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Ost und West · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1920) · p. Seite 206 - 207

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1920)
Article
Aus dem alten jüdischen Rom
Date
1920-07-01
Page
Seite 206 - 207 (sequence 5)
Language
German
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206 Aus den Wundergärten der Aggada 207 Glaube an ein Leben nach dem Tode und an die Auferstehung gehört zu der pharisäischen Lehre, die gerade unter den Juden der Diaspora Verbreitung* und Anerkennung gefunden hat. . Es mag befremdend erscheinen, daß die Grabinschriften der Katakombe von Monteverde zuweilen die Buchstaben DM (Dis Manibus) tragen, was man als Hinneigung zu heidnischen religiösen Anschauungen deuten könnte. Indessen braucht man solchen Formeln, die nur aus Gedankenlosigkeit angebracht wurden, keinen großen Wert beizulegen. Derartiges kommt auch heutzutage mitunter vor, und zwar dort, wo man es am allerwenigsten erwarten möchte. Lese ich doch auf dem Titel eines im Jahre 1911 zu Ehren des verstorbenen Gelehrten Hirsch Hildesheimer erschienenen Gedenkbuches die Worte: „Seinen Manen gewidmet." Wie die von heidnischen Grabsteinen übernommenen Buchstaben D M sind auch die bildlichen Darstellungen auf den Grabsteinen harmlos aufzufassen, zumal es bekannt ist, daß Juden in früheren Jahrhunderten das Verbot der Anbringung von Abbildungen nicht so streng nahmen. Das läßt sich sogar auch durch den Talmud .begründen, der die Anbetung von Bildern verboten ■wissen will, nicht aber die Anfertigung zu Kunstzwecken. — Eine Anzahl von Grabsteinen ist geschmückt mit Emblemen aus dem religiösen Leben. Am häufigsten kommen der siebenarmige Leuchter und die dazugehörenden Gebrauchsgegenstände vor. Dann Schofar, Palmzweige, ~~ Ethrog uslw. Einiges erinnert an kultische Gebräuche im Heiligturn zu Jerusalem, so der Korb mit Körnern, die Aehrengarbe, Teller zum Darbringen des Räucherwerks u. dgl. Diese Zeichen, die an die palästinische Heimat erinnern, mögen von Kriegsgefangenen herrühren, die nach den Ereignissen vom Jahre 70 oder auch vom Jahre 135 nach Rom gebracht wurden. Eine interessante Abbildung ist die eines Thoraschreines (teba), der fünfmal auf diesen Grabsteinen vorkommt. Ebenso sind auch Thorarollen zu sehen. — Von den bereits erwähnten bildlichen Darstellungen ist am häufigsten die Taube, einmlal eine solche mit ihrem Jungen an der Seite, wahrscheinlich eine Darstellung von Mutter und Kind. Einmal ist ein Stier abgebildet. Es mag dies ein Familienwappen gewesen sein. Geht man die Inschriften an den Gräbern von Monteverde durch, so wird man an das Leben erinnert, das einst in Rom seine frohen und seine traurigen Tage gekannt hat. Den Abschluß dieses Lebens bildeten die stillen Stätten in den Katakomben, und diese wiederum sind die einzigen erhaltenen Reste eines großen jüdischen Gemeinwesens, in dem auch manche geschichtlich bekannte Persönlichkeiten gewirkt haben. Eigentümlicherweise ist von diesen bisher keine Grabschrift bekannt geworden. AUS DEN WUNDERGAERTEN DER AGGADA. „Keiner ist so heilig1 wie Gott, denn es gibt keinen außer Dir (bilthecha)." Rab Jehüda bar Mena&ja sagte: Nicht „biilthecha" sollst du lesiem, sondern „lebalothedha", das Weißst: dich zu überdauern. D^n sterblichen Miemschen überdauert daß Werk seiner Hände, und wenn sein. Geschlecht noch so lange auf Eirden lebt; Gott aber überdauert die Schöpfung seiner Häaidei, sie vergeht, «er bleibt ewig. * Rabbi Chanina sagte: Nicht den kleinsten Finger verletzt sieh der Mensen, ohne daß dies vom Himuiel vorher bestimmt worden w,äre. Wie es heißt: „Von Gott wird jeder Schritt des Menschen gelenkt.'' * Hab Papa sagte: Eis gibt keine Traurigkeit vor Gott. Wie esi geschriebien steht: „Macht und ewige Heiterkeit ist dort, wo er weilt." — Es1 heißt idoch aber: „Der Herr.dejr Heerscharen rief an jenem Tage zum Weinen und Klagen"? — Dias bezieht sich-aüf den Tag*, an dem das Heiligtum zerstört wurde. 'An solch einem Tage weinen sogar die Erzengel. Wie es geseihrieben steht: „Die Himmlischen jammern laut hinaus, die Engel des Friedens weinen bitterlich." Prägt ein Mensch Münzen nach einer Form,, so gleichen sie einander auf ein Haar. Gott aber prägte die Gesichtszüge aller Menschen nach denen Adanus, Und doch gleicht kein Menschenantlitz ganz dem andern. „Alle Gebilde des menschlichen Gedankens begreift er." Bevor noch im Mensdienherzen der Gedanke Gestalt angenommen, hat Gott ihn .schon begriffen. * Die Philosophen zü Bom fragten die Aeltesten der Juden: Wenn euer Giott die fälschen Götzen nicht mag, warum; Vernichtet er sie nicht von der Welt? Antwortete der Aelteslte: W&nen die Götzen lauter überflüssige Dingel, Gott würde sie vernichten. Aber die Heiden beten Sonne und Mond an, Sterne und Plaueten — soll Gott der Narren wegen seine Welt zugrunde richten?

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