Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 21 (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1921)
- Article
- Die Grenzen der Assimilation
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 11 - 12 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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11 Die Grenzen der Assimilation 12 DIE GRENZEN DER ASSIMILATION Von F a b i u s Schach. Die Assimilation ist in den letzten Jahren kein philosophisch-psychologischer Terminus mehr, son-* dern ein parteipolitischer Begriff. In Deutschland, wo häufig Schlagworte eine größere Rolle spielen als Gedanken, ist die Assimilation zum Schlachtruf geworden. „Die Assimilation ist unser Heil, wir müssen restlos aufgehen, dann hören alle Leiden und Kämpfe auf!", so ruft die eine Partei voller Emphase. Und aus dem andern Lager schallt ihr entgegen: ,,Aus der Assimilationssucht resultiert unser Unglück. Befreien wir uns von den fremden Fesseln, und wir sind wieder frei, groß und stark!" Beidemeinen es gewiß ehrlich und glauben, einem Ideale zu dienen. Aber ihre Anschauung, ^soweit JAKOB STEINHARDT Tischabeab (Holzschnitt) sie überhaupt die Kriterien einer solchen trägt, beruht nicht auf innerer Erfahrung, ist nicht ein Produkt gründlicher Selbstprüfung. Eine ernste Kritik würde ergeben, daß die Assimilation der Assimilanten noch nicht allzuweit gediehen ist und zu einem Endziel überhaupt nicht führen kann, und daß auf der andern Seite die Antiassimilanten bereits stark assimiliert sind und ganz - aus dem Einflüsse der Umgebung, in Westeuropa wenigstens, sich' nie werden freimachen können. Was die beiden Gruppen voneinander unterscheidet, ist eigentlich nur der Wille, die Sehnsucht. Die eine Gruppe sehnt sich danach, in den großen Strom des Lebens aufzugehen, weil sie müde ist, das Martyrium langer Jahrhunderte mit sich zu schleppen und, für ein Ideal zu leiden, das ihr innerlich fremd geworden ist. Und das Sehnen der andern Partei geht dahin, sich zu befreien von dem nagenden Dualismus und den jüdischen Volkscharakter stärker und reiner herauszukristallisieren. Beide sind noch fern von ihrem Ziele, und zwischen Ideal und Wirklichkeit ist noch eine große Distanz. Es ist nicht schwer, zu erkennen, daß das jüdische Wesen noch, bewußt oder unbewußt, bei den Assimilanten lebt und als Unterton mitwirkt. Bei fast jedem Künstler oder Schriftsteller jüdischen Stammes kann der feine Psychologe eine jüdische Note heraushören, und je individueller sie sind, desto mehr erinnert ihre Individualitat an die jüdische Volksindividualität, und auch bei demjenigen Juden,derim praktischen Leben steht, kann man einen anderen Timbre in Berlin der Sprache,:eine andere