Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 20 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September-Oktober 1920)
- Article
- Die älteste jüdische Katakombe in Rom
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 256 - 257 (sequence 6)
- Language
- German
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256 Die älteste jüdische Katakombe in Rom 257 Darstellung beachtenswert. Es zeigt zwischen einem siebenarmigen und einem fünfarmigen Leuchter einen offenen Thoraschrein, in dem 6 Thorarollen liegen. Die griechische Inschrift lautet: „Eulogia". Abb.3 (bei Müller Nr. 175). Ein reich geschmücktes Grabmal aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert; es zeigt am Fuße einen { Lulab, einen Ethrog, einen siebenarmigen Leuchter, einen Schofar und einOelgefäß. Die griechische Inschrift lautet: „Hier liegt Fla via Antonina, Gattin des Dativos, lebenslänglichen [Archonten] der Synagog e der Augustesier." Das Griechisch dieser wie überhaupt aller jüdischen Grabinschriften ist natürlich nicht das klassische, sondern das volkstümliche, aus dem das jetzt gesprochene moderne entstanden ist. Das griechische ,Dativos' ist die Umschrift des lateinischen Dativus, das dem hebräischen Nathan entsprechen dürfte. Der Träger dieses Namens war lebenslänglicher Archont oder einer der Vorsteher der Synagoge der Augustesier, einer römischen Gemeinde, die ihren Namen nach dem Kaiser Augustus führte. Abb. 4 (bei Müller Nr. 179). Dieses Grabmal aus dem dritten Jahrhundert zeigt unten zwischen zwei siebenarmigen Leuchtern wieder einen offenen Thoraschrein mit 6 Thorarollen. Die griechische Inschrift lautet: „Hier liegt Semo el, ein unmündiges Kind von einem Jahr und fünf Monaten. In Frieden ruhe er! Sei getrost, Samoel! Niemand ist unsterblich." Diese Inschrift enthält am Schluß zwei Eulogien, von denen die erste: „In Frieden ruhe er!" besonders häufig vorkommt Die zweite: „Sei getrost, niemand ist unsterblich" ist in verschiedenen Formen auch auf nichtjüdischen Grabsteinen zu lesen. Abb. 5 (bei Müller Nr. 77). Diese lateinische Inschrift aus dem 3. Jahrhundert lautet: Abbildung 7 „Felicitas, Proseiy tin seit 6 Jahren Nue[mi]n, eine Fremde, die gelebt hat 47 Jahre. Ihr Patron der Hoch verdienten." Das Grabmal ist einer Proselytin von ihrem Patron errichtet worden, die bei ihrem Uebertritt zum Judentum!, 6 Jahre vor ihrem Tode, den Namen Noemi annahm, neben dem sie ihren früheren weiterführte. Abb. 6 (bei Müller Nr. 47). Dieses Denkmal aus dem 2. bis 3. Jahrhundert zeigt unter dem Namen „Aster", der wohl der griechische Ersatz für „Esther" sein dürfte, einen siebenarmigen Leuchter. Links von diesem sieht man zwischen einer Taube und ihrem Jungen einen Baum, rechts ein zweihenkliges Gefäß und eine an einer Traube pickende Taube. Abb. 7 (bei Müller Nr. 26). Diese Inschrift aus dem zweiten bis dritten Jahrhundert ist lateinisch bis auf tiie Eulogie in griechischer Sprache. Sie lautet: „Der Benedicta Maria in Wahrheit einer gesegneten, der Mutter und Nährerin. Im Frieden!" Die Eulogie auf dieser Inschrift ist eine Abkürzung der häufig vorkommenden: „In Frieden ruhe er (oder sie)!"