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Ost und West · 1920-01-01 · Heft 3-4 (März-April 1920) · p. None

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Journal
Ost und West
Volume
20 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1920)
Article
Die Weltgefahr der Judenhetze in Deutschland
Date
1920-01-01
Page
None (sequence 1)
Language
German
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öspwesr ILLUSTRIERTE MONATSSCHRIFT^^ FÜR DAS GESAMTE JUDENTUM. Herausgegeben und redigiert LEO WINZ. Alle Rechte vorbehalten. Heft 3/4 März-April 1920 XX. Jahrg. DIE WELTGEFAHR DER JUDENHETZE IN DEUTSCHLAND. DIE NEUE OSTJUDENFRAGE. Von einer Ostjudenfrage erscheint diese .ganze Kriegsperiode in Deutschland eingerahmt. Sobald wir anfingen, im Osten zu siegen, stieg das Gespenst der Ostjudenfrage auf. Es wurde uns bange vor unserer eigenen Sieghaftigkeit. Um Gottes willen, wenn das in gleichem Tempo weitergeht, dann annektieren wir ja „den ganzen Osten" und bekommen auf diese Weise — o Grauen! — ungezählte Ostjuden zu Mitbürgern. Was fangen wir mit den Ostjuden an? Am Ende haben wir nicht gesiegt, haben nicht annektiert und haben doch ein paar tausend Ostjuden zu zeitweiligen Mitbürgern bekommen. Es sind, wie gesagt, nur ein paar tausend, aber sie gehen uns so furchtbar ,auf die Nerven, daß wir uns verzweifelt fragen: Was fangen wir mit den Ostjuden an? Wir weisen sie aus. Wir schicken sie in Konzentrationslager. Wir schließen die Grenze vor ihnen. Sie sind alle Schieber, Wucherer, Bolschewistenführer und arbeitsscheues Gesindel. In der ersten Phase der „Ostjudenfrage" gab es zwei grundverschiedene Gesichtspunkte für deren Lösung: Die Gegner des Annexionismus bedienten sich der Ostjudenfurcht als eines Argumentes gegen die maßlose Ländergier der Alldeutschen und der Obersten Heeresleitung, indem sie darauf hinwiesen, daß mit der Angliederung großer Gebiete von Polen oder Rußland an das Deutsche Reich' zahlreiche Massen dieser unerwünschten, abscheulichen Menschensorte ungehindert die Grenzen überschreiten und das Deutsche Reich würden überfluten können. Die unentwegten Annexionisten aller Lager antworteten darauf unter schmunzelndem Kopfnicken der Obersten Heeresleitung: „Nur gemach I Das werden wir schon zu verhindern wissen. Fällt uns gar nicht ein, diese Juden über unsere Grenze zu lassen. Wenn wir einmal die Erben des Zarenreichs sind, setzen wir einfach die Judenpolitik unseres seligen Erblassers fort, wir errichten ebenfalls einen Ansiedlungsrayon, nur mit der Grenze nach dem Wresten; wir werden nicht mehr Ostjuden zu uns hereinlassen als der Zar in das heilige Rußland. Die Juden aber können wir in ihren bisherigen Wohnländern ganz gut brauchen — für unsere Zwecke. Wenn wir jene Länder nehmen, so wollen wir sie ja germanisieren, und dazu sind diese Ostjuden das beste Instrument. Sprechen sie nicht alle Deutsch? Freilich, wenn wir diese Töne in Deutschland vernehmen, nennen wir's Mauscheln. Aber an den Ufern der Weichsel und des Dnjesters klingen diese Laute wohl vertraut und gar anheimelnd an unser Ohr. Als Beherrscher der annektierten Länder werden wir die dortigen Juden mit der einen Hand karessieren und mit der andern beim Genick packen — und uns aus ihnen die gefügigsten Instrumente formen, wir werden sie zu den Vortruppen der germanischen Invasion machen, sie werden uns helfen, das Slawentum politisch und wirtschaftlich zu knebeln und die Oberherrschaft des Deutschtums aufzurichten." Vom August 1914 bis zum August 1918 konnte man in Deutschland zwei nebeneinander einherlaufende Strömungen wahrnehmen. Einerseits wurden die Ostjuden in den schwärzesten Farben gemalt, wobei aber die Westjuden nicht viel glimpflicher wegkamen. Man erinnere sich nur an die Ergüsse von Fritz und Paphnutius1). Andererseits wurde man nicht müde, dieselben Ostjuden mit Komplimenten zu überschütten, vor denen ihnen bange wurde. 1) Vergleiche „Die Ostjudenfrage", „Ost und West" 1916, Heft 1—4.

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