Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar-Februar 1918) · p. Seite 13 - 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
18 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar-Februar 1918)
Article
Sein oder Nichtsein?
Date
1918-01-01
Page
Seite 13 - 14 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2583875-2584078-2584079-2606176--16889-2606220
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

13 Sein oder Nichtsein? 14 «liest: alten, stolzen Familien, die zum Teil seit sieben Jahrhunderten in der Moldaustadt siedeln, in j«-dem »lieser sieben Jahrhunderte mehrere Mal«- ausgetrieben und ausgerottet wurden. Die ganze Geschichte der Juden in Prag, sowie in ganz Böhmen und Mähren ist eine einzige Kette von Austreibungen, von harten, oft blutigen Verfolgungen- Bis tief in das l*t. Jahrhundert hinein verwehrte ihnen das Gesetz, sieh über eine bestimmte Zahl hinaus zu vermehren, als waren sie bösartige, giftige Tiere, nur 'in männlicher Nachkomme jeder Familie durfte sieh verheiraten. Die unerbittliehsten und unversöhnlichsten Formen des österreichischen Antisemitismus haben ihre IlaupWjuclle in Böhmen. Jetzt befinden sieh die Juden in diesem Fluide und in Mähren zwischen zwei Mühl >t einen. d«-nn ihr zähes Festhalten am Deutschtum hat ihnen den Hat» des gesamten Tscheehentums zugezogen. AVenn Richard Bahr sagt, die Präger Juden wissen für ihr Deutschtum nicht gering«* Opfer zu bringen, so ist das etwas zu milde ausgedrückt. Hören wir einen anderen Zeugen. Sigmund Mayer, einer der hosten Kenner ö.-terreiehischer Yerliältnisse. sehreibt in seinem sieben erschienenen Buche ..Wiener Juden-. Seite .*>07: ..Doch hier tritt noch die merkwürdige Tatsache hinzu, daß die Juden in den Sudetenlandern seit mehr als einem halben Jahrhundert vom ersten Momente des politischen Kanij'i'es zwischen Deutschen und Tschechen die treuesten. festesten und opferfähigsten Genossen d« r Deutsehen gebildet haben. Auch der kleinste Jude in dem letzten Dorfe war immer ein Kämpfer für den deutschen Kandidaten, trotzdem oft genug seine ganze Existenz, welche von der tschechischen Umgebung abhängig, aufs Spiel setzt*». In Mähren allein sind sieben Wahlbezirk^ nur durch die jüdischen Wähler, welche dort dn< Zünglein an der Wage bildeten, für die Deutschen und dadurch die deut-che Majorität im Landtag«' erhalten worden. Die oberste I"a rt ei 1 ei t u n g d er Ts ch » ch e n ha tt e den Juden für die blotfe Wahlen tha Itun^ in di e>en W a Ii 1 hez i r k n die l 111 e r d rück u u — jedes Antisemit i s in u .- u ii t e r d e n T s c h e < h e n a n - gebot e n; aber die jüdischen Wähler hielten an ihrem deutschen Bewußtsein fest, stimmten geschlossen und entschieden für den deutschen Kandidaten: die überaus große Mehrzahl der Juden teilt noch heute unerschütterlich diese Gesinnung, doch ist es das Bewußtsein des geernteten Undankes, welches ihnen und allen Juden gerade diesen IVovinzial-Antiseniitismus besonders peinlich macht/' Und in der ..Frankfurter Zeitung" vom 22. Dezeinljer 1917 lasen wir: ..Das Deut seht um in Prag und einigen anderen böhmischen und mährischen .Städten besteht zum allergrößten Teil aus Juden: an diesen viel mehr als an den alldeutschen Studenten, die mit bunten Farben auf dem Präger Grab-n zur Erbitterung der Tschechen den berühmten Hummel abhalten, hängt das Da .-ein der deutschen Sprache in der Hauptstadt Böhmens. Bei den tschechischen Chauvinisten herrscht großer Grimm darüber, dal.'» in Prag sich immer noch eine deutsche lu-el erhalten kann. Als die Armee d.-s «ir« »ßfürsten Nikolai dicht bei Krakau stand und mit dem Verlust dieser Stadt gerechnet werden mußte, glaubten die tschechischen Fanatiker, daß auch das Schicksal Pr:igs schon besiegelt .-ei: einige von ihnen ginsren mit dem Plan um. bei dem erhofften Einzug der Bussen einen Judenpogrom zu veranstalten, um gleichzeitig die Juden \v.-»gen ihrer deutschen Besinnung zu bestrafen und die Befreier in einer kongenialen Weise zu feiern.** Bichard Bahr aber find et, es gebe viel zu viel Juden in Deutsch-Oesterreich und ihre treudeutsche Gesinnung sei zw.-ifelliaft. weil sie nicht, wie Bernstein behauptet. mit den ..nationalistischen Wölfen** heulen. Es bewahrt sich au«*h hier die alle Beg.d: ..so oder s«».der Jude wird verbrannt.*' Nun täte der Jude vielleicht am besten, sieh zu sagen: wenn ich schon verbrannt werden soll, will ich mich lieber für ein«* gute als für eine schlechte Sache verbrennen lassen. Gäbe es eine bessere Sache, für die es sich lohnt, sich verbrennen zu lassen, als die jüdische Idee der Völker-erechtiirkeit! Es ist nämlich zu weit hergeholt, wenn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.