Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 17 (1917)
- Issue
- Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
- Article
- Vom jüdischen Rassentum in der Musik
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 555 - 556 (sequence 3)
- Language
- German
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555 Die Entstehung des ethischen und religiösen Universalismus. 556 Es erübrigt nun noch, einen Blick auf die neueste Zeit zu werfen, um zu erkunden, ob auch in unseren Tagen noch Anzeichen für die Verschiedenheit musikalischer Darstellung bei den schaffenden Größen verschiedener Rassenabkunft bestehen. Nehmen wir einmal Richard Strauß und Gustav Mahler. Der Unterschied in der Kompositionstechnik ist augenfällig; hier: der straffe oder doch markante Rhythmus, das Betonen der — wenn auch breit angelegten — Form und das Hervorkehren eingängiger Melodie, wie es dem Juden eignet, dort: die Unterordnung all dieser Momente unter einen mehr dem Geistigen entlehnten Stimmungsgehalt, dessen Wirkung wiederum H. GLICENSTEIN Jüdische von dem wechselvollen Kolorit des Orchesters ihren Ausgang nimmt. Obwohl wir uns dessen bewußt sind, daß wir gar manchen nennenswerten Namen übergangen haben (wie I. Brüll, M. Bruch, Rob. Kahn, Leo Blech u. a.), so würde es doch zu weit führen, wollten wir zugunsten unserer Belege den Kreis der Beispiele noch erweitern. Wir glauben, mit den hier Genannten für unsere These vom jüdischen Rassentum in der Musik bereits genügend bedeutsames Material in die Wagschale gelegt zu haben. Freilich liegt dieses Rassentum nicht für jeden flüchtigen Beobachter offen zutage und ist von anderem Rassentum etwa zu unterscheiden wie ein spanischer Bolero von einer italienischen Barkarole. Es liegt vielmehr verborgen unter einer Schicht nivellierender europäischer Kultur, aus der wir es heraushören müssen. Aber freuen sollen wir Uns, daß es vorhanden ist (und dafür Sorge tragen, daß es uns nicht verloren gehe. FEDERZEICHNUNG Greis DIE ENTSTEH UNO DES ETHISCHEN UND RELIOIOESEN UNIVERSALISMUS. Von Rabbiner Dr. J. Lewköwitz, Berlin. Wenn Nietzsche das jüdische Volk „das moralische Genie unter den 'Völkern" nennt, dann denkt er an die rätselhafte und einzigartige Fülle religiös schöpferischer Persönlichkeiten, die Israel hervorgebracht hat. Bei dieser zusammenfassenden Beurteilung, die die gesamte jüdische Geschichte auf die kürzeste Formel bringt, wird naturgemäß zwischen der Größe Mosis und der Bedeutung der späteren Propheten nicht unterschieden. Eine mehr ins Detail dringende Untersuchung aber gelangt zu dem Ergebnis, daß das prophetische Judentum trotz seiner entschiedenen Eigenart und Ursprünglichkeit auf dem Fundament der mosaischen Lehre ruht und sie voraussetzt. Arnos und Hosea bedeuten nicht einen absoluten Anfang religiöser Erkenntnis, sie betreten nicht einen völlig neuen Weg, sondern setzen die schöpferische Arbeit Mosis' fort, knüpfen an die Grundgedanken der mosaischen Offenbarung an. Je mehr die scheinbar objektive Bibelwissenschaft bestrebt ist, einen Gegensatz zwischen der Religion des Mose und dem prophetischen Judentum herzustellen, desto notwendiger ist der Hinweis auf den engen Zusammenhang, der mosaisches und prophetisches Judentum verbindet. Die späteren Propheten, die einen Gott verkünden, der seine Liebe allen Völkern schenkt, ziehen nur die letzte Konsequenz aus der Erkenntnis, die bereits Mose ausgesprochen hatte, daß der Gott Israels ein heiliger Gott ist, dessen Gerechtigkeit und Liebe also nicht begrenzt sein dürfen. Ihre ethischen Forderungen, die ein sittliches Ideal für alle Menschen aufrichten, sind gleichfalls nur eine entschiedenere Formulierung und konsequente Fassung: der ethischen Anschauung, die aus den mosaischen Moralgesetzen spricht. Die schöpferische Kraft der Propheten erscheint demnach dem moralischen Genie des Mose gegenüber als eine Genialität des Denkens, des