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Ost und West · 1918-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1918) · p. Seite 165 - 166

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Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1918)
Article
Zum Gedächtnis Eduard Glasers
Date
1918-05-01
Page
Seite 165 - 166 (sequence 1)
Language
German
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165 Zum Gedächtnis Eduard Glasers. 166 ZUM OEDAECHTNIS EDUARD GLASERS. Von Dr. Max Maas, München. Am 7. Mai sind 10 Jahre verflossen, daß der ausgezeichnete Arabist und Forschungsreisende Eduard Glaser in seinem 54. Lebensjahre seiner für die Wissenschaft so ergebnisreichen Tätigkeit durch den Tod entrissen worden ist. Das gewaltige von ihm gesammelte, noch unedierte Wissenschaft* liehe Material, das er selbst nicht mehr veröffent* liehen konnte, »ein überreiches Erbe«, wie es ein bedeutender Orientalist nennt, ist bald nach seinem Tode von der Wiener Akademie der Wissenschaft erworben worden. Aber veröffentlicht ist daraus, abgesehen von der »Reise nach Märib«*) noch so gut wie nichts, so daß die Würdigungsgrundlagen für den hochverdienten, bahnbrechenden Gelehrten eigentlich auf der gleichen Stufe stehengeblieben sind wie zur Zeit seines Todes. Ja, auch von den Gefahren und den Resultaten dieser einzigartigen Reis se nach Märib hat man schon durch einen auszugs* weise von ihm selb *t veröffentlichten Bericht gewußt. Und daß eine neue Periode der Erforschung Süd* arabiens mit Eduard Glaser begonnen hatte, war auch schon viele Jahre vor seinem Tode festgestellt. Der Berliner Orientalist Otto Weber, der Vorstand der orientalischen Abteilung am Berliner Museum, hatte schon 1901 in seiner Schrift »Arabien vor dem Islam« Eduard Glasers Tätigkeit mit den Worten charakterisiert: »Alles bis dahin Erreichte wurde übertroffen durch die von unerhörten Erfolgen gekrönten Reisen des österreichischen Forschers Eduard Glaser.« Der gleiche Berliner Gelehrte hat das Epochemachende der Reisen Eduard Glasers durch die Titel weiterer Schriften schon betont. 1907 veröffentlichte er in der Samm* lung »Der alte Orient« die Schrift »Forschungsreisen in Südarabien bis zum Auftreten Eduard Glasers«, der 1909 an gleicher Stelle »Eduard Glasers For* schungsreisen in Südarabien« folgten; und der treffliche Münchener Orientalist Fritz Hommel schrieb 1904 in seinem »Grundriß der Geographie und Geschichte des alten Orients«: »Ueberhaupt ist mit Glasers Namen ein neuer Aufschwung der minäofsabäischen (nach den spätesten Inschriften auch sogenannten himjaritischen) Inschriftenkunde verbunden. Auf seine Initative gehen schließlich alle späteren Untersuchungen zurück.« War demgemäß die große Bedeutung Eduard Glasers bei seinen Lebzeiten anerkannt und weit verbreitet, so hat es ihm leider an denjenigen Ehren gefehlt, welche sonst den wissenschaftlichen Ruhm zu begleiten pflegen, und dieser Ausfall war ein Sch'cksal für den von stolzem Gefühl erfüllten Gelehrten. Durch diesen Mangel an äußerer Ans erkennung ist er zum erbittertsten Polemiker ge* worden, einem, der bis kurz vor seinem Tode seinen Gegnern nicht verzeihen konnte und der sich oft in der Einbildung Gegner züchtete, die wahrscheins lieh erst durch seine Angriffe zu Gegnern geworden sind. Der Ehrendoktor der Universität Greifswalde war die einzige bedeutende wissenschaftliche Ehre, *) Sammlung Eduard Glaser I. Eduard Glasers Reise nach Märib. Herausgeg. von D. H v. Müller und N Rhodokanakis. Mit4kartographischen und topographischen Beilasen und 3 Skizzen der Dammbauten bei Märib. Aus dem Landaufond der kaiserlichen Akademie der Wissens schaften. -Wien.. 1913. IV und 215 Quartdoppelspalten. die ihm übertragen wurde. Keine Universität hat ihn berufen, keine Akademie ihn zu ihrem Mitglied erwählt, obwohl er, der Forschungsreisender und Forscher war, diese Ehren verdient hätte wie kein zweiter: nicht allein wegen seiner niemals bestritte* nen wissenschaftlichen Verdienste, sondern auch wegen seines hervorragenden Charakters. Glaser war der charaktervollste, gütigste und aufopferungs* fähigste Mensch. Wieviel an diesem negativen Verhalten der großen gelehrten Körperschaften seine Eigenschaft als Jude beigetragen hat, wollen wir nicht feststellen. Seine wirklichen oder eingebildeten Hauptgegner waren selbst Juden: Derenbourg in Paris und David Heinrich Müller in Wien. Mit beiden hat er sich in den Jahren vor seinem Tode ausgesöhnt und die maßlose Polemik, die er nament* lieh gegen diese beiden Gelehrten geführt hat, aus seinem wissenschaftlichen Leben gestrichen. Also: Eduard Glaser bedeutet eine Epoche in der Erforschung Südarabiens und im Studium der südarabischen Sprachen und Dialekte. Mit ihm sind einstweilen die weiteren Hoffnungen für die Zukunft der Erschließung Südarabiens und der Förderung der südarabischen Epigraphik abge* brochen. Nicht allein, daß die kühnen Forscher fehlen, die täglich und stündlich ihr Leben aufs Spiel setzen, die die ungeheuersten Entbehrungen auf sich nehmen, die über eine geradezu unglaubliche Selbstzucht und Selbstbeobachtungsgabe verfügen, um da, wo sie überhaupt nur in Verkleidungen reisen können, fortzukommen, damit der Wissens? schaft in diesem geheimnisvollen Lande Boden abgewonnen werden kann: so ist auch mit Glaser derjenige Europäer dahingegangen, der das volle Vertrauen aller derjenigen Orientalen besaß, die mit ihm zu tun hatten, und der in seiner Vers gangenheit in den vier Reisen in Südarabien die volle Legitimation für die Lauterkeit seiner nur auf die Wissenschaft gerichteten Absichten mit sich gebracht hatte. Nur bei Eduard Glaser hatte die türkische Regierung alle Vorbedingungen gefunden, die sie verlangte, um einen Europäer in dieses schwierige Land eindringen zu lassen. Gewiß; bei den heu* tigen politischen Verhältnissen, wo die Engländer die dort an und für sich nicht stark befestigte türkische Regierung noch mehr ins Wanken gebracht habn, könnte man sich denken, daß ein englischer Reisender unter dem Schutze zahlreicher englischer Bajonette eine Forschungsreise ins Innere Süd* arabiens unternehmen könnte. Aber was würde dabei für die Wissenschaft herauskommen? Eduard Glasers Persönlichkeit wog Hunderte von Soldaten auf. Und in diesem großen Kriege haben wir noch einen besonderen Grund, sein frühes Hinscheiden zu beklagen 1 Welchen Nutzen hätte der Mann, auf den man in Konstantinopel als den erpropten Freund der Türkei hörte wie auf keinen andern Nichtmohammedaner, den in Südarabien mit groß* ten Schwierigkeiten kämpfenden Türken bringen können bei seiner engen Fühlung mit den Eingebore* nen des Landes? Was hätte er Deutschlandund Oester* reich, seinen Heimatländern, in Konstantinopel für Dienste leisten können, wo man das dem Orientalen angeborene Mißtrauen gegen den Occident, selbs gegenüber dem Verbündeten, nicht los werden kann.

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