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Ost und West · 1920-01-01 · Heft 3-4 (März-April 1920) · p. Seite 106

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1920)
Article
Die Judenheit in Amerika
Date
1920-01-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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106 Die Judenbcit in Amerika. 107 Ackerbaukolonien von Rose n h ayn> Carmel und Woodbine, alle im Staate New Jersey, bilden je 50%, 60°/o und 100o/0 der Bevölkerung. Einige belangreiche Zahlen über die Einwanderung (der Juden nach den Vereinigten Staaten mögen liier mitgeteilt werden. Der große Strom der Einwanderung begann sich im Jahre 1881 zu ergießen. Bis zum 30. Juni 1919 sind eingewandert insgesamt annähernd 2150 000 Juden; zurückgewandert sind während dieser Zeit 140 000. Der Zuwachs der jüdischen Bevölkerung infolge der Immigration betrug demnach 2 001000. Von der gesamten jüdischen Bevölkerung Amerikas ist also nur etwas über ein Drittel in Amerika geboren. In den Jahren 1899—1919 betrug die Gesamtzahl der eingewanderten Juden 1551315, die Gesamt einwander ung 14 861 483. Die jüdischen Einwanderer machen also 10,43% der Gesamtimmigration aus. Für das Verhältnis der Rückwanderung zur Einwanderung liegen nur für die Jahre 1908 bis 1919 die Daten vor. Danach bildeten die rückwandernden Juden nur 6,91% der einwandernden, während es bei der allgemeinen Immigration 34,02% Rückwanderer gab. Das beweist, daß die einwandernden Juden in beinahe sechsfach hohlerem Maße mit dem Vorsatz nach Amerika kommen, sich dort dauernd anzusiedeln und sich eine neue Heimat im Lande zu gründen. — Die Zahl der auf 'Grund der 'Einwanderungsgesetze vor der Schwelle Amerikas in den letzten 20 Jahren zurückgewiesenen Juden betrug 20569, das macht 7,41% der allgemeinen Zahl; auf Grund - derselben Gesetze wurden im gleichen Zeitraum aus Amerika nach' der Zulassung wieder ausgewiesen 2510 Juden, also 6,89 o/o der Gesamtzahl. Da nun, wie wir gesehen haben,, die jüdischen Einwanderer in diesem Zeitraum 10,43% der Gesamteinwanderer ausmachten, so ergibt1 sich, daß die Zahl der nichtzugelassenen und die der wieder ausgewiesenen jüdischen Einwanderer sehr erheblich hinter der allgemeinen Zahl zurücksteht. Das fällt um so schwerer ins Gewicht, wenn man erwägt, daß die Juden einer ungleich schärferen Kontrolle unterworfen sind als die Nichtjuden, da hinter ihnen hüben und drüben die ewige antisemitische Hetze und Denunziation her ist. SOZIALE UND GEISTIGE ORGANISATION. Wie ist es nun mit dem sozialen Sinn und der sozialen Betätigung der Juden der Vereinigten Staaten bestellt,? Darauf geben uns folgende Zahlen Antwort. Es gibt. 76 jüdische nationale Organisationen, die zusammen 1062 412 Mitglieder zählen. Jeder dritte jüdische Mensch in den Vereinigten Staaten gehört also einer jüdischen nationalen Vereinigung an. Rechnet man die Minderjährigen ab, so ergibt sich, daß jeder erwachsene Jude und jede erwachsene Jüdin mindestens einer, gewöhnlich mehreren Organisationen angehört. Müßte man nämlich nicht viele einigemal zählen, so kämen die hohen Ziffern von mehr als einer Million keineswegs heraus. Man muß aber bedenken, daß hier das- Wörtchen „national'«' nicht im Sinne von „national-jüdisch" zu verstehen ist, sondern in dem Sinne, in welchem es die Angelsachsen und Franzosen, gebrauchen, nämlich ,,den ganzen Staat'' umfassend, im Gegensatz zu den lokalen Organisationen, die sich nur auf eine Ortschaft oder Gegend erstrecken. Solche lokale Organisationen existieren förmlich unzählige. Die Stadt New York allein hat ihrer nicht weniger als 3637, und ihre Aufzählung füllt 77 enggedruckte Seiten. Die „nationalen" Organisationen sind sämtlich in 10 Gruppen geordnet,, die erste umfaßt 15 Bruderorden und Gesellschaften für gegenseitige Unterstützung;, mit einer Totalsummc von 574 163 Mitgliedern. Ebensovielc Organisationen umfaßt Idie zweite Gruppe der Wohltätigkeitsgesellschaften, die insgesamt 230114 Mitglieder zählen. Acht zionistische Organisationen zählen, 160 455 Mitliedger. Erziehungsorganisationen gibt es. 6 mit 30 318 Mitgliedern. Drei Forschungsinstitutionen umfassen 423 Mitglieder. Zu den Erziehungsorganisationen werden die drei Theologischen Seminaricn, sowie das ,, Drop sie College for Hebrew and Cognate Learning" gerechnet, über die näheres mitgeteilt werden, möge. Das älteste ist das Hebrew Union College in Cincinnati, welches bereits im Sommer 1883 Rabbinatsexamina vornehmen konnte. Es wird von der liberalen Union of American Hebrew Congregations erhalten. Es besitzt einen eisernen Fond von 325 450 Dollars und unbewegliches Vermögen im Werte von mindestens 250 000 Dollars. Die Bibliothek umfaßt 35 000 Bände und 10 000 Schriften kleineren U Anfanges. An der Spitze steht als Präsident der -greise Führer der amerikanischen Reform Di r. Kaufmann Kohler, dessen Bemühungen das Entstehen dieser Anstalt zu verdanken ist. Es wirken an ihr zehn Professoren und drei Lektoren. Den Unterricht in der Beredsamkeit erteilt eine Dame Cora Kahn. — Das! konservative J e w i s; h Theological Seminary of America in New York wurde 1886 gegründet. Der vorletzte Präsident war der vor vier Jahren verstorbene S a 1 o m o n Schechter, dessen Nachfolger Cyrus Adler ist. Die Bibliothek zählt 56 859 Druckwerke und 1820 Handschriften. Es wirken an der Anstalt siebe n Professoren und drei Lektoren. An das Seminar ist eine Lehrerbildungsanstalt angegliedert. — In1 New York gibt es überdies ein streng o r t o d o x e s R a b b i n e r s e m i n a r auf den Namen des Rabbi Isaak Elchanan Spektor aus Kowrio. Es besitzt einen Fond von ungefähr 50 000 Dollars, seine Bibliothek zählt 9000 Bände. Eine ganz eigenartige Stellung nimmt das nach seinem Stifter so benannte Dropsie College in Philadelphia ein, das Unterricht in biblischer und rabbinischer Literatur,, in den semitischen Sprachen und in jüdischer Geschichte erteilt, und das Recht hat, den Grad eines Doktors der Philosophie zu verleihen. In der Aufnahme der Studenten, wird kein Unterschied des Bekenntnisses, der Hautfarbe noch des Geschlechtes gemadht. Der Unterricht ist ganz unentgeltlich. Dagegen gewährt das Institut an die Studenten Preise von 500 Dollars jährlich. An der Spitze steht Cyrus Adler. Es wirken an der Anstalt acht Professoren. Das Vermögen betrug 1918 838 340 Dollar. Die Bibliothek hatte einen Wert von 19 238 Dollar.

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