias« die neue Heilslehre: nichts hilft es uns, wenn wir auch die Zinnen und Türme des alten Jerusalem wieder aufrichten, so wir nicht Jerusalem schufen in unserem Innern; so nicht au£=