Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 9 (September 1918)
- Article
- Sein oder Nichtsein?
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 291 - 292 (sequence 2)
- Language
- German
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291 Sein oder Nichtsein? 292 der Abhängigkeit durcheinander mengt. Wer eine mehr oder minder untergeordnete Stellung einnimmt, eine Menge niederer, höherer und höchster Vorgesetzter hat und jeden" Augenblick wöggejagt Werden kann, cler ist wohl viel abhängiger, aber zugleich viel weniger verantwortlich als der Großkaufmann oder Großunternehmer, der einen beträchtlichen Teil des VolksWohlstandcs verwaltet, und von dem vielleicht Tausende Existenzen abhängen; oder ein Forscher und Denker, cler einen wichtigen Bezirk im heiligen Reiche des Geistes und der Wahrheit betreut; als ein Publizist, der einen Teil der öffentlichen Meinung seines Landes lenkt; als ein politischer Führer oder ein Mitarbeiter an der Selbstverwaltung, den das Vertrauen der Mitbürger auf seinen Platz gestellt hat. Die einzig wahre und echte V e r a n t wort u n g ist die v o r de m eigenen Gewissen. Nach dieser allein strebt ein rechter Mann; diese kann ihm kein Vorgesetzter' auferlegen oder abnehmen. Scheler spricht von einer „negativen, hyperkritischen Einstellung" des Judengeistes in Deutschland, einer notwendigen psychische:'! Folge des „innern Ghettos", das die unglücklichen deutschen Juden mit sich insgeheim herumtragen, vergrämt, weil sie nicht zur Laufbahn des Offiziers oder Beamten zugelassen werden. Ganz mit denselben Worten sprachen die Russen von dem Geist des gesamten Abendlandes, nicht zuletzt Deutschlands. Man kann darüber bei Pobjcdonoszc w und Ucht omski die schönsten Dinge lesen, auch Dostojewski hat in dieser Richtung Erhebliches1 geleistet. Während der ersten Monate des Krieges hat der junge Solowjew, Neffe des feinsinnigen, mystisch angehauchten Ethikers, in seinem Skizzenbuch alle diese Lehren aufgefrischt. Das ganze Abendland ist da verfault 'gniloj sapad), seine Wissenschaft und Philosophie zersetzend, sein ganzer Geist sei negativ hyperkritisch einr gestellt, seine Religion Ketzerei und Abfall. Nur die russische Volksseele allein in ihrer heiligen Einfalt besitzt die Kraft des ungebrochenen Glaubens, frei von jener zersetzenden Zwcifclssucht und hyperkritischen Skepsis, die alles negiert und den Geist des Abendlandes derart zerfressen hat, daß dort Revolution, Konstitution, Parlamentarismus, Republik, Preß - und Redefreiheit möglich wurden: 'lauter Dinge, vor denen die felsenfeste Glaubenskraft und die treue Seele des russischen Mur schik das große heilige Rußland auf ewig schützen wird. Den wahren. Christus besitze alle n das heilige orthodoxe Rußland des Zaren; diesen Christus müsse es dem Rest der europäischen Menschheit bringen (und der Wog zu diesem Ziel führt über die Eroberung Galiziens und Nord Ungarns, über den Ozean des Blutes von vier Millionen hingeschlachteter Russen, über ein Meer von Verrat und niedrigsten Verbrechen!). Die Verderber Rußlands waren die „Westler" (sapadniki), z. B. Turgenjew, die diesen zersetzenden Geist des Abendlandes nach Rußland zu verpflanzen sich bemühten. Diese Lehre vom „verfaulten Westen" und den gefährlichen Wirkungen seines „zersetzenden Geistes" Kvar einer cler Hauptpfeiler des Panslavismus. Für die breite Masse wurde sie auf besondere Weise zurechtgemacht. In den neun Monaten, als die Russen Galizien. besetzt hielten, veranstaltete der Generalgouverneur Graf Bobrinski eine Unzahl von. öffentlichen Vorträgen „für das Volk!", die es von der Notwendigkeit überzeugen sollten, die Deutschen in Europa zurückzudrängen, und die unschuldvolle, reine slawische Seele vor der verpestenden Wirkung ihres zersetzenden Geistes zu schützen. Da machten die Popen dem1 Volke klar, daß die Deutschen ewige Hungerleider seien, die nach der schönen, heiligen, russischen Schwarzerde Gelüste tragen, und sich zu diesem Zweck im Kriegshandwerk vervollkommneten, mittels allerlei unreiner Hexenkünste, z. B. der sogenannten Chemie, einer nichtswürdigen Tcufelswissenschaft, vor der der heilige Geist jeden rechtgläubigen Menschen schützen möge. In ihrer Nichtswürdigkeit gingen die Deutschen so weit, daß sie sich nicht scheuten, einen Bund mit den Juden einzugehen, die doch seit altershcr sich dem Teufel verschrieben, wie jede russische Amme und jedes alte Mütterchen schon aus den Volksmärchen weiß. Da hat ihnen der Jude Ehrlich in dieser Teufclsküche ein Mittel gebraut, das die gottverdammten Sünder vor den wohlverdienten Folgen ihrer Ruchlosigkeit schützen und der Strafe des Himmels entziehen soll. Ja, die Deutschen schrecken nicht davor zurück, mit LIilfe des Teufels ihrer mageren Erde Fruchtbarkeit zu verschaffen, indem sie beim lieben Herrgott die Luft stehlen, sie zersetzen und in die Ackerkrume blasen, wodurch auf unnatürliche Weise Getreide hervorgezaubert wird. Gewiß wäre die Seele eines echtrussischen Menschen nie und nimmer einer solchen Schandtat fähig. Aber auch diese Ruchlosigkeit hätten die Deutschen von einem J ud e n gelernt, den sie sich sogar aus Polen bezogen, Enkel und Urenkel van, jüdischen Rabbinern, deren Seele bekanntlich seit jeher dem Teufel verschrieben war, Neffe des dazumal fungierenden. Rabbiners von Lemberg, Caro. Man konnte dem Volke keine kräftigeren Beweise erbringen für che Ruchlosigkeit der Deutschen, deren zersetzender Geist im Bunde mit dem der Juden die makellose slawische Seele bedrohe. Man muß konsequent sein. Will man sich vor dem zersetzenden Judengeist schützen, so muß man sich vor dem Geist überhaupt schützen. Es