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Ost und West · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1918) · p. Seite 189 - 190

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1918)
Article
Rumänien und seine Juden
Date
1918-05-01
Page
Seite 189 - 190 (sequence 9)
Language
German
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189 Vom Büchertisch. 190 Jammerschrei über das euch unablässig zugefügte Unrecht, und jedesmal endete es mit einer — Anleihe Rumäniens, zu Bedingungen, die für die Gläubige'r um so glänzender waren. In eurem Lande aber blieb alles beim alten. Dagegen können wir euch von unseren Erfahrungen manches Beherzigenswerte mitteilen. Auch wir litten vormals unter schändlicher Rechtlosigkeit und harter Bedrückung. Dann überschwemmten die Franzosen erobernd unser Vaterland und führten die Grundsätze ihrer Revolution ein. Es gab einen kurzen Taumel von Freiheit und Gleichheit. Sogar die preußische Regierung gewährte uns vor einlmndertutidsechs Jahren, der Not gehorchend, auf einmal völlige Emanzipation. Es ist nicht von Dauer gewesen. Nur zu bald kehrten die alten Zustände wieder, mit ihrer Entrechtung, Verfolgung, Unterdrückung, sogar mit Austreibungen. Wir verzagten nicht, riefen nicht das Ausland herbei, wandten uns nicht schutzflehend an unsere französischen und englischen Glaubensgenossen, obgleich diese längst von jedem Joch frei waren und im öffentlichen Leben sogar hervorragende Stellungen einnahmen. Wir arbeiteten unverdrossen an uns, beteiligten uns intensiv an der geistigen und wirtschaftlichen: Kultur unseres Vaterlandes, halfen die Wissenschaft des Judentums1 ausbauen. Aber auch unsere westlichen Glaubensgenossen — zu ihrer Ehre sei es gesagt! ■— machten keinen Versuch, sich zwischen uns und unsere Mitbürger zu drängen, und ihren Regierungen auf unseren Schultern Einflußi in unserem Vaterlande zu verschaffen. Langsam, Schritt für Schritt erkämpften wir uns auf diesem Wege die volle Gleichberechtigung, aber diese kam erst -fünfzig Jahre nach jener ersten mißratenen Frühgeburt als reife Frucht zur Welt. Und auch jetzt noch wissen Kvir nicht, was für Kämpfe in der nächsten Zukunft unser harren . . . Doch eins können und wollen wir euch versprechen: wir wollen darüber wachen, daß nicht diesmal wieder einer aus unserer Mitte sich ungebeten zu eurem Vormund aufwerfe, icure Sache in die Hand nehme, ieuch goldene Berge verspreche, und euch schließlich verrate, zur Befriedigung seiner Eitelkeit, oder um den Preis von Millionen — wie das bereits zweimal vorgekommen ist. Aber auch in diesem Punkte dürft ihr euch nicht ausschließlich a,uf uns verlassen, sondern ihr müßt selber ein wachsames Auge haben, daß eure Angelegenheiten nur nicht in die weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Iiändel hineingez err t w erden, sondern stets in gemessenem Abstand von diesen hohen Regionen, ausschließlich zwischen euch 'und euren Mitbürgern und deren berufenen Vertretern ausgetragen werden. Und noch in einer Hinsicht vermögen wir euch nützlich zu sein, und darin werden wir unsere Pflicht getreulich erfüllen. Jenen pari a m e n - tarischen Parteien und deren Führe r n in unseren Ländern, die ihrer ganzen Richtung nach der Judenfrage wohlwollend gegenüberstehen, wollen wir, durch Aufklärung über die tatsächliche Lage in Rumänien, Einsicht in eure Bedürfnisse ermöglichen und sie anregen, eure gerechten Forderungen sachlich zu vertreten, ohne Gehässigkeit gegen euer unglückliches Land, ohne daß dadurch die gegenseitige Erbitterung unnötigerweise geschürt werde, was eure Lage nur verschlimmern kann. Die Hauptsache jedoch bleibt immerhin, daß Ihr selber alle Kräfte aufbietet, die politischen Parteien in eurem Lande sowie die regierenden Kreise zu bewegen, ron. sich aus eine derartige Lösung der Judenf rage raschestens herbeizuführen , die den Forderungen der Gerechtigkeit entspricht, von eurem Lande den Makel der Barbarei nimmt, und jede auswärtige Intervention überhaupt überflüssig macht. Nicht nur euch, sondern eurem Vaterlande würde dadurch der denkbar beste Dienst geleistet werden. Dieser Rat, das ist das einzige, womit wir euch helfen können. VOM BUECHERTISCH. Prof. Dr. M. Braun:?,Ein kurzer Gang durcll die Geschichte dfer jüdischen Literatur." Zweite, verbesserte Auflage. 191S. R. Löwit, Verlag, Wien und Berlin. Mit der gleichen Kunst der verkürzten und gedrängten Darstellung, die der Verfasser in seinem ,,Kurzen Gang durch die jüdische Geschichte" bewährt hat, bietet er uns in dem vorliegenden kleinen Bändchen ein meisterhaft durchgearbeitetes Vademecum der jüdischen Literaturgeschichte. Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß hier ein Forscher ersten Ranges es unternimmt, die Ergebnisse der Wissenschaft in gemeinfaßlieber Form dem Publikum aus erster Pland mitzuteilen. In schöngegliederter Uebersichtlichkeit breiten sich die beinahe unübersehbaren Schätze des jüdischen Schrifttums von den Uranfängen bis zur neuesten Zeit aus. Mit außerordentlicher i Geschicklichkeit versteht es der Verfasser, die Quintessenz der Hauptströmungen eines jeden Zeitraumes darzulegen und den Leser zum vertieften Studium anzureizen. Die sprödesten und nüch ternsten Stoffe erscheinen im Zusammenhang mit dem gesamten Geistesleben ihrer Zeit anziehend. Die neue hebräische Literatur, die eine großartige Lyrik und eine nicht minder bemerkenswerte Prosaepik entwickelt hat, ist wohl mit Vorbedacht unberücksichtigt geblieben, weil dieses Gebiet eine besondere Darstellung erheischt. Das gleiche gilt von der reichen Literatur in der jüdisch-deutschen Volkssprache, die allein schon als Quelle der Sitten- und Lebensgeschichte der breitesten jüdischen Volksmassen höchste Beachtung fordert. — Zu S. 84 wäre zu bemerken, daß nicht Herzl und Nordau es gewesen sind, die ,,die neue Bewegung Zionismus nannten": diese Bezeichnung ist Ende der achtziger Jahre im Kreise des Vereins „Zion" in Lemberg geprägt worden und hat von hier aus die Runde um die Welt gemacht.

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