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Ost und West · 1921-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1921) · p. Seite 61 - 62

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1921)
Article
Die Anfänge des Christentums
Date
1921-03-01
Page
Seite 61 - 62 (sequence 5)
Language
German
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61 Die Anfänge des Christentums 62 Mangel litten, sondern an dasheidnische Weib in Zarephat, und ebenso heilte Elisa nicht die Aussätzigen in Israel, sondern den heidnischen Feldherrn (4, 25—27). Deutlich spricht sich die Tendenz dieses Evangeliums in der Rede aus, jdie Lukas Jesus in der Synagoge von Nazareth halten läßt ( Jesus las aus Jes&ja Kap. 61 (tatsächlich eine Haphtarä, die nach der Zerstörung Jerusalems für einen der sieben Trostsabbate festgesetzt worden 'war) und schloß dann, mit den Worten: „Es sei alles bereits in Erfüllung gegangen." Die Hörer haben zweifellos den Sinn dieser Worte verstanden. Israels Geschichte sei abgeschlossen; seine Mission sei an die Heidenwelt übergegangen (4, 16—21). Dies war der entscheidende Wendepunkt in der Geschichte des Christentums. Mit dem vierten Evangelium braucht man sich nicht viel zu befassen. Es steht bereits ganz außerhalb des Judentums, das ihm als erledigt gilt Auch das jüdische Volk ist abgetan, und tdie Mission Jesu richtet sich von vornherein nicht an Israel, sondern an die Heidenwelt. Nicht die Christen seien vom Gesetz abgefallen, sondern die Juden. Deutlich wird diesen von Jesus zugerufen: „Ich habe noch andere Schafe, die sind nfcfh't aus diesem Stall" (10, 16). So hat sich das Christentum gegen die Mitte des zweiten Jahrhunderts im antijüdischen Geist entwickelt. Bei der Sammlung der neutestamentlichen Schriften sind trotzdem die Evangelien von Markus und Matthäus, die noch auf jüdisc'heml Boden stehen und die Lehre Jesu am getreusten wiedergeben, nicht ausgeschlossen worden. Sie standen in der christlichen Gemeinde in hohem Ansehen und mußten in den Kanon aufgenommen werden. Es ist klar, daß für Juden eine Auseinandersetzung mit Christen von der Richtung des Lukas oder gar des Johannes nicht mehr möglich war, denn es fehlte ihnen jeder gemeinsame Boden. Hingegen sind uns aus jüdischen Quellen aus der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts Gespräche zwischen Juden und Christen bekannt, die zumeist einen harmlosen Charakter trugen, und selbst die streng tadelnden Worte des R. Tarfon, daß die christlichen Schriften Zwietracht säen zwischen Israel und seinem Vater im Himmel, gehen nicht über das Maß der üblichen religiösen Polemik hinaus. Fest steht aber, daß aus früherer Zeit kein Zeugnis über das Christentum und über die Person Jesu im jüdischen Schrifttum vorhanden ist. Das beweist am besten, wie wenig revolutionär das Christentum anfangs gegen das Judentum auftrat. Denn das in jüdischen Kreisen das Christentum „totgeschwiegen" worden sei, wie zuweilen behauptet wird, ist geradezu absurd. , Die angebliche Stelle bei Josephus (Altert. XVIII, 3, 3), wo von Jesu Auftreten die Rede ist, ist zweifellos eine Fälschung. Ebenso der Satz, der von der Hinrichtung des Jakobus berichtet (XX, 9,1). Bezüglich' der ersten Stelle ist dies von unbefangenen Kritikern unwiderleglich' nachgewiesen worden. Wenn in neuerer Zeit ein Forscher für ihre Echtheit auf Grund! einer geradezu halsbrecherischen Hypothese eingetreten ist*): Josephus habe in einer zweiten Ausgabe seiner „Altertümer'' die Stelle über Jesus selbst eingefügt (an unrichtiger Stelle und den Zusammenhäng seiner Darstellungen zerreißend!), um so unter Christen Käufer für sein Buch zu gewinnen, so erscheint eine Auseinandersetzung mit einer solchen Behauptung überflüssig.; 2) R. Laqueur, Der Jüdische Historiker Flavius Josephus, Gkfßen 1921.

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