Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 20 (1920)
- Issue
- Heft 9-10 (September-Oktober 1920)
- Article
- Rudolf Mosse
- Date
- 1920-09-01
- Page
- Seite 244 - 245 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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244 Und Benjamin sang 245 anhängen könnte! Mit anderen Worten, wenn der Jude, der Reichtümer gesammelt hat, wenigstens so vorsichtig gewesen wäre, es auf unehrlichem Wege zu tun. Da könnte man getröstet ausrufen: Der Jude ist reich, aber was Wunder? Er hat gewuchert, geschoben, betrogen, er hat sich mit dem Schweiß und dem Blute der Armen vollgetrunken, seine Reichtümer haben den Ruin des Landes herbeigeführt. Aber nein! Der Jude war so dreist, seine Reichtümer auf ehrbarem Wege zu erwerben, er ist von höchster persönlicher Ehrenwertigkeit, sein Reichtum bedeutet eine Bereicherung des Landes, die Steigerang des Volkswohlstandes, er hat ganze Schichten der Bevölkerung wohlhabend gemacht, Hunderten von Familien eine auskömmliche Existenz geschaffen. Bei näherem Zusehen fühlt man sich ihm zu Dank verpflichtet. .. 0, weh! Das ist nicht zum Ertragen. Der Neid und die Mißgunst schäumen wutentbrannt auf, der Haß folgt ihnen auf der Spur. Der Antisemitismus ist da. Wenn noch dazu kommt, daß der Jude sich nicht wie ein eitler, unwissender Protz beträgt, nicht nach Titeln giert und sich nicht durch Emporkömmlingsmanieren lächerlich macht, nicht d#n „geborenen" arischen Grandseigneur nachäfft, sich nicht hochmütig vor dem „gemeinen Mann" abschließt, sondern mit seinem Reichtum eine großzügige, weise und fruchtbare Wohltätigkeit übt, der beste Arbeitgeber ist, der für seine Angestellten brüderlich sorgt, ohne sie bemuttern zurollen; ein feines künstlerisches Verständnis beweist unaf eine reichhaltige Sammlung edler Malereien und Skulpturen anlegt, wie es Rudolf Mosse getan — dann bleibt nichts anderes übrig, als einen solchen Juden totzuschlagen, und da das nicht so ohne weiteres geht, so muß man ihn mit dem giftigsten Geifer bespritzen und alle Juden mit ihm. Sie sind alle verantwortlich für diese gefährliche, beunruhigende und demütigende Frucht von ihrem Stamme .... Es sind nicht die Gemeinen und Bösartigen, sondern die Edlen, Starken und Vornehmen unter uns, die den Judenhaß wachrufen, den Judenhaß, der ganz aus ohnmächtigem, zähneknirschendem Neid und verbissener Scheelsucht besteht. Rudolf Mosse empfand sehr wohl, daß er mit einer der stärksten Urheber des Antisemitismus war, und eben daraus floß für ihn die Verpflichtung, seine Zugehörigkeit zum Judentum aufrecht zu bekennen, obgleich er diesem Umstand keinerlei Einfluß auf seine Haltung in öffentlichen Dingen einräumte. Jüdischen Institutionen widmete er einen Teil seiner organisatorischen Kraft, und für jüdische wohltätige Zwecke hatte er stets eine offene Hand, nicht minder als für rein christliche. Man braucht seine Auffassung vom Judentum nicht zu teilen, um zu konstatieren, daß mit ihm ein Mann aus unseren Reihen geschieden ist, dessen unsere jüdische Gemeinschaft sich rühmen durfte. B. Saphra. Unö Benjamin sang: Um uns'res 3eltes Pfosten wallt bie Hacbt, Da rief — ben loirten bei bes Vaters Cämmern - Die Stille micb empor aus meinem Dämmern CDU lautem Wort. Wöblan, leb bin erwaebt. - Vom Sternenhimmel quillt ein liebtes Rlingen, €in Wiberbdü vorv vielen tausenb €rben, €in sebwesterlicber Caut vom Sein unö Werben Unb eine Spraebe von ben legten Dingen. Die Hacbt er bellt sieb mir von künffgen Tagen Unb fcrän3t ben jüngsten ßirten in ber ßürbe (T)tt ber Gewißheit ejner bergen Würbe, Ütib eine ftrone gibt sie mir 3U tragen, Von liebten Sternensteinen ein Gescbmeib' Söbl icb mir segnenb auf bas ßaupt gesetzt, Die hocken fübl icb mir vom Hau genest, Dem Salböl laus bem feelcb ber €wigkeit. Ruf meinen jungen Oppen ruht bas Wort, Unb rubenb formt es sieb 3Ür legten Reinheit Von meines Vaters 3elten unb bem ßort Des fthnens von ber einen großen €iribeit. Icb bin bes Gotteskämpfers jüngstes Rind; (Dein Vater war ein Streiter, beftr unb groß, Doch meine Stirne küßte itlienlinb Der Cngel, ba er mit mir frteben schloß (Dein Vater träumte seinen ßöbentraum Von €ngeln, wallenb über liebte ^Stufen Unb von ber Gottesstimme lautem Rufen. Icb bin ber jüngste Sproß; an Jakobs Baum, Doch Abnen ist mir obne Unterlaß Als wie ein ßerolbsruf aus Sternenlanb: icb war es, ber vor seinem Buge stanb, Als seine Seele jenes Craums genas! Ruf meinem Scheitel rubte Jacobs ßanb, ftls weltverbeißenb er bie Worte sprach, Unb meine Hippe schwieg ben Segen nach, Den er mir krönenb um bie Stirne banb. ^Du sollst; ctesfac^ Wenn meines Cebens Seuerbranb verglimmt, Set-s Deine ßanb, bie kühn bie £eucbte nimmt, Cntflatnmenb alte Glut 3u neuem Schein!" N Bernbt Gö£, Berlin.