Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 20 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
- Article
- Die Judenheit in Amerika
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 166 - 167 (sequence 3)
- Language
- German
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166 Die Judenheit in Amerika 167 des amerikanischen Judentums, und es bildet gleichsam die offizielle Repräsentanz der Judenheit vor der Regierung und dem Volk der Vereinigten Staaten. Der Präsident ist Louis Mars h all, Vizipräsident C y r u s Adler und ] uliusRosenw a 1 d, Schatzmeister I s a a c \Y. Bernheim, als ständiger Sekretär fungiert Harry Schneid c r - in;i n, der auch den vorliegenden Band des American Jevvish Year Book mit großer Meisterschaft, ungewöhnlicher Sorgfalt und umfassender, minutiöser Sachkenntnis redigiert hat. Das American jevvish - Committee erfüllt ungefähr dieselbe Funktionen, wie der ehemals geplante Deutsche Judentag erfüllen sollte , aus dem der Verband, der deutschen Juden hervorgegangen ist, zum Teil vollbringt es eine Tätigkeit, analog der des Zentral Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in (Berlin. Als sein eigentliches Organ ist das fünfzehngliedrige Exekutivkomitee anzusehen, dem Männer wie Jacob H. Schiff, Oscar S. Strauß und A b r a ml J. E 1 k u s angehören, die in der Wirtschaft oder Diplomatie der Vereinigten Staaten Stellungen ersten Ranges einnehmen. Dem ausführlichen Bericht des Exekutivkomitees in der obengenannten Tagung entnehmen wir, daß die national activities", nämlich die Tätigkeit des Komitees in inner amerikanischen, die dortige Gesamtjudenheit betreffenden Fragen zum weitaus größten Teil gewidmet war der Abwehr antisemitischer Angriffe auf die bürgerliche und politische Gleichberechtigung der Juden von Seiten niederer und höherer Regierungsstellen, sowie privater Institutionen und der Presse, besonders während des Krieges. Tout comme chez nous. Nur mit anderem Erfolg . . . „In dieser Zeit ist jede Reibung und jedes Mißverständnis gefahrvoll. Jetzt ist es Pflicht jedes Patrioten, alle persönlichen Differenzen zu unterdrücken und sich als das zu betrachten, was er ist, nämlich als integrierenden Bestandteil einer großen kriegführenden Nation." ,,Es geziemt zu betonen, daß, indem wir zu dieser kritischen,* Zeit die Rechte unserer Glaubensgenossen schützen und alle Aeußerungen von Rassen- und Religionsh'aß bekämpfen, wir nicht minder die Gefahr im Auge haben, die unserem Vaterland von jedem illiberalen und ungerechten Akt droht, als das Wohlergehen der Personen, deren wir uns annehmen." Da gibt z. B. die oberste militärmedizmische Behörde einen Leitfaden für die militärärztlichen Räte heraus, auf S. 92 heißt es: „Die im Ausland Geborenen, besonders Juden, sind eher geneigt, Untauglichke.it. für den Militärdienst zu simulieren, als die im Inland Geborenen." Sofort richtet Louis Marshall eine ausführliche Depesche an den Präsidenten Wilson, an den Staatssekretär für Krieg, an den Generalprofoß und an den. Generaloberstabsarzt: ,,Als Präsident des American, Jewish Committee protestiere ich gegen eine solche' Charakterisierung eines' wichtigen und loyalen Teils unserer Bevölkerung. Das ist äußerst verderblich in der Tendenz. * (Schluß folgt.)