Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1918)
- Article
- Zum Gedächtnis Eduard Glasers
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 171 - 172 (sequence 4)
- Language
- German
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- Oman 1× ep/1047563
- Tunis 1× ep/1048155
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171 Zum Gedächtnis Eduard Glasers. 172 Schultagen an hatte er um Existenz und um Fort* bildung kämpfen müssen: das hatte ihm seine Energie gegeben. Er hatte das Glück, schon als Schüler in ein vornehmes Haus zu kommen; diesem Umstand hatte er die gute Lebensart, »die guten Manieren« zu verdanken, die den Männern der Wissenschaft so leicht fehlen. Er hatte geogra* phische und astronomische Studien vollendet und hatte als wissenschaftlicher Astronom eine sichere Stellung ausgefüllt. (Nach seinem Tode ließ die Wiener Akademie durch erste Gelehrte »Ergebnisse aus Dr. E. Glasers meteorologischen Beobachtungen in Sana (el Jemen)« und »Eduard Glasers astro* nomische Beobachtungen im Jemen im Jahre 1883« veröffentlichen.) Er hatte die sichersten Unterlagen für die Kenntnis und das Sprechen des Arabischen durch langen Aufenthalt in Tunis und in Aegypten erworben, so daß er die Sprache und die südarabi* sehen Dialekte in der Vollendung beherrschte, schon ehe er den arabischen Boden betrat. Dem Buche über Märib ist als Beilage II eine Anleitung zur Kenntnis der rituellen Vorschriften für Reisen beigegeben, die beweist, welche Vorbereitungen für einen Europäer nötig sind, um das Leben eines mohammedanischen Schriftgelehrten vor der miß* trauischen Kritik der Eingeborenen durchzuführen. Die Bedeutung von Glasers, zum größten Teil auf eigene Kosten unter größten Opfern, die er selbst und seine Familie trugen, unternommenen Forschungsreisen liegt nicht eigentlich in der per? sönlichen Bereisung neuer, bisher von keinem Eu* ropäer betretenen Gebiete. Nur seine in »Peters* manns Mitteilungen Bd. 30« geschilderte Reise durch Archab und Häschid führt ihn auf völlig neue Wege. Auch war das Gebiet, das er mit eigenen Augen gesehen hat, verhältnismäßig begrenzt Aber als geschulter Geograph und Astronom reisend, innig vertraut mit Geschichte, Sitten und Gebräu* chen des Landes und mit hervorragenden lingu* istischen Fähigkeiten begabt, hat er wie kein anderer zuverlässige Ergebnisse gewährleistet — Hat er doch eingeborene Beduinen soweit abrichten können, daß sie in ihm ganz verschlossenen Gebieten In* Schriften für ihn abklatschten! Mit Stolz durfte Glaser als die Summe der Ergebnisse seiner sämt* liehen bis 1894 in Südarabien gemachten Reisen und Arbeiten feststellen, daß er 1800 Inschriften mitgebracht hat, darunter 100 katabanische, wodurch er das katabanische Altertum erst wieder aufdeckte; daß er detaillierte Karten, von Aden und Bab*el* Mandeb bis gegen Mekka und von den Küsten des Roten Meeres bis nach el Bahrein Oman und Hadramaut reichend, entworfen hat; daß er eine fast einjährige Beobachtungsreihe sämtlicher mete* oroiogischen Elemente (siehe oben) und eine Fest* Stellung mancher südarabischen Dialekte in seinen hinterlassenen Papieren zurückgelassen hat hat, daß er Gesetze und Gebräuche des arabischen Stammes beleuchtet hat, daß er zuerst das höhere Alter des minäischen Reiches gegenüber dem saoäischen fest* stellte. Eine »Skizze der Geographie un d Geschichte Arabiens«, von der nur der 2. Band erschienen ist, »Die Abessinier in Arabien und Afrika auf Grund neu entdekter Inschriften«, »Bemerkungen zur Ge* schichte Alt?Abessiniens und zu einer sabäischen Vertragsinschrift«, »Zwei Inschriften über den Dammbruch von Märib«, »Woher kommt das Wort Kirche?« »Ein Band der altjemenischen Nach* richten«, »Punt und die südarabischen Reiche«, »Eine Skizze der Geschichte Arabiens« und weitere zahlreiche kleinere Auf ätze bewahren Glasers wissenschaftlichen Ruhm für alle Zeiten. Leider sind von seinen Karten nur wenige kleinere ver* öffentlicht, aber die Vorarbeiten dafür hat er hinter* lassen, und wir werden seinen Namen hoffentlich bald auf der einzigen bis jetzt verbreiteten großen Karte Südarabiens noch lesen. Glasers Grab auf dem südlichen israelitischen Friedhofe in München trägt nach des Münchener Orientalisten Fritz Hommel Entwurf eine Inschrift in sabäischer Sprache und sabäischen Schriftzeichen nach dem Muster altsabäischer, größtenteils von Glaser selbst kopierter Grabinschriften abgefaßt. Sie lautet in wörtlicher UeberSetzung: »Seele und Grab des Hussein ben Abdallah, des Forschungs* reisenden aus Prag. Es möge ihm schenken der Herr des Himmels Wohlgefallen seines Herzens und Glück seiner Rechten«. Am 7. Mai, als dem 10 jährigen Todestage Glasers, versammelten sich an diesem Grabe einige Münchener Freunde des Gelehr* ten und Geh. Hofrat Fritz Hommel sprach Worte der Anerkennung und des Gedächtnißes für Ed. Glaser.