Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 8 (August 1918)
- Article
- Leo Katz
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 257 - 258 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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257 Leo Katz. 258 LEO KATZ. Von Prof. C. Weiss. In der Frühjahrs * Ausstellung der Wiener 5ezession l918 konnte der aufmerksame Be* sucher eine Reihe von Arbeiten bemerken, die ihm besonders auf* fielen und zum Nachsinnen an* regten. Es waren «ine Reihe ge* zeichneter Köpfe und eine weibliche Aktstudie; wenig an Quantität, aber von ungewohnt licher charakteris* tischer Stärke und Eigenart. Es waren die Arbeiten eines jungen Künstlers Namens Leo Katz, über den man nur so viel erfahren konnte, daß er bereits 1913 im Salon Pisko die erste Kollektiv* vausstellung veran* staltet und da* mals vom breiten Publikum wenig bemerkt, dafür aber von erlesenen Kennern gewür* digt wurde. Der Beschauer fühlte sich angeregt, mehr von den Schöpfun* gen dieses eigens artigen Künstlers kennen zu lernen; da war er aber ge* zwungen, seine Schritte nach dem Musikvereinsge* bäude zu lenken, wo in zwei be* sonderen Sälen eine große Anzahl der Werke von Leo Katz zu sehen waren: Bildnisse, Entwürfe, Studien, Wandgemälde al fresco. Der Beschauer kam reichlich auf seine Rechnung. Die Arbeiten lockten zu langer Betracht tung und eingehender Analyse. Man gewahrte, daß deren Urheber in sich zwei Eigenschäften ver* einigte, die sonst sehr selten beisammen zu finden ^illlÄI LEO KATZ Studie (Tusch'*Zeichnung) sind: eine äußerst subtile Empfindung für die feinsten und zartesten Nuancen der Form, und einen unbändigen Drang nach dem Ruhig?Mo* ___ numentalen und Großartigen. Sonst pflegt die erstere Begabung einen Hang für das Spie* lerische und Nied* liehe mit sich zu bringen, der den Künstler nur zu häufig verleitet, dem Gefälligen und Modischen zu fröh* nen, dem wechseln*! den Geschmack des| lieben Publikums! sich anzupassen, nach „Popularität" zu haschen. Der Zug ins Monumsn* tale dagegen' artet nur allzuhäufig ins Abstruse undForm* lose aus, verliert sich ins Ungeheu* erliche, das eine kurze Weile für grandios gehalten werden kann, bis man dahinter kommt, daß es nur ein Ausdruck ver* sagender Kraft ist, welche über die ihr von der Natur gesteckten Grenzen hinaus strebt. Bei Leo Katz vermäh* len sich diese bei* den Seiten der Be* gabung zu einer harmonischen Ein* heit und verleihen seinen Schöpfun* gen eine Energie, die immer lieblich im Ausdruck bleibt, eine Sanftheit, die sich mit erquickender Herbheit paart und darum nie ins Süßliche ver* fallt. Das gilt bei ihm sowohl was die Linienfüh* rung, als auch was die Farbengebung anbetrifft. Eine strenge, fast unerbittliche Wahrhaftigkeit in der Charakteristik, eine minutiöse, ungewöhnlich WIEN