Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 8 (August 1918)
- Article
- Neue Bahnen in der hebräischen Sprachforschung
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 263 - 264 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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263 Nene Bahnen in der hebräischen Sprachforschung. 264 S. D. Luzzatto, der für die hebräische Sprachforschung weit mehr getan hat, als selbst in Fachkreisen bekannt ist, hatte schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf das Verfehlte in der arabisierenden Etymologie des Hebräischen hingewiesen. Sein Hauptargument war, daß das Hebräische als Literatursprache viel älter ist als das Arabische und es daher nicht anzunehmen ist, daß. in der hebräischen Sprache der Wortstamm, wenn er auch mit dem arabischen verwandt sein soll, dieselbe Färbung hätte wie in dem jüngeren Idiom. Da die Assyriologie damals erst im Entstehen begriffen war, so konnte Luzzatto natürlich nicht ahnen., welche Bedeutung sie dereinst für die hebräische Sprachforschung haben würde. Er wollte daher zur Erklärung des Hebräischen das Syrische herangezogen wissen, wofür nach seiner Ansicht auch der Umstand spricht, daßi dieses semitische Idiom dem Hebräischen viel näher verwandt ist als das arabische. Die Streitschrift von Friedrich Delitzsch hat im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts eine Art Sezession hervorgerufen. Eine Anzahl von Semitisten hielt an der alten Methode fest und wollte von dem Postulat Delitzschens nicht viel wissen. Die Bearbeitung von GesenKis' Handwörterbuch wurde für die neueren Auflagen dem verdienten Gelehrten Frants Buhl übertragen, der das Werk bis zur 16. Auflage (1915) fortführte und im Vorwort zu dieser jüngsten Auflage Abschied von den Freunden dieses Werkes nimmt. Buhl hat in der strittigen Frage einen vermittelnden Standpunkt eingenommen. Er suchte den Ergebnissen der assyriologischen Forschung gerecht zu werden, ohne jedoch zu einer radikalen Aenderung der Methode zu greifen. Die Folge war, daß er es eigentlich keiner Partei recht machte. Die extremen Anhänger der alten Schule wiesen jedes Kompromiß zurück, und so kam es, daßi die früheren Mitarbeiter an diesem Werk, darunter auch der jüngst verstorbene Joseph Halevy und D. H. Müller, sich davon zurückzogen, während Delitzsch bis1 auf den heutigen Tag bei seiner intransigeanten Haltung blieb. Man hat übrigens aus dem Umstand, daß> Halevy und Müller die Mitarbeiterschaft an dem. Handwörterbuch aufgaben, darauf schließen wollen, daßi das Werk .„judenrein" gehalten werden sollte. Indessen ist diese Behauptung durchausfalsch. Die Methode der neueren Aluflagen beruht in. weitem Umfange auf den Forschungen des bekannten jüdischen Arabisten Jacob Barth, der fast auf jeder Seite zitiert wird. Aber auch die LEO KATZ Landschaft WIEN