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Ost und West · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1920) · p. Seite 130 - 131

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
Article
Silhouetten von Hans Brasch
Date
1920-05-01
Page
Seite 130 - 131 (sequence 2)
Language
German
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130 Silhouetten von Hans Brasch. 131 f^&^iyi HANS BRASCH Am Teetisch BerliQ mit den Werken einer Kunst, die eigentlich längst vergangenen Zeiten angehört und uns Schemen vorführt, die wie Märchen und wunderbare Sagen erklingen. Zu den beliebten Vertretern einer besonders kultivierten und durch künstlerische Gründlichkeit durchgebildeten Silhouettenkunst gehört der Berliner Hans Brasch, von dessen künstlerischen Anfängen wir bereits im Jahrgange 1913, Seite 719, einige Proben gegeben haben. Vergleicht man die dort reproduzierten Blätter mit den neuen, die wir hier zum Abdrucke bringen, so ist man erstaunt über die Fortschritte, die der junge Künstler in der Zwischenzeit gemacht hat. Was dort noch zaghafte Ansätze waren ist nunmehr durchgebildete Künstlern schaft. Mit einer Leichtigkeit und Zierlichkeit geben sich seine Schattenrisse, daß man wohl das seinem Namen beigefügte Künstlerzeichen, die kleine Schere, als ein Symbol seines Könnens aufnehmen kann. In richtiger Erkenntnis dessen, was die Silhouette überhaupt zu geben vermag, geht Hans Brasch jetzt einen umgekehrten Weg als früher. Das Schwarz darf nicht gar zu massig und flächenhaft erscheinen; die Silhouette darf nicht nur Umrißkunst in dem Sinne sein, daß kräftige Gestalten eine reich bewegte Konturlinie haben, sondern alles muß sich in Leichtigkeit auflösen; die Linie, der feine schwarze Strich, muß dominieren und nur ab und zu die dunkle Fläche den Rhythmus der Gesamterscheinung an gewissen Stellen tragen helfen. Wie sehr die Silhouettenkunst ein Kind leicht* geschürzter Muse ist und wie wenig sie sich dazu eignet, symbolisch problemhaft zu erscheinen, zeigt deutlich das in der Formengebung wohl ge* lungene, für das Thema aber durchaus nicht ausreichende Bildchen des wandernden Juden. Hüpfend und trillernd, jauchzend und fröhlich müssen die Gestalten sein, eine unbekümmerte Jugend, die im Sonnenschein das Leben genießt, — das sind die vollgültigen Vertreter der Schatten* kunst, aber nicht die schwere Gestalt des beladenen, wandernden Juden, der sich mühsam am Stabe fortschleppt, unentwegt seinem Ziele zuschreitend, das ihm in weiter, weiter Ferne als die palmen* umfächelte Oase entgegenleuchtet. Hier sind die Grenzen dieser Kunst, vor diesen Problemen hat sie halt zu machen; diese Themen gehören in ein anderes Reich. Mag der Gondoliere sein zierliches Schifflein durch den Canale Grande steuern und hinüber* blicken nach San Giorgio, so umfängt uns etwas von dem idyllischen Zauber der traumhaften Lagunenstadt. Vor allem aber lasset die Grazie vor uns erscheinen, wie sie als holdes Mägdelein mit dem Windspiel durch den Park hüpft, dem gefiederten Kakadu ein Stückchen Zucker reicht, oder als die graziöse Mondäne, in dem Schaukel* stuhl hingegossen uns mit zierlicher Händbewegung zu sich einläd, oder gar einen verstohlenen Blick in ihr Ankleidezimmer tun läßt, da sie, mit den Zauberkünsten ihrer Toilette beschäftigt, am Spiegel* tischchen sitzt und kokett ihre Reize zu steigern bemüht ist. HANS BRASCH Die Puderquaste Berlin

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