Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1918)
- Article
- Weisheit der Rabbinen
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 39 - 40 (sequence 3)
- Language
- German
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39 Weisheit der Rabbinen. W Des Armen Klage. Ein Amicr hat sich bei Gott beschwert. Daß er das Nötigste entbehrt. Indes dem Nachbar für sein Leben Sei alles in r«. ichstem Maße gegeben. Der Nachbar, der die Klage hört. Hat ihm darob vom Seinen besehen. Auf daß er nicht fürder Mangel leide, Und ob des Seinen ihn beneide. Drauf spricht zu ihm der Herr der Welt: Du hast den Frieden hergestellt Wohl zwischen mir und j-mem Armen. Er glaubt jeizt wieder an mein Erbarmen. »Tale. Jesaia C>C»a. * Eine Grabrede. Rah Aschi*- scherzend Ben Kopek**) fragt: ..Was, freund, wird mir denn einst nachgesagt. Wenn du an meines Grabes Stufen Mir wirst ein Wort in- Grab nachrufen :'*' .A\Vnn Flammen die Spitzen der Gedern umwi-Ifn. Wie wird's erst dem niedem Ysop ergeh'n. Wird Lcvjathan mit Angeln gefangen. Wie mag da den kleinen Fischlein erst bangen. Wenn Netze in Ström-n und Meeren verkehren. Wie kannten die Wa?ser der Bächlein sich wehren':" Moed Kaum 25b.) V * Sinnspruch Rabbi Jochanans*). Wir alle hier sind Gottes Kinder. Ich bins und du. und er nicht minder. Ob ich hier wirke still im Haus. Ob du ziehst in die Welt hinaus, Ob andre laufen im Gewühle Nach einem und demselben Ziele, l'nd ob der Geist grob oder klein: — Nur muß die Absicht lauter sein, Denn soll sich Werk und Streben lohnen. So muß dir G<«*t im Herzen wohnen. »Berachot ITa.j Der Kern des Judentums. Zu Rabbi Sammai. dem großen Talmudlehrer. .Sprach ein>t ein Heide: ..Werde mein Bek*hr«r. l'nd lehr* deinen Glauben s» rasch mich verstehn, Als ich auf einem Bein kann stehn.** .AYrlaß,"* sprach Sammai. „unge-äumt nv in Haus l'nd such dir dazu einen anderen aus" I>rauf i-t d< r Heide mit <>«-uvm Verlangen Zum großen Meister Hilkl gegangen. 1 nd >prach: ..Man nennt dich dnrh den Wei>m. l'nd hört d«ine Lehre weithin preisen. So lehre sie mich so ra-ch verstehn. Als ich auf einem Bein kann stehn.'* Der greise Meister zum Heiden spricht: „Mein Freund, das i-t so schwierig nicht. Acht nur. daß niemand von dir sieht, *) Ein "Reit r.rA T-reit al« großer Talmuüehr* r Kreimer Meister. Fm b»-k »v.n:* r Le.cli' nr> dn< r. der d» n Wr>t«»rh<-tv-n g«rn IV-tfn.'«chs igte. * Rabbi lo< tanan. »-irv-r <i*-r b kanrtv n giobf-n Talr:r.:d!*-Iir.T. t fl'-^t" d *»-en Spruch bn l!f •-Kligun^ d< r Re«-;».itori d - Iiu< bt> J->1. m spr< chen, Was du nicht willst, daß dir"s geschieht, Daß keinem also von dir geschehe, \Vas dir von seiner Hand tat wehe. Dies ist der Kernpunkt unsrer Lehre, Knischeide selbst, ob dichs bekehre; I nd. wirst du diesen Spruch beachten, So muß ich dich als Bruder betrachten/* (Sabbat 31a.) * * * Wer will Leben kaufen? Kin fr«»mmer Eifrer, der den Psalter kannte. Laut schreiend einst durch alle Straßen rannte, Fortwährend rufend: ..Wer will Leben kaufen? Er komme eilends her zu mir gelaufen I" Ein Rabbi, der sein Schreien hörte, Von ihm sein Mittel nun begehrte. ..Dir freilich kann mein Trank nicht frommen. Du hast ihn schon vorweggenommen!** Den andern, die ihn jetzt befragen, Hort man ihn diese Antwort sagen: Ist es euch ernst, was ihr begehrt. So hört, was König David lehrt: Wer leben will, hüt sich vor Lug, l'nd seine Lippen vor Betrug. Das wird für Leib und Seele frommen. l'nd er wird hoch zu Jahren kommen. LXboda sara 19b.) Das Stöhnen des Eisens. ..Weshalb", das Gold das Eisen fragt, ..Hör' ich dich immer stöhnen, Wenn dich des Schmiede» Hammer trifft Mit seinen mächt'gen Tönen? Ich leide doch nicht minder schwer, Mich trifft der gleiche Hammer, Doch stoß ich nie. wie du, hervor Solch klägliches Gejammer.** ..Dein Leid, wie käm's dem meinen gleich! Wie gern würd* ich das tragen. Dich schlägt der Feind, doch ich. ich werd* Von Bruderhand geschlagen/* i Gitin (iS.) * * Das große Warum? Warum es dem Guten so schlecht oft ergeht. Warum oft gut dem Schlechten r — Du sii-h^t im Kreise dich um und um. Möchtet mit dem Herrgott rechten. I'rag-t dich und mich, warum, warum? I nd \Wlt und Menschen bleiben stumm. D«in Grubrln. Freund, wird dir nicht nützen, Du wir-t den Selilü-sel nie besitzen — Den hat. zu deinem Nutz und Frommen. Der Herrgott selbst an sich genommm. Fnd erst wenn d< r irdsche Vorhang fällt. Wird dieses Rätsel dir erhellt. 'Abot 4,13. Wie es im Himmel aussieht. So lang ein rCindbin n'»ch der Sprache bar. Weib v< g» nau, wie es im Himmel war. Doch hat die Spraehf -i< h er-t eingefunden. So i-t*s auch au-> d.ni Gedächtnis entschwunden. (Nidda 30.)