Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
- Article
- Die Entstehung des ethischen und religiösen Universalismus
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 561 - 562 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2583875-2584069-2584077-2606103--16861-2606149- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
561 Neuzeitliche Menorah- Formen. 562 sittliche Belehrung ausschließlich an Israel. Für die Propheten jedoch ist Israel „das Licht der Völker". Ihr Interesse gilt nicht nur der Erziehung ihres eigenen Volkes, sondern der Entwicklung der Menschheit. Das ist der Grund dafür, daß sie nicht nur wie Mose, den Heiden gegenüber, sondern auch von den Heiden Gerechtigkeit und Liebe fordern. Aus der gleichen sittlichen Anlage der Menschen, ihrer seelischen Verwandtschaft ergeben sich ihnen für alle dieselben sittlichen Pflichten. So 'knüpft zwar ihr ethischer Univcrsalismus an die Anschauung des Mose an, aber er bedeutet ihr gegenüber einen grundsätzlichen Fortschritt, weil er nicht nur das gleiche Recht, sondern auch dieselbe Pflicht der Menschen lehrt, sich an die menschliche Gesamtheit wendet und für alle Völker ein Ideal schafft. Die Religion Israels zeigt so eine aufsteigende Entwicklung. Wenn es jedoch zutrifft, daß die Genialität der Propheten nicht eine schöpferische Kraft des Denkens, sondern eine Genialität des Fühlens ist, dann erweist sich Schleiermachers Auffassung der Religion als wahr. Ihre Lehren sind Zum Artikel »Neuzeitliche Menorah * Formen« (Abbildung 1) dann, soviel Wahrheit sie auch enthalten, nicht verstandesmäßiger Art, sondern nur Einkleidung und wandelbarer Ausdruck für unser reinstes Fühlen. NEUZEITLICHE Ml Von Professor Dr. Ing. A 1 f r Zu den wenigen Kunstgegenständen, die uns aus älterer Zeit als Zeichen des dem Judentume innewohnenden Kunsttriebes überkommen sind, ge* hört die Menorah für das Chanukkafest. Die Forschungen des rührigen Direktors Frauberger vom Kunstgewerbemuseum in Düsseldorf, dessen bahnbrechende Arbeiten auf diesem so lange ver* kannten und unbekannten Gebiete in den Mit* Zum Artikel »Neuzeitliche Menorah Formen» (Abbildung 2) :NORAH - FORMEN. d Grotte (B. D. A.), Posen. teilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler niedergelegt sind, haben eine er* staunliche Fülle gerade über die Kunstformen der „Menorah" zutage gefördert Die älteren Beispiele zeigen durchweg die Vorrichtungen zur Aufnahme von Dochten, die den Brennstoff aus Oelbehältern saugen. Erst neuere Ausführungen — soweit sie überhaupt wegen des abnehmenden Interesses an diesem Leuchter mit seiner reichen geschichtlichen Ueberlieferung in Frage kommen — haben zur Beleuchtung Kerzen gewählt und demgemäße Ein* richtungen erhalten. Während die Menorah — in entsprechend großen Abmessungen hergestellt — zur rituell notwendigen Einrichtung jeder Synagoge gehört und hier in den verschiedenartigsten Formen zu finden ist, zumeist in Anlehnung an die rituell gänzlich unabhängige Gestaltung des alten Leuchters in Jerusalem, sind die Menorah's des bürgerlichen Hauses formal höchst verschiedenartig und zeigen ein mitunter naives, aber immer erkennbares Streben nach künstlerischer Form. Zumeist sind es in Messing erstellte Wandgehänge mit breitem Rück* schild, dessen Feld reiche Ornamentik, vielfach auch menschlich*figurale, enthält. Hier ist denn auch manchmal der Jerusalemer Leuchter dargestellt. Wo diese Wandleuchter aus Silber getrieben sind, ist ihre Formengestaltung bei einzelnen, erlesenen