Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1918-09-01 · Heft 9 (September 1918) · p. Seite 311 - 312

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 9 (September 1918)
Article
Stimmen des Friedens
Date
1918-09-01
Page
Seite 311 - 312 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2583875-2584078-2584084-2606564--17195-2606603
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

311 Bogumil Zepler. 312 und machte einen dicken Strich darüber. Der Wiener Sernitologe Friedrich Hrozny veröffentlichte im Jahre 1915 die Ergebnisse seiner jahrelangen Untersuchungen über die Inschriften der Hethiter, es war ihm1 gelungen, das Alphabet zu entziffern und die Sprache zu erforschen. Er kommt zu dem1 Schluß, daß: es sich um eine indogermanische Sprache handelt, die in die unmittelbare Nähe des Lateinischen zu stellen ist! „Die Hethiter, dieser Homo sriacus Chamberlains, stünde danach, so viel darf man wohl für diese ältesten Zeiten aus der Sprache schließen, den Ariern nicht ferner als den Semiten. Die Judennase aber, dieses hethitische Erbstück, auf das Chamberlain so eindringlich hinweist, wäre — o Tücke des Objekts! — ein Beweis, wie mächtig dieser hethitische Einschlag bei den Juden gej wesen ist." Rohrbach und Deußen haben, einer entgegengesetzten Methode folgend, den Nachweis zu führen gesucht, daß der ganze hehre Gedankeninhalt der Bibel arischen Ursprunges sei. „Die Verkündigung ider israelitischen Propheten trägt die großen Züge arischer Religiosität", versichert R o h r b a c h , dessen wissenschaftliches Rüstzeug allerdings viel leichter ist, als die schwerwiegenden Worte, die er zu gebrauchen liebt; D e u'ß e n findet in den- Lehren Zaratliustras' eine große Aehnlichkeit mit den Lehren der Propheten, und nimmt daraufhin eine Beeinflussung letzterer durch erstere an, wodurch die althebräischen Begriffe und Anschauungen von Gott und Mensch derart umgeformt worden seien, daß sie geeignet wurden, „die Grundlagen einer Weltreligion zu werden." Aber abgesehen davon, daß Zarathustra (dessen Zeitalter noch lange nicht feststeht), im besten Falle ein späterer Zeitgenosse von Hosea, Arnos und Micha gewesen sein dürfte, abgesehen davon, daß. für die vor exilische Zeit keinerlei Einfluß des Parsismus auf das Judentum nachweisbar ist, sagt Münzer mit Recht: „Selbst wenn die Entwicklung jener hohen sittlichen Ideen bei den Juden auf Rechnung arischen Einflusses zu setzen wäre, es würde an der Leistung der Hebräer nichts ändern, die ihnen gebührende Dankesschuld der Menschheit nicht mindern. Sie, die vielgeschmähten Hebräer, haben diese Grundsätze entwickelt, von hier aus sind sie der Menschheit übermittelt worden." In unserer von Völkerhaß zerrissenen Zeit tut es doppelt wohl, Stimmen wie die dieser beiden deutschen Christen zu vernehmen, die so echt menschliche Töne erklingen lassen. Die hohe Auffassung Münzers vom Patriotismuis und von der Liebe zum eigenen Volke drückt sich am klarstenin den schönen Worten aus, mit denen seine Schrift schließt, „Jene, denen Zugehörigkeit zu einem Volke gesteigertes Menschentum im Dienste dieses' Volkes1 bedeutet und nicht gleichbedeutend ist mit Ueber- . Schätzung seiner selbst und seiner Art, Geringschätzung der andern; jene edelstrebenden Menschen bedurften der vorangehenden Auseinandersetzungen nicht. Sie wissen, daß im Dasein der Menschheit jedes einzelne Glied, seiner Zeit angehörend und gehorchend, mitgearbeitet hat am Werden des Geschlechtes, daß kein Volk ohne das andere denkbar is!t, daß, ebenso wie die Materie unzerstörbar ist und nur ihre äußere Erscheinungsform wechselt, auch kein Gedanke, der je geäußert wurde, verloren geht, denn der Geist ist unsterblich." BOQUMIL ZEPLER. Vor wenigen Monaten haben wir ihm zum 60. Geburtstag Glück gewünscht. Heute gedenken wir wehmütig des Toten. Still, ohne viel Auf? hehens, ist er gestorben. Auf heimatlichem Boden, im Riesengebirge, erlag er einem Herzschlag. Wir werden des gütigen, liebenswürdigen Menschen nicht vergessen. An seiner Bahre versprach man, seine Opern zu pflegen. An seiner Bahre erklang auch die Mahnung an die jüdischen Musiker, Zep=* lern gleich, das Beten nicht zu vergessen. Es ist leider Tatsache, daß gerade die Begabtesten unter den jüdischen Musikern dem Judentume sich ent* fremden und vor allem zum Gottesdienst keine Beziehungen mehr haben. Mögen sie helfen, das Land zu bereiten, das Zepler in seinen letzten Anmerkung der Redaktion: Das nachfolgende Lied ist eine der letzten Schöpfungen des Ton* künstlers, die er uns kurz vor seinem Tode zur Veröffentlichung übergeben hat. Es trägt alle Merkmale seiner eigenartigen Begabung, wurde bereits einige Male vorgetragen, und hat lebhaften Beifall gefunden. Lebenstagen zu erreichen strebte, das weite Feld des jüdischen gottesdienstlichen Gesanges- Daß hier noch Bedeutendes zu leisten ist, wußte Zepler und wollte mit Hand anlegen. Es hat etwas Rührendes und Erhebendes, daß dieser Mann nach allerlei musikalischen Irrfahrten gerade in den letzten Lebenstagen den Weg zum jüdischen Gottes* dienst wieder fand. Möge sein Beispiel wirken, und die jüdischen Musiker veranlassen, sich mit dem Wesen des jüdischen Gottesdienstes zu be* fassen, um, auf dem Altüberlieferten weiterbauend, Neues zu schaffen. Dann wird das Andenken Zeplers zum Segen werden! Dr. L. F.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.