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Ost und West · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1920) · p. Seite 128 - 129

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1920)
Article
Silhouetten von Hans Brasch
Date
1920-05-01
Page
Seite 128 - 129 (sequence 1)
Language
German
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128 Silhouetten von Hans Brasch. 129 HANS BRASCH Ihr Liebling HANS BRASCH Spielkamerad SILHOUETTEN VON HANS BRASCH. Dr. Karl Schwarz. Eine liebenswürdige, neckische Kunst ist die Silhouettenkunst, so recht für ein Boudoirchen geschaffen, mit zierlichen Möbeln und recht viel molligen Kissen. Eine tändelnde Piauder* Stimmung klingt aus solchen Blättchen, lustig, heiter, beschwingt von Frohsinn, ganz Lebens* freude und Lebensleichtigkeit atmend. Alles ist in ständiger Bewegung, da der Schattenriß wie ein sanfter Wind durch das feine Geäst der Bäume rauscht und die leichten Seidenstoffe der zierlich gekleideten Frauen fächelt und in lustigen Schwingungen sich bewegen läßt. Die Silhouetten* kunst stammt aus Frankreich. Dort, in dem Lande der Grazie und des Kultus der schönen Frau, die ko* kett in ihren Bewegun* gen und eitel in der Gewandung vor der amorosen Schar der Anbeter erscheint, ist diese Kunst zu den Zeiten der berühmten Salons gepflegt wor* den, und von dort ist sie zu uns gekommen, als die Biedermeierzeit HANS BRASCH ein intimes, graziöses und gefälliges Sichgeben erbrachte, die Frauen mit krausem Haarputz und den reich gezierten Krinolinen, die Männer im bunten Frack und Spitzenjabot erschienen. Heutigen Tages haben wir wieder eine be* sondere Vorliebe für diese Kunst zu verzeichnen. Neben all dem Schweren und Wuchtigen, das die Kunst bietet, dem gar zu wilden Farbenrausch, dem Brutal*Realistischen und den bis zu krasser Bru* talität sich steigernden expressionistischen Gebärden sucht man gerne einen Ruhepunkt in einer leichter geschürzten Kunst, die uns in erträumte Gefilde führt und wohlge* fällig ablenkt von dem gar zu vielgestaltigen Alltagsleben. Wie man gerne ein Stünd* chen in dem Salon einer schönen Frau verplaudert und von dort Anregungen mit* nimmt, die erheiternd und läuternd zugleich auf den abgehetzten Menschen wirken, wie man gerne sich einmal gehen läßt und auch einmal gerne träumt, so umgibt man sich Venedig

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