Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1918)
- Article
- Friedrich Adler
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 81 - 82 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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81 Friedrich Adler. 82 und Familienstücke den Beweis eines hoch ent* wickelten Kunstgewerbesinns erbracht; aber man darf aussprechen, daß dieser Sinn später nicht fort* entwickelt, nicht dem Fühlen neuer Generationen angepaßt wurde. Der Inhalt wird ewiglich derselbe bleiben — aber wir wollen darüber nicht die Schale vergessen. Sie darf und soll erweisen, daß der jüdische Künstler mit Liebe und Andacht nach neuen, verherrlichenden Formen strebt. In den Kultgeräten, von denen einige hier im Bilde fest* gehalten sind, gibt Friedrich Adler Vollendetes. Diese wundervoll geschwungene Sederschüssel, reich an gedanklicher Ornamentik, Prunkstück aber nicht Protzenstück, läßt sich gut auf einem patriarcha* lischen Familientisch denken. Der silberne Leuchter setzt die Linie glücklich fort. Man möchte den Wunsch aussprechen, daß diese Geräte, nicht weniger wie das Habdalah*Gerät, von bewunderten Schaustücken zu Zweckstücken werden möchten. Denn in ihnen allen ist ein Feierliches, Festliches, das edle Material, die edlen Formen sind Ausdruck uralter, heiliger Feiertagsmelodien. Nur mitschwin? gendes, weil eingeborenes Gefühl, vermag die Thorakrone zu schaffen, die sich in Adlers großem Werk findet; ihre Reproduktion verbietet sich aus technischen Gründen. Schwarzweißmechanik ver* mag nicht den Zauber dieser mit Amethysten be* setzten Silberkrone anschaulich zu machen. Auch das mit leuchtenden Amethysten gehobene Thora? Schild ist Zeugnis feinsten Vollbringens. Und man müßte, um ein Gegenstück zu dieser Neu* gestaltung von Kultgeräten zu finden, zu ihrer sinnfälligen Hebung, auf das Werk der be* rühmten Kirchenkünstler zurückgehen. In der Hingabe zum »Handwerk« aber, in dieser von keiner Stundenzähhmg gehemmten Liebe zum Detail, vergleiche ich mir diesen Friedrich Adler mit den alten Nürnberger Meistern. Sie lebten in einer Zeit, die noch Zeit katte, Zeit für das Kunst? gewerbe zu haben. Das Amerika der Konfektion wurde viel, viel später entdeckt. Und so konnte es geschehen, daß Jahrhunderte und Königreiche vergingen, eine kleine Nürnberger Uhr aber ge* blieben ist. Allen Künstlern unserer Zeit, die, fern I FRIEDRICH ADLER Keramischer Vorhof der Synagoge auf der Deutschen Werkbund*Ausstellung, Cöln Hamburg