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Ost und West · 1918-07-01 · Heft 7 (Juli 1918) · p. Seite 225 - 226

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 7 (Juli 1918)
Article
Rumänien und seine Juden
Date
1918-07-01
Page
Seite 225 - 226 (sequence 2)
Language
German
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225 Rumänien und seine Juden. 226 Lösung der Juden frage in den Besitz der Unabhängigkeit tritt: solange die Bedingungen des Berliner Kongresses nicht auägeführt sind, ist es in seinen Augen ein abhängiger Staat, [über den er mit der Süzeränen Macht in Konstantinopel verhandeln würde." Bismarck regte in Wien den Gedanken eimer Konferenz an, wogegen Graf Andrassy, ,,in Anerkennung der sehr schwierigen Lage der rumänischen Regierung", sich damit begnügen wollte, einen „freundschaftlichen Wink .über die bevorstehenden Unannehmlichkeiten" nach Bukarest gelangen zu lassen. „Fürst Bismarck hat hierauf repliziert, daß er dieser Frage die Würde des Deutschen Reiches für engagiert erachte und sein Projekt einer Konferenz aufrechterhalten müsse, wenn andere Mittel nicht zum Ziel führen sollten." Der deutsche Botschafter Prinz Reuß teilte dem Grafen Andrassy mit, daß Bismarck auch Frankreich und England für seinen Plan gewonnen habe; Salisbury habe den Vorschlag gemacht, das Wiener Kabinett mit der Ueberreichung einer gemeinsamen Note in Bukarest zu betrauen. Das sollte eine richtige Drohnote sein. Es war für Bukarest vorteilhaft, daß diese Stöße alle über Wien geführt wurden, Graf Andrassy wirkte wie ein weiches Polster und milderte alle Hiebe. Nicht grundlos notiert Fürst Carol am 20. August: „Der Rücktritt Andrassys ist für uns ein großer Verlust; er hatte sich in den schwierigsten Lagen als unser Freund bewährt." Noch einen Monat später konnte er diesen Verlust nicht verschmerzen: „Der Fürst bedauert aufrichtig den Rücktritt Andrassyfs, mit dem er persönlich die freundschaftlichsten Beziehungen gehabt, und der sich stets als aufrichtiger Freund Rumäniens gezeigt hat." (Dankbar verzeichnet der- Fürst, daß auch der russische Minister des Aeußenr, Herr v. Giers, sich sehr wohlwollend über die rumänische Judenfrage ausgesprochen habe.) Anfang Juli gab nun Graf Andrassy die von „freundschaftlichen Gefühlen diktierte" Ansicht kund, er erachte es, „bei der Gefährlichkeit jener Drohungen, für absolut notwendig, daß die rumänische Regierung ihre bona fides in bezug auf die Durchführung des Artikels 44 durch Taten dokumentier e". Sollte nämlich Salisbürys Vorschlag, der auf Anregung Bismarcks erfolgt war, von allen Mächten angenommen und Andrassy mit der Ueberreichung der Kollektivnote betraut werden, so wäre er genötigt, seinen Gesandten abzuberuf cn. Der Vater des Fürsten Carol schrieb an seinen Sohn am 13. Juli: ,,Bismarck wird, bei der unleugbaren Präponderanz Deutschlands über alle Großmächte, England vielleicht ausgenommen, die rumänische Judenfrage zum Ausgangspunkt einer allgemein europäischen machen, und es ist nicht zu z'wcifeln, daß sehr böse Tage dir bevorstehen .. ." Der Fürst befand sich also zwischen zwei Feuern. „Verlangen wir zu wenig von den Kammern, so haben wir Europa gegen uns; verlangen wir zu viel, so verwerfen es die Kammern", sagte Bratianu am 13. Juli in einem Ministerrat, und zwei Wochen darauf klagt der Fürst: „Während das Inland mich als Verteidiger der Judenrechte hinstellt, beklagt sich das Ausland, daß ich sie nicht energisch genug hochhalte, und keinen festen Willen zeige." Unterdessen war Demeter Sturdza auf einer Rundreise in Europa begriffen, um die Kabinette über die „Schwierigkeiten" der Judenfrage aufzuklären. Es gelang ihm zwar nicht, die Signatarmächte zur vollständigen Aufgabe ihres Standpunktes zu bewegen, aber er erreichte es immerhin, daß sie reichlich Wasser in ihren WTein taten. Am 18. Juli telegraphierte er aus1 Berlin, Radowitz habe ihm erklärt, „die Mächte verlangten ja nur, daß das Prinzip religiöser Gleichstellung in die Konstitution eingeführt, und daß ein loyaler Anfang, dieses Prinzip zur Anwendung zu bringen, gemacht werde". Mit anderen Worten, Deutschland hatte nun den Engländern nachgegeben, und war bereit, sich gleich dem Marquis Salisbury, „mit der Naturalisation einiger Juden" zu begnügen. Noch eins ist wohl auf das Verdienstkonto Sturdzas zu setzen. Der Fürst schrieb zwei Wochen nachher, erleichtert aufatmend: „Die Absichten Bismarcks wurden ja in Wien durchkreuzt, und selbst England wollte von einem Apell an die Pforte nichts wissen!" Griaf Andrassy hatte also von Rumänien die Gefahr abgewendet, daß auf Bismarcks Anregung alle Mächte eine Kollektivnote nach Bukarest hätten senden sollen, wie dies Salisbury, auf Veranlassung des deutschen Reichskanzlers, vorgeschlagen hatte. Nichtsdestoweniger war die Verwirrung in den Kammern sehr groß. Einer der einflußreichsten Staatsmänner, der Deputierte Boeresco, derselbe, der einige Monate nachher alle Hoffnungen der Juden für immer begrub, vertrat unerschrocken, der gesamten Opposition und der Regierung. zum Trotz, den Standpunkt, daß die uneingeschränkte Erfüllung des Artikels 7 der einzige Ausweg aus der Sackgasse wäre. Derselben Ansicht war, aber aus anderen Motiven, der Uns bekannte Cogalniceanu. Die Opposition dagegen war unerbittlich. Dabei sah Bratianu sich gezwungen, zurückzutreten, allein, das war nur ein Scheinmanöver, denn am 23. Juli stand er schon wieder an der Spitze eines rekonstruierten Kabinettes, in welches Boeresco als Minister des Aeußern eingetreten war. Unter den vielen Projekten zur Lösung der Judenfrage, war eines, welches vorschlug, gewissen Kategorien von Juden die Naturalisation zu gewähren. Das von Sturdza aus 'Berlin, als Bedingung der Anerkennung Rumäniens, mitgebrachte Projekt war das weitestgehende, enthielt neun Kategorien und umfaßte alle Personen, die ,,Bildung und Besitz" repräsentierten, so wie alle, die unter der Fahne gedient hatten. Die Opposition jedoch verwarf alle diese Projekte, insbesondere das deutsche, und beharrte darauf, daß an keinen einzigen rumänischen Juden von Seiten der Gesetzgebung die Naturalisation gewährt werden dürfte, ohne daß er sich, wie jeder Ausländer, um sie beworben hätte; damit sollte dokumentiert werden, daß den Juden; der Anspruch auf das Recht der Eingeborenen nicht zustand und sie ohne Ausnahme wie Fremde behandelt werden mußten. „Die größte Aufregung im Lande, besonders in der Moldau", schreibt der Fürst Ende Juli, ,„war durch den Vorschlag hervorgerufen worden, gewissen Kategorien von Juden Bürgerrechte zu verleihen: Monsterpetitionen, Drohbriefe an mich, an die Minister und die Volksvertreter liefen fein, und es hatte den Anschein, als ob größere Demonstrationen ins Werk gesetzt werden

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