Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1921)
- Article
- Dichterstimmen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 35 - 36 (sequence 3)
- Language
- German
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35 Vom Kriegsschauplatz des Geistes 36 Werke gelang es Emil Bernhard in der Tat, den Glanz unseres seelischen Tempel Schatzes, den wir in Jehuda Halevis Dichtungen besitzen, in fast ebenbürtiger Pracht aufschimmern zu lassen; man lese nur die folgende Übersetzungsprobe: Tag und Nacht will ich den Herren loben! Seiner Gnade Antlitz ließ er leuchten, Fenster brach er aus an Himmelswänden, Sonnen gab er, die uns Strahlen spenden, Strahlen, die die Finsternisse scheuchten. Doch er gab mir mehr: Von seinem Glänze Gab er mir; ich hab es froh genommen; Dürfte seines Geistes Regen spüren, Ließ mich gern auf lichten Wegen führen, Wegen, die von Sinai* gekommen. So war sein Gesetz in meinem Munde, Daß mich Honig seine Worte deuchten; Und in seiner Lehre lichten Flammen Jauchzte ich die ganze Welt zusammen: — Brüder seht, wie meine Augen leuchten! VOM KRIEGSSCHAUPLATZ DES GEISTES. APOLOGETISCHE SCHRIFTEN. II. „Vom Judengott" nennt sich eine Schrift von Friedrich Caro (Philo-Verlag, Berlin 1920). Der Verfasser war von einem Major, einem Christen natürlich, ersucht worden, seine Meinung über das bekannte Geistesprodukt von Theodor Fritsch, „Der falsche Gott, Beweismaterial gegen Jahwe"-, zu sagen. Die Antwort gestaltete sich zu einem umfangreichen Schreiben, und man. wird dem Verfasser herzlichen und aufrichtigen Dank wissen, daß er es der Öffentlichkeit übergeben hat, denn es bildet eine der gründlichsten, geistvollsten und kräftigsten Abfertigungen antisemitischen Anklagen, die wir besitzen. Man bedauert nur, daß so viel Geist und Wissen dazu verwendet wurde, um auf solche elende und verächtliche Geistesprodukte zu reagieren, man fühlt aus jeder Zeile den Ekel heraus, den der Verfasser empfindet, daß er sich mit solchem Pack herumschlagen muß. x\ber man bedenke, daß das elende Machwerk von Fritsch in sechs starken Auflagen verbreitet wurde und zum eisernen Bestand der antisemitischen Literatur gehört, deren Inhalt zehntausenden Deutschen als unverbrüchliche Wahrheit gilt, und dies, obzwar ein Gelehrter vom Range des Prof. Kittel, also ein übermäßiger Sympathien für die Juden gewiß nicht verdächtiger Zeuge, von Fritsch vor Gericht aussagte: ,,es gehen ihm die elementarsten Grundlagen wissenschaftlicher Einsicht und wissenschaftlichen Denkens ab, es fehle ihm die volle wissenschaftliche, vielleicht sogar die volle moralische Verantwortlichkeit, er sei nur durch die Annahme eines starken intellektuellen Defektes zu entschuldigen, „eines abnormen Mangels an Einsicht in wissenschaftlichen Fragen und Fragen des denkenden Verstandes, mit dem Hand in Hand geht ein gleichstarker moralischer Abmangel." Kittel gibt Fritsch dem „Fluche der Lächerlichkeit" preis. Aber Fritsch verfiel durchaus nicht diesem Fluche, sondern erzielte mit seinem Buch einen gewaltigen händlerischen Erfolg und hatte sogar die Dreistigkeit, in dem Waschzettel zu einer neuen Auflage zu behaupten, Geheimrat Prof. Dr. Kittel habe sich seiner Beweisführung angeschlossen! Es ist eine seltsame Zeit, in der dem Volke der Denker und Dichter, das eingestandenermaßen eines der aufgeklärtesten Völker der Erde ist, derartiges Zeug geboten werden darf. Manche werden vielleicht darob den Arm sinken lassen und auf die Hoffnungslosigkeit hinweisen, den Antisemitismus jemals zu überwinden; andere werden daraus gerade den Ansporn und den Mut schöpfen, im Kampfe gegen Bosheit und Gemeinheit nie zu erlahmen. Das tut Friedrich Caro auf eine originelle, äußerst fruchtbare und wirksame Art. Fritsch stellt die These auf, der jüdische Gott „Jahwe" sei, entsprechend der Eigenart des jüdischen Volkes, ein Geist der Rache, und der Grausamkeit, ein Menschenhasser und Menschenschlächter, ein Gott der List, der Lüge und des Betruges, kurz, eine Personifikation des bösen Prinzips; die Juden selber seien die typische Entartungsrasse, das entmenschte Menschentum, die Verwesung in Permanenz, die Träger der sittlichen Verwahrlosung, der Ausströmungsherd des geistigen Giftes. Um die Richtigkeit dieser Auffassung zu beweisen, stellt Fritsch eine große Anzahl von Stellen aus dem Alten Testament und den rabbinischen Schriften zusammen, in denen dieser scheußliche Charakter des Judengottes und seines Volkes deutlichen Ausdruck gefunden haben soll, und schließt daran allgemeine Ausführungen und Betrachtungen. Caro, der von sich sagt, er sei nicht Theologe, sondern Jurist, der aber über ein sehr ausgedehntes und gründliches Wissen in den theologischen Fächern verfügt, stellt nun den Zitaten und Angaben Fritsch's, insofern sie nicht direkt gefälscht oder verballhornt sind — was bei den meisten von ihnen der Fall ist — die Rechtsgrundsätze und Bestimmungen gegenüber, die unter den christlich-arischen Völkern des Mittelalters herrschten. Man braucht nur die Fremdengesetze der Bibel mit den mittel^ alterlichen, ja mit manchen modernen zu vergleichen, um sich des ganzen Unterschiedes bewußt zu werden. Im alten deutschen Recht sind die Fremden rechtsunfähig und werden als Elende, Hausierer und Bettler bezeichnet. Der Fremde konnte bußelos erschlagen, gefangen, verknechtet werden. So sehr die Entwicklung dahin ging, im Verlaufe vieler Jahrhunderte diese Unterschiede zu verwischen, so ist sie selbst im modernen Rechte noch nicht völlig zum Abschluß gelangt und Rechtsgleichheit zwischen Fremden und Einheimischen besteht auch bei uns nur, insoweit Gegenseitigkeit verbürgt ist. Keinem mittelalterlichen Gesetzgeber wäre es aber auch nur im Traume eingefallen, zu fordern: „Wenn ein Fremdling bei dir in eurem Lande wohnen wird, sollt ihr ihn nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer, und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen im Lande Ägypten. Einerlei Recht soll unter euch sein, den Fremdlingen wie den Einheimischen/' Interessant sind <iie Ausführungen Caros über das biblische Zinsverbot und der Nachweis, wie Fritsch es meisterlich versteht,