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Ost und West · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1921) · p. Seite 21 - 22

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1921)
Article
Die Grenzen der Assimilation
Date
1921-01-01
Page
Seite 21 - 22 (sequence 6)
Language
German
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•21 Die Tbeödotos-Synagoge in Jerusalem 22 Märtyrer hervorgegangen- Und der Leidensweg, den wir gegangen, hat bei allen Schattenseiten doch das Ethische in uns vertieft Nur die letzten hundert Jahre der Zersetzung haben uns fürs Extreme und Negative erzogen. Je mehrwir zum Urwesen des Judentums zurückkehren, desto irieh'r werden wir wieder zu einer Bekennergemeinde Gottes werden. DIE THEODOTOS - SYNAGOGE IN JERUSALEM. Von Professor S. Kra'uss-Wien. Herr Raymond W e i 11, der unmittelbar vor dem Kriege größere Ausgrabungen in Jerusalem ausgeführt hat, hat u.a. in einer sehr alten Zisterne — oder war es eine Höhle? — einen platten, viereckigen Stein gefunden, der in griechischer Sprache eine merkwürdige Inschrift trägt. Zur Bequemlichkeit des Lesers setzen wir in deutscher Uebersetzung den ganzen Wortlaut der Inschrift hierher: Theodotos [Sohn] des Vettienos, Priester und Archisynagoge, Sohn eines Archisynagogen, Enkel' eines Archisynagogen, erbaute die Synagoge zur Vorlesung des Gesetzes und zur Unterweisung in den [Geboten und das Gasthaus und die Söller und die Anjagen der Gewässer, zur Aufnahme derer aus der Fremde, die deren benötigten, welche begründeten seine Väter und die Presbyter und Simonides." Diese merkwürdige Inschrift, mit der sich bereits die berufensten Männer, so vor allem R. W e i 11 selbst, dann Clermont-Ganneau und Th'. R e i n a c h in Paris, befaßt haben, ist noch nicht in allen ihren Einzelheiten erklärt. Die Schwierigkeiten sind sprachlicher, sachlicher und geschichtlicher Art. Es gibt nämlich Ausdrücke in dieser Inschrift, die nicht recht gedeutet werden können, und wenn das auch' der Fall ist, ist die Sache, die bezeichnet werden soll, nicht immer klar. Nach' beiden Richtungen glauben wir, hier etwas beitragen zu können. Neben der Synagoge, das sieht man, befanden sich' Nebengebäude. Das eine dieser Nebengebäude, griechisch . „ x e n ö n " genannt, war offenbar eine Herberge für zugereiste Fremde, ein Gasthaus oder Hotel, wie wir sagen würden, oder, nach den Begriffen des Morgenlandes, ein Chan oder Karäwanserail. Arabisch nennt man es Medafa; berühmt sind die Einrichtungen auf dem bei Jerusalem gelegenen Berg und Heiligtum Nebi- Samwail. Es gereicht den Erbauern dieser Synagoge gewiß zur Ehre, daß sie den Fremden, die aus weiter Ferne zugereist waren und in der fremden großen Stadt recht hilflos gewesen sein mochten, eine Stätte der freundlichen Aufnahme und der Ruhe bereiteten. Denn.dieses „Gasthaus" war gewiß kern geschäftliches Unternehmen — dessen hätten sich die Erbauer wohl nicht gerühmt, und das Ding wäre hart an der Synagoge gar nicht geduldet worden — sondern ein Wohlfahrtswerk und eine chäritative Einrichtung. Es wird sogar, als echtes „Gasthaus", mehr als ein Chan oder Karawanserail geboten haben: nämlich neben Herberge auch Speise und Trank. Diese Synagoge ist also in gewissem Betracht den noch heute im Orient üblichen Hospizien der fremden Religionsgemeinschaften zu vergleichen. Waren die Synagogen des Altertums wirklich von dieser Art? Unsere Theodotos-Synagoge bildet ja gewiß keinen Typus für sich', sondern war eingerichtet wie die Synagogen alle oder wenigstens viele derselben. Th'. Reinach verweist hierfür auf eine Epistel des Papstes Gregor d. Großen, der, von der Synagoge in Palermo sprechend, erwähnt, daß unter ihr (also kellerartig) oder doch mit ihrem Gemäuer zusammenhängend, sich Hospitien befanden. Dieses Zeugnis ist gewiß wertvoll, doch stammt es erst aus. dem 6. Jahrhundert. Näher liegt es, auch für diesen Gegenstand auf den unerschöpflichen Talmud zu verweisen. Aus diesem geht mit völliger Klarheit hervor, daß in und neben der Synagoge Räume vorhanden waren, in denen gespeist wurde. Diejenige Körperschaft z. B., die den Neumond festsetzte und den betreffenden Tag heiligsprach, hat diesen Akt mit einem solennen Mahl beendet, das in den Räumen der Synagoge vor sich ging. Wir haben auch eine Nachricht, wonach das bekannte Seder am Pesach'-Abend in Spanien und Babylonien in der Synagoge vor sich' ging, und obzwar diese Sitte erst im Mittelalter bezeugt wird, ist es dennoch1 undenkbar, daß sie völlig neu auftrat, vielmehr wird sie schon im Altertum bestanden haben. Die beiden hierbei genannten Länder, Spanien und Babylonien, können diesen Brauch nur aus Palästina erhalten haben. Uebrigens wurde in neuerer Zeit diese Sitte wieder aufgegriffen, indem in unseren Großstädten, in denen es viele Tausende gibt, die sich' einer Familie nicht anschließen können, das Seder für ganze Gesellschaften in einem Neben-, räum der Synagoge gegeben wird. Ganz besonders ist auf den heute noch in unseren Synagogen geübten Brauch' des Kidd lisch1 hinzuweisen. Dieser Brauch reicht unbe-

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