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Ost und West · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1921) · p. Seite 47 - 48

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1921)
Article
Aus den Wundergärten der Aggada
Date
1921-01-01
Page
Seite 47 - 48 (sequence 2)
Language
German
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47 Aus den Wundergärten der Aggada 48 und die Welt, aus der du kommst, gleicht dem1 Ufer. Wer nicht am Ufer vorbereitet hat, was soll der auf hoher See essen? Ferner gleicht diese Welt der Wüste, und die Welt, aus der du kommst, gleicht dem bewohnten Land. Wer nicht im bewohnten Land vorbereitet hat, was soll der in der Wüste essen? Ferner gleicht diese Welt den Wintertagen. Die Welt, aus der du kommst, aber gleicht den Sonnentagen. : Wenn» der Mensch in den Sonnentagen nicht pflügt und säet und erntet und einheimst, wovon soll er in den Wintertagen leben? Wie der Bösewicht das hört, knirscht er mit den Zähnen und fängt an, an sich zu zehren. ' * Gott sprach zu Jeremias: „Geh hin und sage den Kindern Israels: Tut Buße!" — Jeremias ging hin und tat, wie ihm befohlen ward. Sprachen die Kinder Israels: „Meister unser, wie sollen wir Buße tun, wo sollen wir die Stirn hernehmen, um vor Gott hinzutreten? 'Haben wir ihn nicht erzürnt und ihm Verdruß bereitet? Die Berge und Anhöhen, auf denen wir den Götzen geopfert, stehen sie nicht auf ihrem Platz?" — Jeremias ging hin und sagte es Gott. Gott sprach: „Geh1 hin zu ihnen und sprich: Kinder, wenn ihr zu Gott kommt, ist es nicht euer Vater im Him-mel, zu dem ihr kommt?" ... * Solange Israel nicht Buße tut, wird es nicht erlöst. Israel tut aber Buße nur aus Leid und Bedrängnis und Heimatlosigkeit und aus Kumrner um das tägliche Brot. * Groß ist die Macht der Buße, denn wegen eines einzelnen, der Buße tut, wird nicht nur ihm allein, sondern der ganzen Welt vergeben. * Sagte R. Simeon ben Lakisch: „Wenn der Mensch sich einmal reuevoll auf die Brust schlägt, ist das wirksamer, als wenn er hundert Rutenstreiche über sich ergehen läßt." * Es war einmal ein Mann, der viel fremdes Gut aufgegessen hatte. Er beschloß, Buße zu tun. Da sprach seine Frau zu ihm: ..Dummkopf, wenn , du Buße tust, so ist ja nicht einmal der Gürtel um deinen Leib dein eigen." Da trat er von seinem Vorsatz zurück und tat keine Buße. In jener Stunde sagten die Weisen: „Wenn Räuber4) und Wucherer das fremde Gut zurückgeben wollen, so nehme man es von ihnen nicht an. Wenn einer es annimmt, so sind die Weisen mit seiner Handlungsweise nicht zufrieden." 4) In diesem Falle mußte er alles fremde Gut zurückerstatten. Bar Chinena der Alte sagte im Namen Rabhs: „Wer sich einer begangenen Sünde so recht von Herzen schämet, dem werden alle seine Sünden vergeben." * Wer d'e Allgemeinheit zum Guten anleitet, durch dessen Hände kommt keine Sünde. Wer aber die Allgemeinheit zur Sünde anleitet, dem gewährt man (vom Himmel) nicht die Möglichkeit, Buße zu tun. Ersteres ist der Fall, damit nicht der Meister in der Hölle und die Jünger im Paradiese weilen; letzterer ist der Fall, damit nicht der Meister im Paradiese und die Jünger in der Hölle weilen sollen. * Rabbi Ajbu lehrte: „Es gibt drei Menschenarten. Die eine spricht: Wenn ich nur dazu erschaffen worden bin, um die Sterne, Sonne und Mond zu schauen, ich bin;s zufrieden. Die zweite spricht: Alles, was du mir zu geben hast, gib es mir im Jenseits. Die dritte, das ist die Art der faulen Arbeiter, spricht: Gib uns jetzt, gib sofort, gib uns alles, was unserer Vorfahren und was unser ist." * Antoninus sagte zu Rabbi: „Leib und Seele haben die Möglichkeit, sich vor dem göttlichen Gericht im Jenseits zu entwinden. Nämlich auf folgende Weise. Der Leib sagt: Die Seele ist es, die die Sünden verübt hat, denn seit sie von mir gegangen ist, liege ich da im Grabe wie ein regloser Stein. Die Seele aber spricht: Der Leib hat die Sünden verübt, denn seit ich von ihm gegangen bin, schwebe ich in der Luft umher wie ein Vogel." — Antwortete Rabbi dem Kaiser Antoninus: „Ich will dir eine Geschichte erzählen. War einmal ein König, der hatte einen schönen Obstgarten, der köstliche Früchte brachte; er setzte zwei Wächter ein, einen Lahmen und einen Blinden. Sprach der Lahme zum Blinden: Ich sehe da köstliche Früchte, die heranreifen im Garten. Nimm mich auf deine Schultern, wir pflücken die Früchte und tun uns gütlich. Der Lahme bestieg den Blinden, setzte sich rittlings auf seine Schultern; der Blinde ging mit seinen gesunden Beinen, wohin der Lahme ihn führte, pflückte die Früchte von den Bäumen, und die beiden taten sich' gütlich. Eines Tages kam der Besitzer des Gartens und sagte: Wo sind die schönen Früchte hin, die im Garten heranreiften? Antwortete der Blinde: Hab ich etwa Augen, um zu sehen? Antwortete der Lahme: Hab ich etwa Beine, um zu gehen? Was tat der Gartenbesitzer? Er setzte den Blinden rittlings auf den Lahmen und hielt Gericht über alle beide. So macht es auch Gott.. Er haucht die ent-

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