Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 20 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
- Article
- Die Judenheit in Amerika
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 164 - 165 (sequence 2)
- Language
- German
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164 Die Judenheit in Amerika a g o ig u e o f America, deren Zweck ist: „die Förderung des überlieferten Judentums in Amerika". Diese Vereinigung unterhält das J e - wish Theological Seminary of Amer i c a in New York. Es sei mit Genugtuung hervorgehoben, daß diese beiden Parteien einander mit gegenseitiger Hochachtung und Sympathie ohne Streit und Haß, ohne Fanatismus und Verketzeruhg gegenüberstehen, in dem Bewußtsein, daß jede ihre Existenzberechtigung hat und eine Aufgabe im jüdischen Gesamtleben erfüllt, zu welcher sie allein berufen ist. Etwas wie eine „Trennungsorthodoxie" ist in Amerika undenkbar. Ein sozial und religiös konservativer Zug geht auch durch' die radikal-reformerischen Gemeinden, und ein tiefes Verständnis für die Forderungen der Gegenwart und des realen Lebens erfüllt die Konservativen. Daher eine milde und versöhnliche Gesinnung, daher das friedliche, ungetrübte Zusammenarbeiten an allen großen sozialen und kulturellen Aufgaben der jüdischen Gemeinschaft. Kein fanatischer Heißsporn stört die Harmonie. Ein Marm wie Jacob H. Schiff gehört dem Exekutivausschuß der Union of American Hebrew Gongre|gations an, hat aber Salomen Schechter nach Amerika berufen und den größten Teil der Mittel zur Gründung des konservativen Theologischen Seminars in New 'York beigetragen,, dessen große Bibliothek fast allein ausgestattet. Der Führer der Reformrabbiner und Präsident des Hebrew Union College, Kaufmann K o.h 1 e r, war mit Salomon Schechter durch herzliche Freundschaft und gegenseitige Hochachtung verbunden und widmete der Persönlichkeit dieses großen Gelehrten und außerordentlichen Charakters ein schönes und ergreifendes Gedenkblatt1). Zu den Erziehungsorganisationen gehört ferner die bedeutende National Farm Schoo! mit dem Sitz in Philadelphia, die, 1896 gegründet, eine Farmschule und Musterfarm in Bucks Co. (Pennsylvania) unterhält. Die Gesellschaft zählt 4000 Mitglieder und hat bisher 250 Zöglinge ausgebildet. Ihr Präsident ist der rühmlich bekannte Josef Krauskopf. Die W o.h Itätigkeitsge seil Schäften, z. B. Krankenunterstützungsvereine, Hospitäler, Waisenhäuser, gehören fast ausschließlich nicht zu den „nationalen", sondern zu den lokalen Organisationen. Zwei aber, dje in erstere Kategorie eingereiht sind, seien erwähnt: J e w i s h Consumptive Relief Association of California, die im Jahre 1912 gegründet worden ist und in Los Angeies ihren Sitz hat. Sie unterhält ein Sanatorium für Lungenkranke, zählt 14000 Mitglieder und hat fünf Zweiggesellschaften. Die J ew i s h Consumptive Relief Society, die 1904 *) „Hebrew Union College and other adresses." Cincinnati Art Publishing Co. 1916. gegründet wurde und in Denver, Colorado, ihren Sitz hat, zählt 100 000 zahlende Mitglieder, mit 11 Zweigvereinen, und verfügte 1918 über ein Einkommen von 240 222 Dollar, sie unterhält 160 Betten und gibt eine Zeitschrift „The Sanatorium*' heraus. In Denver gibt es ein im Jahre 1899 gegründetes National-Je wish- Hospital for ConsumptiveSj in welchem am 1. Januar 1919 3589 Kranke gepflegt wurden. Unter den Frauenvereinen ragt der Council of Jewish Women hervor, der sein Hauptbureau in P a s e o (Kansas) hat, aber im ganzen Lande Zweigniederlassungen besitzt. Die Präsidentin ist Helen W i n k 1 e r. Die Gesellschaft zerfällt in 107 Sektionen und 21 Filialen. Ihre Tätigkeit erstreckt sich auf die Komitees für: Religion, Religionsschulen, Wohltätigkeit, Jugendfürsorgevereine, bürgerliche und Gemeindeangelegenheiten, Friedens- und Schiedsgerichte, Erziehung, Gesetzgebung, Blindenfürsorge, Taubstummenfürsorge, soziale Hygiene, Reinheit der Presse; sie unterhält ferner in New York ein Nationaldepartement für Einwandererfürsorge. — In der National Federation of Temple Sisterhoods sind 194 Gesellschaften vereinigt, sie hat ihren Sitz in Cincinnati und ihre Tätigkeit erstreckt sich nach Komitees auf folgende Gebiete: Kooperation, Religion, Religionsschulen, Propaganda, wissenschaftliche Stipendien, Unterhaltung eines Museums und Unterstützung von Kriegsnotleidenden. Gegründet 1913. — Der United Order of True Sisters ist 1846 gegründet worden, zählt 600Ö Mitglieder in 22 Logen und gibt eine Monatsschrift „The Echo" heraus. Sitz: New York. — Im Januar 1918 wurde die Women s L eague of The United Synagogs of America in New York gegründet, an deren Spitze die Witwe von Salomon Schechter steht, und die sich zur Aufgabe stellt, „das überlieferte Judentum zu fördern durch Förderung der jüdischen Erziehung der Frauen, durch Pflege des jüdischen Empfindens im Hause, durch Propaganda für die Beobachtung der jüdischen Speisegesetze und der häuslichen Zeremonien, des Sabbat und der Feste und die allgemeine Stärkung der religiösen Institutionen im jüdischen Hause". Unter den „nationalen" Organisationen der Juden in den, Vereinigten Staaten gibt es mehrere Arbeiterorganisationen auf mannigfacher Basis:; von allen die bekannteste ist die Partei der Poale- Ziohisten (die sich auch auf Kanada erstreckt), 7000 Mitglieder zählt, im Jahre 1905 gegründet wurde, in New York ihren Sitz hat. ^--^5* GESAMTREPRAESENTANZEN DER AMERIKANISCHEN JUDEN. Nach langen Kämpfen, ist im März 1916 der American Jewisih Congreß zustande gekommen, der aber erst Mitte Dezember 1918 in Philadelphia zum ersten Mal zusammentrat und vom 15. biä zum 19. tagte. Ehrenpräsident ist Nathan Strauß in New York, Präsident Julian W. MackVizepräsident Louis Marshall, daselbst. Ueber Ziele und Tätigkeit dieser Organisation läßt sich vorläufig kein Urteil fällen. Alm 10. November hielt das American JewishComimitteezu New York seine zwölfte Jahresversammlung ab. Das) Komitee wurde also 1906 gegründet. Es gehören ihm an die führenden Persönlichkeiten aller Parteien, Stände und Klassen