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Ost und West · 1921-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1921) · p. Seite 3 - 4

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Journal
Ost und West
Volume
21 (1921)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1921)
Article
Judentum und Monistenbund
Date
1921-01-01
Page
Seite 3 - 4 (sequence 2)
Language
German
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3 Judentum und Monistenbund 4 Form wir dankbar genießen und deren religiösen Gedankengehalt wir uns aneignen, ohne uns von ihnen dogmatisch binden zu lassen. Die jüdische Religion ist nicht nur logisch ohne Wunderglauben denkbar, sondern hat sich auch tatsächlich in ihrer geschichtlichen Entwicklung von ihm befreit. In dieser Frage besteht demnach zwischen Monismus und Judentum keine Differenz. Mit dem Anspruch/ eine wissenschaftliche Religion zu bieten, tritt der Monismus aber nicht nur deshalb auf, weil er den Wunderglauben leugnet, er behauptet auch, eine höhere und richtigere Vorstellung von Gott, von seinem Verhältnis zur Welt und von der Beziehung zwischen Körper und Seele, Natur und Geist zu besitzen. Die Bibel betrachtet Gott als ein persönliches Wesen, das außerhalb der Welt steht und von der Natur verschieden ist, und lehrt die selbständige Existenz der von Gott geschaffenen Seele, deren Leben von dem des Körpers unabhängig ist. Diesem Dualismus, der Zweiheit von Gott und Welt und von Natur und Geist stellt der Monismus den Gedanken der Einheit entgegen. Gott ist nicht außerhalb der unendlichen Welt, sondern in ihr enthalten. Natur und Geist sind nicht zwei verschiedene Substanzen, sondern innerlich und gesetzmäßig verbunden, der Geist ist aus der Natur abzuleiten. Ob nun die monistische Vorstellung von Gott wirklich die höhere genannt zu werden verdient, darüber kann man verschiedener Meinung sein. Der moderne Kulturmensch versteht unter Gott nicht nur die schöpferische Naturkraft, sondern vor allem vollkommene Sittlichkeit. Soll aber Gottes sittliches Wesen betont und zum Bewußtsein gebracht werden, dann kann er mit der schöpferischen Natur nicht gleichgesetzt, sondern muß von ihr scharf unterschieden werden, weil Natur und Sittlichkeit nicht zusammenfallen, sondern einander gegenüberstehen. Die Natur ist immer unschuldig, jenseits von Gut und Böse, unterscheidet nicht Recht und Unrecht, Sittlichkeit ist daher nicht eine von Natur gegebene Tatsache, sondern von der Natur verschieden. Weil nun die Bibel der Menschheit die Erkenntnis des heiligen, sittlich vollkommenen Gottes gebracht hat, darum lehrt sie seine Außerweltlichkeit, bezeichnet sie das Weltall als den Schemel seiner Füße. Aus demselben Grunde ist Gott ihr nicht unbewußte, unpersönliche Kraft, sondern bewußter, persönlicher Wille, der allein sittlich genannt werden kann. Damit wird Gott durchaus nicht in die Sphäre des Menschlichen hinabgezogen. Das Judentum hat die Grenze zwischen Mensch und Gott niemals verwischt, und alle Vorstellungen und Bilder, mit denen die Heilige Schrift Gottes Wesen beschreibt, sind nur unzulängliche Zeichen und Symbole, deren Unvollkommenheit uns die Begrenztheit und Schwäche unserer menschlichen Erkenntniskraft und die unfaßbare Größe Gottes zum Bewußtsein bringt. Mit seiner Gottesvorstellung steht das Judentum im Gegensatz zur monistischen Tendenz des modernen "Denkens, soweit es von der Naturwissenschaft bestimmt wird. Wenn man von der Natur ausgeht, das Geheimnis ihrer Schöpferkraft, ihre unendliche Größe, Kraft und Schönheit religiös empfindet, führt nichts über die Natur hinaus, zumal wenn sie als unendlich und unbegrenzt gedacht wird. Im Leben der Gegenwart herrscht aber nicht nur das wissenschaftliche, oder künstlerisch-religiöse Interesse an der Natur und ihren tausendfältigen Erscheinungen, die schweren sozialen und sittlichen Probleme, die die Menschen unserer Zeit beschäftigen, nötigen immer stärker zu einer religiösen Betrachtungsarf„ die das Sittliche in den Mittelpunkt stellt. Jede Religion aber, die nicht frommes Naturgefühl, sondern sittliches Streben als das Wesentliche bezeichnet, im Gewissen die Offenbarung eines heiligen Gottes erblickt, wird mit der Bibel Gott und Natur auseinanderhalten müssen, weil" sittliches Handeln nicht Gehorsam gegen die natürlichen Triebe, sondern Bändigung der Triebe, Pflichterfüllung im Kampf gegen natürliche Neigungen bedeutet. Da nun der Monismus dem Menschen sittliche Aufgaben für sein Leben stellt, dürfte er die Anschauung des Judentums nicht bekämpfen. Das ist um so weniger berechtigt, als hier bei aller Schärfe und Klarheit der Unterscheidung die Natur nicht vollkommen von Gott gelöst wird. Gott und Natur sind nicht identisch, aber auch nicht vollkommen getrennt. Gottes Wille durchwaltet auch nach der Lehre der Bibel allgegenwärtig die Natur, seine Herrlichkeit erfüllt die Welt. So knüpft sich zwischen Gott und Natur eine innere Verbindung, die den schroffen Dualismus wieder mildert. Bei aller Entschiedenheit, mit der das Judentum das Sittliche betont, kommt doch auch das religiöse Naturgefühl zu seinem Recht. Nicht nur das Gewissen, sondern auch die Natur ist uns eine Offenbarung Gottes, wenn auch nicht die höchste. In der Frage, wie das Verhältnis Gottes zur Natur zu denken ist, vertritt der Monismus einen unklaren und logisch anfechtbaren Standpunkt. Er stellt dieselben sittlichen Forderungen wie das Judentum auf, und dennoch ist Gott ihm schöpferische Naturkraft und nicht von der Natur verschiedener sittlicher Wille. Bei einer Anschauung, die wissenschaftlich se.n will, fällt ein solcher Denkfehler um so schwerer ins Gewicht Glücklicher dagegen ist die monistische Lösung der Frage, wie Körper und Seele, Natur und Geist sich zueinander verhalten. Körper und Seele sind nicht in loser Verbindung: miteinander, sondern Gehirntätigkeit und seelisches Leben stehen in gesetzmäßigem Zusammenhang. Das können wir zugeben, ohne unseren grundsätzlichen jüdischen Standpunkt zu verlassen. Entscheidend ist für uns die Frage, ob die Seele ihr eigenes Leben hat, oder nur ein Reflex des Körpers ist. Ihre Selb-

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