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Ost und West · 1917-11-01 · Heft 11-12 (November-Dezember 1917) · p. Seite 551 - 552

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Journal
Ost und West
Volume
17 (1917)
Issue
Heft 11-12 (November-Dezember 1917)
Article
Vom jüdischen Rassentum in der Musik
Date
1917-11-01
Page
Seite 551 - 552 (sequence 1)
Language
German
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551 Vom jüdischen Rassentum in der Musik. 552 VOM JUEDISCHEN RASSENTUM IN DER MUSIK. Von Dr. Bogumil Zepler. v Die Frage, ob die Rasse in der Kunst, -besonders in der Musik sich bemerkbar mache, ist wohl stets im bejahenden Sinne beantwortet worden. Man denke allein an (die Unterschiede, die sich hierin zwischen der germanischen, der romanischen und slawischen Rasse geltend machen, ja an die Unterschiede, die sogar innerhalb der romanischen Rasse, zwischen französischem, italienischem und spanischem Wesen hervortreten. Namentlich sind es die Volkslieder und Volkstänze, die ein beredtes Kennzeichen für diese Unterschiede abgeben, Unterschiede, die gleichzeitig bis zu einem gewissen Grade denChärakter derVjölker zu.(bezeichnen imstande sind!. So scheint es uns denn naheliegend genug, zu fragen, ob nicht auch die Juden, deren Rassentum nicht anzuzweifeln ist, sich in der Kunst und ganz speziell in der Musik einen bestimmt erkennbaren Charakter bewahrt haben, der natürlich dem sonstigen Charakter ihres Menschentums adäquat sein müßte. Zunächst muß gesagt werden, daß das Erkennen einer solchen speziellen Note in diesem Falle weit schwieriger ist als bei Völkern, die in voller Unabhängigkeit und staatlicher Selbständigkeit leben. Der Jude ist, sobald er sich aus seiner orthodoxen Umwelt befreit hat, von einer seltenen Akkomodationsfähigkeit an die neue Umwelt, in die er eingetreten; er ist .imstande, sich die ihm am heterogensten gegenüberstehenden Dinge in -einer Weise zu eigen zu machen, daß die „Nachform" dem Original vollkommen gleichwertig ist. Aus dieser Akkomodationsfähigkeit ist das alte Wort zu verstehen: „Jedes Land hat die Juden, die es verdient." Denn bei verhältnismäßig freiheitlicher Gestaltung seiner Lebensbedingungen „verähnlicht" sich der Jude im Verlaufe einiger Lebensalter in ganz frappanter Weise den Genossen des Volkes, unter dem er lebt. Dao hindert natürlich nicht, daß er beinern innersten Wesen nach an Temperament, Lebensauffassung, ersichtlicher aber noch in seiner künstlerischen Veranlagung der romanischen, ja auch der slawischen Rasse einigermaßen nähersteht wie der germanischen. Stellen wir also die Frage nach der Rasseneigentümlichkeit jüdischer Kunst, so werden wir ihre besonderen Merkmale am besten finden, wenn wir sie in der 'Nähe der romanischen, spezieller noch der französischen Kunst aufsuchen. Das können wir am Musiker jüdischer Rasse, seitdem er als frei schaffender Tonsetzer vor die Welt getreten, recht einleuchtend beobachten. Als Beweis dafür klommen hier zunächst 'zwei schöpferisch geniale Künstler in Frage: Mendelssohn und Meyerbeer. Was Mendelssohn betrifft, ist man leicht geneigt, ihn für das Deutschtum in Anspruch zu nehmen. Tatsächlich hat er deutschen Geist in einer Kraft auf sich wirken lassen und in sich verarbeitet, daß er uns in seinen vielen populär gewordenen Liedern deutscher erscheint als mancher urdeutsche Komponist. Und doch ist der Grundzug seiner Begabung aus Feiner jüdischen Abstammung geboren. Dieser zeigt sich in Dingen, die dem deutschen Tbnsetzer in lange nicht so ausgeprägtem Maße zu eigen sind, wie beispielsweise dem Franzosen; nämlich in dem Bevorzugen einer formalen Symmetrie und Abrundung, eines fast immer markanten Rhythmus und einer leicht eingängigen und häufig einen besonderen Mollcharaktcr annehmenden melodischen Linie. In einem stellenweise allzu starken Hervorkehren dieser Eigenschaften liegt denn auch Mendelssohns Schwäche, die es erklärlich mac|ht, daß ein Teil seiner Schöpfungen heutzutage nicht mehr in gleichem Maße bewertet wird wie ehedem. Viel deutlicher als bei Mendelssohn ist die jüdische Note bei Meyerbeer. Auch hier die gleichen Grundzüge wie dort; nur daß sie in der Oper und speziell in der von Meyerbeer inaugurierten und auf höchste szenische und dramatische Effekte gestellten „großen Oper" viel deutlicher zutage treten als in der symphonischen Schaffensart Mendelssohns. Diese Operngattung hätte überhaupt von keinem mit solcher Kraft wie von einem Juden hervorgebracht werden können, und der einzige, der es ihm, Wenn wir auch1 mit bedeutend geringerer Genialität nachzumachen wußte, war auch ■ ein Jude — H ale vy in seiner „Jüdin '.*) Da wir von den Franzosen sprechen, wollen wir gleich ein anderes ganz eigenartiges jüdisches Musikergenie betrachten : Jacques Offenbach. Auch er bringt aus seiner kölnischen Heimat (namentlich in seinen reizenden Einaktern) eine Menge deutscher Erinnerung mit. Das Wesentliche bei ihm aber spiegelt eine andere Seite des jüdischen Charakters wieder, den Sinn für Witz, Humor und Satire, wie er in Heinrich Heine auf dichterischem Gebiet sein Gegenstück findet. Aber auch diese Eigenschaften bauen sich auf den bereits früher genannten auf, und „Offenbachscher Rhythmus" ist ein Schlagwort von unvergänglicher Bedeutung. Aber Offenbäcti war in seiner (Art ein „Einziger", ebenso wie Richard Wagner es gewesen. Mit seinem Heimgang ging auch! die von ihm' ins Leben.gerufene Operette *) Die Meyerbeer vorangehenden (Pariser) „Großen Opern": Rossinis Teil und Aubers „Stumme von Portici"' wurden von Meyerbeers erstem Werk dieser Gattung, seinem „Robert der Teufel" an Erfolg wesentlich überholt.

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