Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 8 (August 1918)
- Article
- Leo Katz
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 259 - 260 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2583875-2584078-2584083-2606503--17139-2606534- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
LEO KATZ WIEN Weiblicher Halbakt (Zu einem Wandgemälde im Schloß Tobitschau) scharfe Beobachtung und hingebend liebevolle Behandlung der Einzelheiten, die aber gleichsam nur als Mittel, als Stufen zum Kolossalen, zu einer zusammenfassenden Darstellung eines Er* habenen, einer sinnenhaft verkörperten abstrakten Idee dienen sollen, nach der der Künstler sich sehnt, die er mit der Seele sucht, die er in Linien und Farben einzufangen bestrebt ist. Jung ist dieser Künstler, sehr jung, an der Schwelle der Dreißiger. Gegen Ende 1887 in dem kleinen mährischen Städtchen Ro^nau geboren, also dem Boden entwachsen, dessen jüdische Bevölkerung schon so viele namhafte Künstler hervorgebracht hat. In Wien und München hat er studiert, dann sich in der weiten Welt umgesehen. Seine Schöpfungen haben den Geschmack jener Früchte, deren Reife und Saftigkeit zugleich einen Duft des Ueppigen geben und einen Reichtum an unausgeschöpfter Kraft ahnen lassen. Die Art seiner Begabung, nämlich die Vereinigung des Monumentalen und des Lieblichen, weist ihn auf das Gebiet der religiösen Kunst, welches seinem großen Talent, das markig und zugleich zart ist, die weitesten Katz. 260 Enwicklungsmöglichkeiten bietet. Sowohl das biblische Altertum, als auch die Geschichte der Juden im Mittelalter und namentlich das religiöse Leben des jüdischen Volkes gewähren einem Künstler von der Eigenart und dem Reichtum Leo Katz', eine ungeahnte Fülle von Motiven, die ihn zu Schöp* fungen von ewigem Wert anregen müßten. Man denke sich einen Moses, der den Felsen spaltet,, um Wasser für das murrende Volk hervorsprudeln zu lassen. Oder einen Jeremias, der mit erhabener Gebärde sich die Gefangenenketten um den Nacken legt und der Masse des Volkes ins Exil folgt. Oder das märchenhafte Motiv, wie an einem Sederabend in einer jüdischen Familie den träumenden Augen der Kinder der Prophet Elia erscheint. Leider haben nur wenige jüdische Künstler jene intime Vertraut* heit mit der Bibel, der jüdischen Geschichte und dem jüdischen Leben, die ihre Phantasie zur Aus* nützung dieser überreichen Motivenwelt anfeuern könnte. Leo Katz wäre der Mann, um aus dieser Welt Anregung für Kunstwerte zu schaffen, die seinem Namen ewigen Ruhm sichern könnten. LEO KATZ WIEN „Doberman"