Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1921)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 63 - 64 (sequence 1)
- Language
- German
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63 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 64 DIE ZWEITE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTSAMMLUNG DER JÜDISCHEN GEMEINDE ZU BERLIN Von Moritz Stern. Über die bisherige Ausstellung unserer Kunst* Sammlung ist zur Zeit ihrer Eröffnung berichtet worden. Was damals im Jahre 1917 vorausgesehen wurde, daß diese neue Schöpfung einen bemerkens* werten Platz in der Reihe der Lehrinstitute und Sehenswürdigkeiten Berlins einnehmen würde, ist in Erfüllung gegangen. Eine große Reihe?von Privaten, Schulen und Ver* einen hat die Sammlung besichtigt und sie reich belehrt und innerlich gestärkt verlassen. So all* gemein interessierend und besonders für die Jugend erziehlich die erste Aus* Stellung gewesen ist und so weh es tat, diesen Aufbau altjüdischer Herr* lichkeit zu magazinieren, das Gebotene mußte doch einmal aufgelöst werden, um anderen Beständen der reichhaltigen Sammlung Platz zumachen. Dies ist nunmehr geschehen. Am 19. Dezember wurde unter Teilnahme eines zahl* reichen Publikums die von mir geordnete zweite Ausstellung eröffnet. Was geboten wird, ist Wolfsches Erbe, ver* mehrt durch Ankäufe, Leihgaben und Geschenke. Die Ausstellungswände sind unter Hinzunahme eines dritten Raumes mit neuen Bildern geziert die Vitrinen haben ihren Inhalt gewechselt. Frühere Schaustücke, wie die Sammlung der Münzen, Me* daillen und Kultusgegenstände sind zwar beibe* halten worden, wurden aber ergänzt und vervoll* kommnet, so daß auch sie einen Teil der neuen Ausstellung bilden. Das Ganze präsentiert sich dank der Verwaltung der jüdischen Gemeinde in geschmackvollem Rahmen und trägt dadurch zur Erhöhung der gehobenen Stimmung bei, die jeden erfaßt, der diese Räume betritt. Wird auch im Laufe der Jahre durch Zuwachs die eigentliche Wolfsche Hinterlassenschaft etwas in den Hinter* grund gedrängt werden, der Name des Stifters wird dauernd der Sammlung aufgeprägt bleiben •"•-'••Ü %. i %. y^- . >".X '\f-f'X*- ~ ■ <-e ^u/ivt. rnrnm^^'- t rh..Y ■; .7 v. ij: / V * 1 ) j v V. " '": i- * >' L f i; ■ ■ « •! »' ■• ' ' ■ j ■t -\ ••■ * ■ , Blick in die zweite Ausstellung der Kunst* Sammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und seine Schöpfung, immer mehr entwickelt und ausgebaut, dem Judentum zum Segen gereichen. „Kunstsammlung" hätte freilich Albert Wolf seine Sammlung nicht genannt, da nur wenige Bestände im engeren Begriffe dem Reiche der Kunst angehören. Auch den Titel „Sammlung für jüdische Volkskunde" hätte er nicht gewählt, dazu war der volkskundlicheTeil desGesammelten zu gering. Wolf sammelte palästinen* sische Altertümer, Mün* zen, Medaillen, Siegel, Stempel, Ringe, alle Arten von Kunst* und Kultus? geraten, Kupferstiche, Zeichnungen, Photogra* phien, illustrierte Manuskripte, Autographen, selteneGelegenheitsdrucke usw. und würde wohl,wenn es seine Bescheidenheit zu* gelassen hätte, von den An* fangen eines Museums ge* sprochen haben. Die Ver* waltung der jüdischen Ge* meinde konnte sich nicht entschließen, in Anbetracht der beschränkten Räume, die sie vorläufig zur Ver* fügung stellte, den an* spruchsvollen Museums* titel zu wählen. Da aber „Kunstsammlung" die Be* stände nicht richtig charak* terisiert und Museum an Quantität dieselben An* forderungen stellt wie Kunstsammlung an Qualität, dürfte wohl der Name „Müseumssammlung" vorzuziehen sein. Museumssammlung oder, mit mehr Prätension, Museum ist die umfassendste Bezeichnung. In ihr hat eine Kunstsammlung ebenso Platz wie eine volkskundliche Abteilung. Alles, was zur Beleh* rung über Judentum und Judenheit dient, was diese veranschaulicht in Bild, Stein, Metall oder in anderem Material, was das Judentum oder die Judenheit auf dem Gebiete der Kunst und Wissen* schaff wie auf dem Gesamtgebiete der Kultur geleistet haben, gehört hierher und ist in wechselnden Ausstellungen dem Besucher vorzuführen. Zweck und Ziel ist Belehrung des Geistes, Stär* kung des Gemütes. Aber auch der unmittelbar