Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1918)
- Article
- Sein oder Nichtsein?
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 139 - 140 (sequence 1)
- Language
- German
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139 Sein oder Nichtsein? 140 SEIN ODER NICHTSEIN? in. VON DEN URSACHEN DES DEUTSCHENHASSES UND DEM JUEDISCHEN GEIST." .ZERSETZENDEN Wenn Max Sehe ler spricht, muß man aufhorchen. Zu neun Zehnteln von dem, was er vorbringt, wird man Nein sagen, aber das letzte Zehntel wird man sich fest ins Gedächtnis prägen, und auch das andere wird man sehr beherzigen. Scheler gehört unzweifelhaft zu den scharfsinnigsten und tiefschürfenden Denkern der jüngeren Generation in Deutschland, verfügt über ein erstaunlich vielseitiges theoretisches Wissen und vor allem, er ^„^^............„ ... ____ t4$fi ist eine vollendete Persönlichkeit, geht seine eigenen Wege, und steht den ., öffentlichen •Meinungen"' vollkommen unabhängig gegenüber. Gewiß, er bereitet das philosophische Rüstzeug vor, mit dem die von vielen erwartete und erhoffte Reaktion nach dem Kriege ihre Kämpfe führen wird, manchmal beschleicht einen die Ahnung, Scheler würde sich zu einem Joseph de Maistre entwickeln. Jedenfalls würde das ein durch hohe Kultur und starkes Humanitäts- und Gerechtigkeitsgefühl bedeutend gemilderter Joseph de Maistre sein. In seinem neuerdings erschienenen Buche ..Die Ursachen des Deutschenhasses; eine nationalpädagogischc Erörterung'' (Leipzig, Kurt Wolf f. Verlag), zeigen sich alle seine Vorzüge und Einseitigkeiten in vollem Lichte. Wir Juden müssen uns mit diesem Buche auseinandersetzen, weil darin der „jüdische Geist''' als eine der Ursachen des Deutschenhasses hingestellt wird, und das macht es notwendig, auf die Gcsamtanschauung des Verfassers einzugehen. Scheler bezeichnet diesen Krieg als das ..erste Gesamterlebnis der ganzen Menschheit'", als das erste wahrhaft ..weltgeschichtliche" Ereignis, in das alle Völker der AVeit verstrickt sind. Und „das erste Hessin terlrbni«= der Menschheit war META COHN HENDEL Sonne aus Regenwolken COelgemäldc) anderen sind Gerechten/' einem hohen er hat die das Erlebnis des Gesamthasses"! Die Fäden ck\s ungeheuren, geradezu märchenhaften Verkehrnetzes, welches über die ganze Erde gesponnen, ist, dienen nicht, wie die naturalistisch philosophischen Anschauungen verkündet hatten, Lieb« und Verständigung zu verbreiten, sondern um „mit dem Gift des Hasses in tausendfachen Strahlen jedes bewohnte Plätzchen der Erd< durchtränken zu lassen". „Und dieser Haß/' konstatiert Scheler. ., richtet sich mii verschwindenden Ausnahmen an erster Stelle gegen das de u t sc h e Volk." Dieser unbegreiflichen Erscheinung widmet Scheler tiefsinnige psychologischphiljo s o ph ische Betrachtun gen. und mahni schließlich zur Selbstbesinnung. Er weist alle wohl feilen Begründungen;ab und ist \veit entfernt von jenem Chauvinismus, der sich selbstzufrieden in die Brust wirfi und ausruft: „Die wir aber sind dü Seine Ausführungen sind von sittlichen Ernst getragen und Tapferkeit, seinen Mitbürgern auch Meinungen zu sagen, die bitter schmecken. Besonders unsympathisch sind ihm die Alldeutschen und ihr Treiben, obwohl er es vorzieht, diesen mächtigen Faktor in der Verbreitung des Deutschenhasses über die Welt nur nebenbei oberflächlich zu berühren. Und bei dieser Betrachtung des Hasses und seiner Ursachen begeht der Verfasser den ersten Fehler, den Hai.) als Gesamterscheinung" zu nehmen. In Wirklich keit ist er eine sehr komplizierte seelische Erscheinung, die sich aus den verschiedensten, oft widerstreitenden Elementen zusammensetzt. Alf ursprünglichstes und einfachstes ist der Haß' eine Antwort auf die Gefährdung des Lebens durch BERLIN die Bösen,