Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1918)
- Article
- Seele und Jenseits im Volksglauben der Juden
- Date
- 1918-11-01
- Page
- Seite 397 - 398 (sequence 7)
- Language
- German
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397 Apologie. 39S mußt du auf;Erden zu seinem Andenken das tun, was ihm zu vollbringen verwehrt war. Ich habe kein Kind zurückgelassen. Aber in derselben Nacht, als ich starb, wurde in dieser und dieser Gasse, in diesem und diesem Hause ein Kind geboren, und die Mutter, deren Mann einige Wochen zuvor aus dem Leben geschieden, starb kurz darauf. Suche das Kind auf, nimm es zu dir. hege und pflege es, als wäre es das Kind deines einzigen Sohnes, habe Freude daran, tröste dich über den Tod deines einzigen Kindes. Damit wirst du den Willen Gottes tun und meine Seele von den Qualen erlösen, die ich wegen deiner unablässigen Trauer erdulde/' Am nächsten Morgen war das erste, was die Frau tat, das verlassene Waisenkind aufzusuchen. Sie nahm es zu sich und tat, wie ihr verstorbener Sohn ihr anbefohlen. Nach einiger Zeit erschien der Mutter abermals der Sohn im Traume. Er war in die strahlenden Gewänder der Zedakah (levusche zedakah" dinehirin) gekleidet, sein Antlitz leuchtete, seine Augen glänzten und er lächelte selig. APOLOGIE. Von Dr. Leo Fantl. In Berlin ist vor kurzem eine Reihe von Vorträgen abgehalten Wörden, die der Verband der deutsehen Juden unter dem Namen „Apologetische Kurse" im Hause der Gemeindeverwaltung veranstaltete. Namhafte Rabbiner und Gelehrte sprachen über „das' Judentum! zur Zeit der Entstehung des Christentums", über „die Grundlehren des Judentums und anderer Religionen". Geschichte und Methode der Judenmission wurden beleuchtet, und die Hörer unterwiesen, wie sie Angriffe auf das Schrifttum, Angriffe auf die Glaubens- und Sittenlehre des Judentums1 abzuwehren hätten. Das Wertvollste, das man aus1 diesen Kursen mitnahm, war die Erkenntnis, wir brauchen keine Apologie, wenn das Judentum solche Männer hervorbringt wie die, die uns dort belehrten. Es soll aber jetzt kein Loblied aufsie gesungen werden, ces wäre auch nicht nach ihrem Sinn. Aber Dank soll ihnen ausgesprochen werden. Doch wie unbedeutend ist solcher Dank 'im Verhältnis zu dem, was man empfing: Wissen, Persönlichkeit: Und dafür kann nicht auf gewöhnliche Art gedankt werden. Der Dank der Veranstalter, und das, was einer aus1 den Hörern vorbrachte; Akt der Höflichkeit. Aber warum stand keiner auf und sprach Dank, wie Schüler dem! Lehrer danken sollten? Sie waren alle Schüler, alle, die zugegen waren: Rabbiner,. Lehrer und Lehrerinnen. Es muß, offen ausgesprochen werden: es war keine rechte Hörerschaft für den Zweck der Uebung. Bestenfalls Fachleute. Doch wo waren die Mitglieder der „Gesellschaft"? Der „besseren Kreise"? Wie wäre ein gleiches Unternehmen in katholischen) oder evangelischen. Kreisen besucht gewesen?. Was soll das1 Gerede vom „Stolz sein auf das Judentum?", wenn es,: nicht die Kraft hat, die eigenen Glaubensgenossen fest um sich zu scharen? Freilich, es hat die Kraft, aber man muß, auch den ehrlichen Willen haben, sie auf sich wirken zu lassen. Es geht nicht an, in Vereinen, bei Jubiläen, Makkabäerfeiern vom Judentum begeistert zu sprechen und schon, wenn man den Festsaal verlassen hat, sich scheu umzublicken, ob ja niemand gesehen hätte, daß man aus einer jüdischen Versammlung komme.. Wir 'wollen „Judenmission" treiben, unsere Umgebung für das Judentum, für den Inhalt seiner Lehre: begeistern. Schön und gut! Fangen wir aber zuerst unter den Juden selbst an!' Solange es noch unter uns welche gibt, die, weil sie hochgebildet, in ansehnlicher gesellschaftlicher Stellung stehend, sich möglichst wenig von der "Umgebung unterscheiden wollen und darum leichten Herzens sinnige Bräuche, deren ethischen Wert sie gar nicht fassen können, aufgeben, bleibt uns noch viel zu tun übrig. Warum' veranstalten wir keine Vorträge für Justiz- und.'Kommerzienräte, für Professoren und Offiziere: „Warum' müssen die Juden .die hebräische Sprache beibehalten?" öder „Der .ethische Wert der Speisegesetze?" Warum bekämpfen wir die Meinungnicht, „Liberalismus" bedeute Emanzipation vom Religiohsgesetz? Bleiben .Wir aber beim Gegenstand! Vor strebsamen, aber ohnehin schon überzeugten Leuten haben Persönlichkeiten von ihrem Besten hergegeben. Aber diejenigen habe ich in den Vorlesungen vermißt, die alle Gesetze und Codices der gesellschaftlichen Umgangsformen beherrschen, die in der Welt stehen oder stehen wollen, die nach gesellschaftlicher Stellung, nach Orden und Titeln jagen, und die da. glauben, die Ausübung ihrer religiösen Gebote sei ihnen hinderlich, die sogar einen Stolz darein setzen, möglichst wenig davon zu wissen und Andersgläubige überzeugen wollen, es sei heute nicht mehr, „fair" Sab'bath zu halten oder die Bibel zu lesen.! Diese, müssen wir heranziehen! Diese müssen erst das Judentum kennen lernen, danin müssen sie es1 erst verteidigen lernen. Denin sie sind es, denen man esl zum Vorwurf macht. Nicht der weltfremde Religionslehrer wird angegriffen, sondern der weltläufige Kaufmann, Arzt, Jurist, Soldat. Ihnen wirft man auf ihrem Wege nach Erfolg das1 Judentum vor die Füße; der Unbeholfene fällt darüber, der rechte Mann nimmt? es auf seine Schultern und verfolgt in Ruhe seinen Weg; der Narr jläuf't darum herum, und die Zuschauer verlachen ünd verachten ihn. Darum muß er lernen, lernen und wieder lernen! Das allein ist ja das Judentum. Wissen allein ist Macht! Lau bechajil, welau bechauach, ki im beruchi! Nicht durch Macht und nicht durch Kraft — nur durch den Geist! Nur durch den Geist Gottes, wie er aus dem Schrifttum des Judentums sich erschließt, können wir uns verteidigen und siegen. So allein können Wir durch unsere bloße.Existenz Apologeten des Judentumssein. *£;.. . .