Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 18 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar-Februar 1918)
- Article
- Sein oder Nichtsein?
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 3 - 4 (sequence 2)
- Language
- German
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3 Sein oder Nichtsein? 4 All dies verdichtet sich zu der beunruhigenden Frage: Sein oder Nichtsein.' Nicht alle, die das ..Judenproblem** in der letzten Zeil behandelt, haben diese Frage so schroff und klar gestellt. Aber sie ist das bewegende Motiv auch z. 1». der Schrift von Ed ua rd Be rn s t ein ..Von den Aufgaben <k-r .luden im Weltkrieg~ (Erich Reiß Verlag. Berlin li»l7). die nur einen Teil des Problems belutndelt. Diese Schrift erheischt in »ts?vt Reihe ein»- eingehende Erörterung, nicht allein wegen der bedeutenden Persönlichkeit d' s Verfassers, sondern vor allein wegen der großen Fülle der Ideen, die sie auf kleinem Raum bietet und der Kühnheit, mit der liier einige der meistuin'strit teiien Fragen unserer Zeit erfaßt und beantwortet werden. Sowohl die Höbe des Standpunktes wie d«*r Reichtum au originellen Gedanke», macht die Schrift zu einer der wertvollsten. die der Krieg hervorgebracht hat. Sehen der im Titel der Schrift ausgedrückte Codanke. dal'» d»-n .luden als solchen eine besonder»* Aufgabe obliegt, ist merkwürdig. Seitdem, di- Juden am Anfange des 11*. .lahrhuiid'-rt» üU*r ihre schichte und ihr \V«-s-n nach moderner Methode nachzudenken anfingen, sprach man immer von <-iner Mission des .ludentums. Seit etwa dreii.ii;: Jahren ist dieses Wort in Verruf gekomm«-n und zum (iespött jedes ..gebild»-tvn~ Sjie^-rrgeworden. Ks o eh nach Theol:»-i.-. Eine ..Mission*4 wäre ja gewis-ermaßen ein Auftrag, und ein her setzt einen Auftraggeber voraus. ..Mission** gründet sich al.-o auf <l»-m *'lauben an eine providenti^He Leistung der ■■eschichte. und das widersprach den hot«-n fler ..Auiklärung*\ in «h-r wir ja alle Mtrncten. I'nd nun kommt Eduard IJeriistein. den man d«»cb wahrlich keiner 1Iv|«t- «.rth<Ml<>xie |>es<-huIdiir^-n kann, und lehrt, die Juden hab«-n »-ine besondere Aufgabe diesem Krieg«* zu erfüllen: *la mul» denn ■loch diese Aufgabe mit ihrer ganzen Stellung in der <»e.~ehieh*e zusamm**uliängen. sie h;d>* n ai-«» doch ein». Mis-dm. I'reilii-Ji braucht niclit jed.-s V»»lk in der Welr eine Mission zu hainn. ebensowenig wie jeder Einzelmensch einer besonderen Aulgsdie. »-iner be«f»n«ifp-ii biee zu b*ben oder ein besonderes Talent zu halben braucht. Alter ebenso, wie jeder hervorragende Mensch sich durch eine besondere Eigenart auszeichnet und seine Kraft auf irgendeinem Gebiet betätigt, sein Leben erst dann als wertvoll und inhaltreich 1m*- trachtet. wenn es ihm gelungen ist. «-in Werk irgendwelcher Art zu schaffen, web-hes das Gepräge seines Geistes trägt, so ist auch noch kein bedeutenderes Volk über die Erde gegangen, das nicht durch sein Leben und seine Taten irgendeinen bedanken, eine Idee, eine Lehre verkündet und vei wirklicht hat. die dann zum Gemeingut der Kulturmenschheit geworden ist. Das ist seine Mission in der Völkerweh. die Rechtfertigung und Verklärung seines Daseins. Es gibt Einzelmenschen. die nur eine Stund«*, eine Gegenwart, aber weder Vergangenheit noch Zukunft haben: sie begnügen sich mit ihrem bürgerlichen Uenif. der von amtswegen genehmigt und von der Steu'-rbehörde registriert ist. und darüljer hinaus tragen sie kein Verlangen. Sie werden in Ehren grau als ..nützliche Mitglieder <]er Gesellschaft"', und wenn sie vnin Sehauj»latz abtreten. betrüben sie keinen Mitbürger, ebensowenig" wie sie durch ihr Lei »«Ii jemanden sonderlich beglückten. S<» gibt e> auch gesohicbtsloso Völker, die in den!«lauen Tag hineinleben, sich in die Händel «lieser Welt nur mischen, insofern es gilt, sieh das Futter zum Fristen des Alltagsdaseins zu holen. Doch ist das nun einmal nn-ht allen gegeben: es gibt manche, die an den Dingen «lieser Welt noch ein höheres Interesse nehmen und den Menschen etwas zu verkünden haben:, sie können es nicht anders, und sie nennen sich darum die auserwäblteii Völker, eine Bezeichnung, in der freiJj.-h viel Hochmut, aber auch viel Demut li«-gei. kann. Es kommt nur darauf an. wozu man sieh für auserwählt hält, was man als seine Mission auf Erden ansieht. Eduard iVrnstein geht nun die versebiedem n Auffassuugen von der Mission der Juden dun-h. Es gab eine Zeit, wo viele .luden die Meinung hegten, es sei der Beruf ihres Volkes, den Nationen der AVeit die Pflege des reinen Gottesglaubens zu vermitteln. Freilieh war ihnen eine religiöse Propaganda, wie. Christen und Moham-